19.05.2011

    « | »
NACHRICHT
VERSENDEN
DRUCKEN
BOOKMARK
RSS-Feed
NEWSLETTER

Werkstoffe im Automobilbau: Mischbauweisen gehört die Zukunft

Karosserien in Mischbauweisen bieten große Chancen für ökologisch und ökonomisch wirksamen Leichtbau. Mit dieser Feststellung hat Andreas Fidorra, Leiter Entwicklung Karosserie, Audi, die ATZ-Fachtagung "Werkstoffe im Automobilbau" am Mittwoch, 18. Mai 2011, in Stuttgart eröffnet. "Wenn es nicht um die absolut mögliche Gewichtsreduzierung, sondern um das bestmögliche Verhältnis von Herstellungsaufwand zu Gewichtsreduzierung geht, wird kein Werkstoff allein und für alle Anwendungsfälle das optimale Verhältnis darstellen", erläuterte Fidorra. Über diese Erkenntnis gelange man zum Einsatz verschiedener Werkstoffe. Monokulturen seien nur ein Weg, Mischbau sei eine Notwendigkeit. Dabei gelte es zu berücksichtigen, den passenden Werkstoff für die richtige Stelle zu finden, um das Potenzial eines Materials bestmöglich nutzen zu können. Der Schlüssel zu den attraktivsten Werkstoffkombinationen liegt für Fidorra in der Entwicklung neuer, prozesssicherer Fügetechniken.

Jedoch dürfe der Werkstoffeinsatz nicht um jeden Preis und zum Selbstzweck erfolgen. "Gerade Leichtbauwerkstoffe müssen ihre in der Regel höheren Emissionen bei der Herstellung rechtfertigen", gab Fidorra zu Bedenken. Deshalb müsse man die gesamtheitliche Umweltbilanz im Blick haben. Herstellung und Verarbeitung der Grundmaterialien sei genauso zu berücksichtigen, wie Nutzungsphase und Recyclingaufwand eines Automobils.

In diesem Zusammenhang betonte Dr. Stefan Kienzle, Head of Lightweight, Materials and Manufacturing Concepts, Daimler, dass sich der Leichtbaueffekt jedoch über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs gesamtenergetisch auszahle. Leichtbau sei mehr denn je strategisches Ziel im Rohbau. Rund 70 Prozent aller Leichtbaumaßnahmen bei Daimler werden mit Materialsubstitution dargestellt. Großes Potenzial sieht Kienzle bei Aluminium und den Verbundwerkstoffen. Letztere könnten in zehn Jahren zirka zehn Prozent des Rohbauvolumens ausmachen. Hier lobte er besonders die gemeinsamen Strategien und Partnerschaften der deutschen OEM im Bereich CFK.

"Der Fahrzeugleichtbau ist für die gegenwärtigen Verbrennungsmotoren in Anbetracht der Klimadiskussion und der Orientierung an nachhaltigen Mobilitätskonzepten von zentraler Bedeutung", sagte Kienzle. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ließen sich durch eine Gewichtsreduzierung von 100 Kilogramm zirka zehn Gramm an CO2-Emissionen einsparen. Aber auch für alternative Antriebskonzepte seien Leichtbaumaterialien ein wesentliches Erfolgskriterium. Durch ein geringeres Gewicht könne unter anderem die Fahrzeugreichweite von Elektrofahrzeugen erhöht werden. Zentral ist für Kienzle auch die Frage, was Leichtbau kosten darf. So sei es entscheidend die Mehrkosten für Leichtbau in den Griff zu bekommen. So gebe Daimler rund fünf bis zehn Euro aus, um ein Kilogramm an Gewicht zu sparen.

Ebenso entscheidend ist auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen. Diesem Aspekt widmete sich die Podiumsdiskussion. Adressiert wurden die Konsequenzen, die sich aus den weltweiten Rohstoffvorräten für den Automobilbau der Zukunft ergeben. Dr. Volker Steinbach, Leiter der neu gegründeten Deutschen Rohstoffagentur, (im Bild 2. von links) gab hierbei zu Bedenken, dass sich die weltweite Rohstoffsituation Anfang 2000 gegenüber den 1980er und 1990er Jahren geändert habe, und zwar mit dem Wachstum der Schwellenländer, insbesondere Chinas. Bei vielen Basismetallen sei China zu einem der größten Konsumenten geworden. So seien dort im Jahr 2000 rund zehn bis zwölf Prozent an Aluminium, Kupfer, Blei, Zink und Nickel verbraucht worden, 2005 waren es zirka 25 Prozent und 2009 ungefähr 40 Prozent. Bei Stahl seien es über 50 Prozent. "Wir als Rohstoffnation sind von fairen, transparenten Märkten abhängig. Daher müssen wir ein Rohstoffbewusstsein bei Politik, Wirtschaft und Ingenieuren schaffen. Das ist in den letzten 20 Jahren vernachlässigt worden", erläuterte Steinbach. So solle beispielsweise ein Bewusstsein dafür entstehen, dass zirka 97 Prozent der seltenen Erden aus China importiert werden und der Magnetwerkstoff Neodym für Windkraftanlagen gebraucht wird. Jedoch ist für Steinbach das Energie- und Rohstoffpotenzial auf der Erde unbegrenzt, wenn zum Beispiel alleine das Potenzial der Sonnenenergie betrachtet wird. Auch ausreichend mineralische Rohstoffe seien vorhanden. "Es ist noch keine Technologie an einem Rohstoff gescheitert", betonte Steinbach.

Stefan Kienzle (links im Bild) betrachtete hingegen kritisch die Verfügbarkeit der seltenen Erden oder der Elemente der Nickelgruppe wie Palladium und Platin. Dennoch prognostizierte er, dass in zirka 50 Jahren mehr oder weniger alle Fahrzeuge elektrisch angetrieben seien. Uwe Wolf, Head of Sales Automotive, BASF, (rechts im Bild) erläuterte, dass sich das Unternehmen verstärkt mit Alternativen zu Erdöl beschäftige. Diese seien die Nutzung von Erdgas, Methan oder CO2. Aus letzterem sollen die Kohlenstoffatome für die chemische Industrie nutzbar gemacht werden. Beispielsweise als Ameisensäure.

Einig waren sich die drei Diskutanten, dass auf Nachhaltigkeit und ökologische Aspekte geachtet werden muss. Beim Thema Recycling, gerade auch vor dem Hintergrund zunehmender Mischbauweisen, sieht Kienzle kein Problem. "Was an neuem Material kommt ist beherrschbar", so Kienzle.

In weiteren Vorträgen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Werkstoffkonzepte in Fahrzeug, Aufbau und Antriebsstrang sowie deren Herausforderung für Füge- und Produktionstechniken zu diskutieren. Relevant waren hier auch robuste Werkstofflösungen für die Fahrzeugsicherheit. Nicht zuletzt wurde die Rolle des Elektroautos als Impulsgeber für neue Werkstoffanwendungen beleuchtet.

Das von Professor Horst E. Friedrich, Direktor des Instituts für Fahrzeugkonzepte, DLR, ins Leben gerufene "Werkstoffsymposium Fahrzeugtechnik" findet dieses Jahr zum ersten Mal unter dem neuen Namen "Werkstoffe im Automobilbau" in Kooperation mit der ATZ statt. Rund 110 Ingenieure diskutieren anhand von mehr als 20 Einzelvorträgen noch bis heute, Donnerstag, 19. Mai 2011, innovative Werkstofftechniken für das Automobil von morgen.

Einen ausführlichen Bericht zur ATZ-Fachtagung "Werkstoffe im Automobilbau" finden Sie in der ATZ 7-8/2011. Sie erscheint am 8. Juli 2011.
Metadaten anzeigen: Autor verbergen | Schlagworte
Autor(en): Christiane Brünglinghaus
   mehr Beiträge vom 19.05.2011:
» Nachrichten:

start
DOSSIERS ZUM THEMA
Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft
Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft 14.05.2012 - Nach einer großen Euphorie war es um die Entwicklung alternativer Kraftstoffe aus nachhaltigen Quellen eine Zeit lang still geworden. Nun aber scheint die Kraftstoffforschung eine Renaissance zu erleben. Die Chancen für künftige Energieträger stehen so gut wie nie... » mehr
Leichtbau: Karosserie und Leichtbau Hand in Hand (30.04.2012)

Downsizing: Motoren mit kleinem Hubraum (16.04.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
FACHARTIKEL ZUM THEMA
Zukünftige Motorsteuerungen für CNG-Ottomotoren
Zukünftige Motorsteuerungen für CNG-Ottomotoren 11.05.2012 - Erdgas als Kraftstoff für Verbrennungsmotoren ist eine gute Alternative zu herkömmlichem flüssigen Kraftstoffen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Dafür hat Bosch ein System für die Einblasung von Compressed Natural Gas (CNG) entwickelt, das modular mit Saugrohr-... » mehr
Motormanagement: Virtuelle Entwicklung von Steuergerätefunktionen für vollvariable Ventiltriebe (11.05.2012)

Aufladung: Neues Turboladerkonzept für Ottomotoren (11.05.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
WHITEPAPER ZUM THEMA
Neueste Entwicklungstrends bei aufgeladenen Ottomotoren
Neueste Entwicklungstrends bei aufgeladenen Ottomotoren 14.02.2012 - Abgasturboaufladung zeigt hohes Einsparpotenzial hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs und ist daher eine Schlüsseltechnologie, um künftige Emissionsrichtlinien zu erfüllen. Damit setzen zahlreiche Automobilhersteller auf das technische Know-how von BorgWarner. » mehr
start
INTERVIEWS ZUM THEMA
"Die Gewichtsspirale ist durchbrochen"
"Die Gewichtsspirale ist durchbrochen" 30.04.2012 - Das zunehmende Bewusstsein über die Endlichkeit der Ressourcen und die drängende Diskussion um eine Reduzierung der CO2-Emissionen geben dem Thema Leichtbau in der Fahrzeugentwicklung ein neues Gewicht. Neben der Karosserie stehen dabei auch alle anderen Techniken... » mehr
Landmaschine: "Die Zukunft liegt in hybriden Systemen" (17.04.2012)

Downsizing: "Die Kundenpreise in akzeptablen Größenordnungen halten" (16.04.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
WebTV ZUM THEMA
Wie Audi dem R8 e-tron das Singen lehrt
Wie Audi dem R8 e-tron das Singen lehrt 05.04.2012 - Musik-Keyboard, Rechner und Studiolautsprecher - das sind einige der wesentlichen Zutaten für die akustische Visitenkarte der künftigen Audi e-tron-Modelle. Denn während in einem herkömmlichen Auto der Verbrennungsmotor die Musik macht, ist die Maschine in einem... » mehr
Kraftstoff-Einsparpotenzial bis zu 20 Prozent - Volvo testet Schwungradspeicher (26.05.2011)

Genf 2011: Einblicke (04.03.2011)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
NACHRICHTEN ZUM THEMA
Johnson Controls: Weniger Gewicht und robuste Datenübertragung im neuen 3er BMW
Johnson Controls: Weniger Gewicht und robuste Datenübertragung im neuen 3er BMW 23.05.2012 - Johnson Controls hat für den neuen BMW 3er mit der Türverkleidung, der Sitzstruktur und dem Kombiinstrument gleich drei Komponenten entwickelt, die sich durch ihr geringeres Gewicht beziehungsweise ihre elektromagnetische Verträglichkeit auszeichnen. » mehr
Elektromobilität: Avila: "Elektromotor und Verbrennungsmotor sind ein gutes Team" (22.05.2012)

Verbrauchsminderung: Daimler entwickelt haptisches Gaspedal (21.05.2012)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
start
FIRMEN ZUM THEMA
IAV GmbH
IAV GmbH
D 10587 Berlin

Safety-Kleen Deutschland GmbH
(D 32545 Bad Oeynhausen)

P+Z Engineering GmbH
(D 80939 München)

mehr  MEHR ANZEIGEN
start
BÜCHER ZUM THEMA
Grundlagen Verbrennungsmotoren
Grundlagen Verbrennungsmotoren 17.01.2012 - Funktionsweise, Simulation, Messtechnik Ohne Simulation von Verbrennungsprozessen keine kraftstoffsparenden Motoren Das Buch spannt einen Bogen von einfachen thermodynamischen Grundlagen des Verbrennungsmotors hin zu komplexen... » mehr
Motorauslegung: Verbrennungsmotoren (01.11.2011)

Motorentechnik: Handbuch Verbrennungsmotor (01.11.2011)

mehr  MEHR ANZEIGEN
 
 
start
PREMIUM PARTNER
start
LOGIN FACHARTIKEL-ARCHIV
 
start
NEUES THEMENDOSSIER ONLINE
Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft

ThemendossierMit den Online-Themendossiers für automobile Ingenieure greift ATZonline Titelstrecken der Fachmagazine der ATZ-Familie auf und erweitert sie um aktuelle Nachrichten, Fachbeiträge und Interviews aus Wissenschaft, Forschung und Entwicklung beim Hersteller & Zulieferer zum Thema Auto und Technik.

Aktuell: Alternative Kraftstoffe - Energiequellen und -träger der Zukunft
start
LESEPROBE KOSTENLOS ONLINE BLÄTTERN

Lesen Sie hochaktuelle Beiträge zu den Themen Auto & Technik auf technisch wissenschaftlichem Niveau aus Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Produktion der Automobilindustrie.

» ATZ: Seit 1898 in der Automobilindustrie die Zeitschrift für Auto & Technik

» MTZ: In der Auto-Motor-Entwicklung die Zeitschrift für Ingenieure

» ATZelektronik: Die Auto-Zeitschrift für Elektronik & Elektrotechnik

» ATZproduktion: Die Technik-Zeitschrift für die Automobilindustrie-Produktion
start
NEWSLETTER
Mit dem Newsletter erhalten Sie zwei Mal in der Woche aktuelle News, Berichte, Events und Interviews aus der Automobiltechnik und Automobilentwicklung. Natürlich kostenlos!

Exklusiv für Newsletter-Abonnenten:
regelmäßig kostenlose Fachartikel

  
start
LEXIKON
GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE
Das Wissen der Experten:
Qualitätsgeprüft. 25.000 Stichwörter. Kostenlos.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen
start
KOOPERATIONEN
eCarTecElektro-Mobil Kongress
 
RSS Home Springer Automotive Media Mediadaten AGB/Datenschutz Impressum Kontakt

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2012