20.05.2011

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Aus Schwarz mach Grün

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Der Reifen der Zukunft wird grün, zumindest wenn es nach dem Michelin-Vorstand Didier Miraton (Bild) geht. Neben dem Rollwiderstand stünden dabei Materialeinsatz und Leichtbau im Zentrum der Reifenforschung, sagte Miraton bei einem Pressegespräch am Rand der Challenge Bibendum, die derzeit in Berlin stattfindet.

Der Reifenhersteller nutzt die von 5000 Teilnehmern besuchte Veranstaltung - eine Mischung als Rally, Messe und Tagung - für die Weltpremiere einiger grüner Technologien. Besonders interessant ist ein neues Konzept für einen sich selbst reparierenden Reifen. Dieser ist bei einer Beschädigung vor Luftverlust geschützt, weil die Reifen-Innenseite mit einem selbstheilenden Elastomer beschichtet ist. Im Gegensatz zu existierenden Lösungen, die mit einer flüssigen Dichtmasse arbeiten, nutzt Michelin einen Feststoff, der Teil des Reifenaufbaus ist. Der Vorteil: Der Rollwiderstand verschlechtert sich gegenüber konventionellen Reifen nicht. Miraton will den unverwundbaren Reifen insbesondere in Schwellenländern vermarkten. Denn während in Europa ein Autofahrer im Schnitt nur alle 75.000 Kilometer mit einer Reifenpanne rechnen müsse, träfe es einen Chinesen aufgrund der schlechteren Straßen alle 5000 Kilometer. Der Entfall von Reserverad und Wagenheber führe im Stadtverkehr zu einer um zwei Gramm geringeren CO2-Emission. Unter Nachhaltigkeitsaspekten noch wichtiger ist die Verlängerung der Reifenlebensdauer und die daraus resultierende Materialeffizienz.

Miraton gab im Jahr 2005 das Ziel aus, den Materialeinsatz für Reifen bis 2025 zu halbieren. Seine Begründung war simpel: "2025 werden doppelt so viele Autos auf den Straßen der Welt fahren." Weniger Reifenschäden sind nur ein Ansatzpunkt, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen. Für Nutzfahrzeuge denkt Michelin darüber nach, die Tragfähigkeit der Reifen zu erhöhen, auf bis zu fünf Tonnen. Ein so ausgestatteter Anhänger könnte dann mit zwei Achsen auskommen, wo heute drei gebraucht werden. Das spart fast eine Tonne Gewicht und erhöht die Transporteffizienz um rund fünf Prozent.

Bereits mit dem auf der Challenge Bibendum 2010 vorgestellten Konzept "Tall & Narrow" stellt sich Michelin gegen das Credo der Branche, dass ein guter Reifen nicht nur schwarz, sondern auch breit sein muss. Bei gleicher Leistungsfähigkeit soll der Reifen mit der Dimension 195/55 R 21 einen 155/70 R19 ersetzen. Der höhere und schmale Pneu soll die Aerodynamik deutlich verbessern und so ebenfalls eine Verbrauchsreduzierung um fünf Prozent ermöglichen.

Gemeinsam ist all diesen Reifenkonzepten, dass der einzelne Reifen deutlich teurer werden muss, damit Michelin keinen Umsatzrückgang erleidet, obwohl weniger und kleinere Reifen verkauft werden. "Das ist einer der Gründe, warum uns die Challenge Bibendum so wichtig ist - so können viele Menschen sehen, dass die Zukunft andere Technologien braucht."

Die im Rahmen der Challenge Bibendum durchgeführte Rally, die sowohl Rundenzeiten und Fahrdynamik als auch den Verbrauch wertet, gewannen allerdings Fahrzeuge auf eher breiten Reifen. Den ersten Platz in der Kategorie der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor holte ein Porsche Panamera S Hybrid, den zweiten ein konventioneller Porsche 911. Erst auf den dritten Platz kam mit einem Dieselhybrid von Volvo ein echtes Verbrauchskonzept.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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