11.05.2011

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Neue Perspektive für Maschinenbaubranche durch Ausbau der Elektromobilität

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau wird in den kommenden Jahren vom Ausbau der Elektromobilität profitieren. Das prognostizieren der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sowie die Strategieberatung Roland Berger in einer gemeinsamen Studie. Des Weiteren sehen sie, dass sich durch neue Produktionsanlagen für Elektrobatterien bis zum Jahr 2020 ein Geschäftspotenzial von 4,8 Milliarden Euro ergibt. Zugleich stehe die Branche vor der Herausforderung, ein neues Produkt- und Technologieportfolio entwickeln zu müssen. Kooperationen und Allianzen unter Maschinenbauern sollen notwendig werden, um Gesamtsysteme aus einer Hand zu bieten und wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern. Dies sind die Kernergebnisse der gemeinsamen VDMA-Roland-Berger-Studie über "E-Mobility - Chancen und Risiken für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau".

"Die Automobilindustrie steht vor einem großen Wandel", erläutert Ralf Kalmbach (links im Bild), Partner und Mitglied der weltweiten Geschäftsführung bei Roland Berger. "Die Notwendigkeit, CO2-Emissionen zu reduzieren, wird in den kommenden Jahren zu einem rasanten Anstieg der Elektromobilität auf den weltweiten Märkten führen. Das bedeutet eine große Umstellung - nicht nur für die Automotive-Branche, sondern auch für den Maschinen- und Anlagenbau." VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner (rechts im Bild) erklärt: "Wir sind mit unserer Produktionstechnik diejenige Branche, auf die es dabei wesentlich ankommt. Auch die Mobilität der Zukunft muss produziert werden."

Für die deutsche Maschinenbaubranche spielt der Automobilbau schon jetzt eine wichtige Rolle, berichtet die Strategieberatung: So seien im Jahr 2010 rund 14 Milliarden Euro direkt im Automotive-Bereich umgesetzt worden. Zusätzlich existieren laut Roland Berger indirekte Beziehungen: Maschinen und Anlagen werden oft in vorgelagerte Wertschöpfungsstufen der Automobilbranche geliefert. Die Bedeutung des Maschinen- und Anlagenbaus werde vermutlich weiter zunehmen: Wurden im vergangenen Jahr rund 72 Millionen Autos weltweit verkauft, so werden es im Jahr 2020 voraussichtlich 100 Millionen sein, prognostiziert das Beratungsunternehmen.

Vor allem die Automobilnachfrage in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) zeige sehr hohe Wachstumsraten. "Dabei gehen wir davon aus, dass im Jahr 2025 rund 40 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge einen Hybrid- oder vollelektrischen Antrieb haben werden. An dieser Entwicklung arbeiten die Automobilhersteller gerade sehr intensiv", so Kalmbach. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau bedeutet dies ein zusätzliches Geschäftspotenzial von 4,8 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 durch neue Anlagen für die Produktion von Batteriezellen.

"Mit einem Substitutionseffekt ist mittelfristig nicht zu rechnen", unterstreicht Lindner. "Die herkömmliche Produktionstechnik für Verbrennungsmotoren fällt nicht abrupt weg, da Hybridkonzepte lange dominieren werden." Aber die zunehmende Verbreitung der Elektromobilität werde auch für zusätzliche Geschäftschancen im Maschinenbau sorgen: Neue Produktionsanlagen für Komponenten des elektrischen Antriebsstrangs sollen laut Studie gefragt sein. Der Maschinenbau werde vor allem erheblich dazu beitragen, Qualitäts- und Kostenziele bei Batterien und Elektromotoren zu erreichen. So entstehen zum Beispiel rund 50 Prozent der Batteriekosten in der Fertigung, heißt es. Durch den Einsatz von intelligenten Produktionssystemen könnten hier große Optimierungspotenziale erschlossen werden. VDMA-Präsident Lindner betont: "Das globale Rennen gewinnt, wer den größten Beitrag zur Kostenreduktion über intelligente, automotive-gerechte Fertigungstechnologien leisten kann. Das ist eine immense Chance für unsere Unternehmen".

Elektrische Antriebe erfordern für ihre neuen Komponenten auch neue Produktionstechnologien, die in der Automobilindustrie bislang kaum eingesetzt wurden, heißt es in der Studie. "Bisher spielte die Metallverarbeitung im Automobilbereich eine sehr wichtige Rolle", erläutert Kalmbach. "Nun werden für die Batterieproduktion ganz andere Technologien gefragt sein. Denken wir nur an die Beschichtung der Elektroden. In Folge werden auch die Maschinenbauer ihr Produktportfolio entsprechend anpassen müssen."

"Komponenten für E-Motoren und vor allem Batterien werden demnächst in den jeweiligen Fahrzeugmärkten, das heißt auch in Europa und den USA, produziert werden", betont Kalmbach. "Durch den hohen Automatisierungsgrad spielen Lohnkosten bei der Produktion nur eine geringe Rolle und die Ansiedlung in Niedriglohnländern macht aus dieser Perspektive wenig Sinn." Zusätzlich seien die Transportrisiken bei Batteriezellen ein wichtiger Faktor, da Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen die Qualität der Zellen beeinträchtigen könnten. "Durch den Aufbau von Produktionskapazitäten nah an den jeweiligen Fahrzeugwerken können Automobilhersteller diese Hindernisse umgehen - die ersten Ansätze dazu sehen wir bereits", so Kalmbach. Für den Maschinenbau sei dies eine gute Nachricht, weiß er und fügt hinzu: "Zum Beispiel bei den Anlagen zur Batteriezellenproduktion wird sich ein beträchtlicher Markt entwickeln, den sich deutsche Unternehmen erschließen können".

Angesichts des großen Marktpotenzials und der Nähe zu bestehenden technologischen Kompetenzen - wie in der Photovoltaik- und Halbleiterfertigung - ist der deutsche Maschinenbau gut aufgestellt, um sich das Geschäftsfeld der Elektromobilität zu erschließen, besagt die Studie. Vor allem für kleine und mittelständische Betriebe stelle das aber auch eine Herausforderung dar. Partnerschaften sollen daher laut Bericht zwischen Maschinenbauherstellern entstehen, um die gemeinsame Entwicklung von schlüsselfertigen Gesamtsystemen voranzutreiben und innovative, kundenspezifische Lösungen auf den Markt zu bringen.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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