24.05.2011

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Oliver Wyman: Studie zum Elektroautomarkt in China

China ist einer der vielversprechendsten Elektroautomärkte der Welt. Dies befindet die international tätige Strategieberatung Oliver Wyman in ihrer jüngsten Studie. Staatliche Fördergelder schieben Forschung und Entwicklung wie auch Produktion und Absatz an. Internationale Automobilhersteller und Zulieferer sind gefordert, sich in China über strategische Partnerschaften zu positionieren, um vom gewaltigen Marktpotenzial der Elektromobilität nachhaltig profitieren zu können. Rasches Handeln ist gefragt, denn der Wettbewerb um die attraktivsten Partner ist bereits entbrannt: Dies sind Ergebnisse der jüngsten Studie die den Titel "E-Partnerschaften in China" trägt.

Der chinesische Automobilmarkt zählt zu den weltweit wachstumsstärksten Märkten - mit steigender Tendenz, so die Strategieberatung. Auch beim elektrischen Fahrzeug wolle China künftig den Ton angeben. Während in Deutschland bis zum Jahr 2020 rund eine Million Elektroautos auf den Straßen erwartet werden, sollen es im Land der Mitte rund 2,7 Millionen sein, heißt es. Ein Elektrofahrzeug aus China ist beispielsweise (Bild) der e6 des chinesischen Herstellers BYD Auto. Um eben diese Zahl an E-Autos auf die Straßen zu bekommen, pusche die Regierung dieses Marktsegment mit finanziellen Förderungen für Unternehmen und Kunden wie kein anderes Land. Der neue Fünfjahresplan sieht etwa elf Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung rund um Hybrid- und Elektroautos vor, weiß das Unternehmen. Zudem würden zahlreiche Pilotprogramme gefördert, die dabei helfen sollen, erste praktische Erfahrungen mit elektrischen Fahrzeugen zu sammeln. In die nötige Infrastruktur flössen ebenfalls hohe Investitionen. Gerade seien Produktionskapazitäten für die jährliche Fertigung von 500.000 Elektrofahrzeugen geschaffen, was sich Peking 1,1 Milliarden Euro habe kosten lassen. Anreize würden zudem für den Endabnehmer geschaffen. Zuschüsse von bis zu 6800 Euro beim Kauf eines Elektroautos förderten das Interesse erheblich. "China gibt richtig Gas", sagt Matthias Bentenrieder, Automobilexperte bei Oliver Wyman. "Bei aller Dynamik darf allerdings nicht vergessen werden, dass die chinesischen OEMs und Zulieferer gegenüber ihren internationalen Wettbewerbern deutliches Aufholpotenzial haben. Dies gilt sowohl in technologischer Hinsicht als auch für die Struktur aller lokalen Wertschöpfungspartnerschaften."

Dafür hätten die chinesischen Unternehmen andere Trümpfe in der Hand, weiß das Beratungsunternehmen. Abgesehen von der enormen staatlichen Unterstützung und dem riesigen Absatzmarkt präge sich um die Batterietechnologie eine Erfolg versprechende Industrie aus. Eine günstige Kostenstruktur, etwa bei Löhnen und Rohstoffen, wirke sich auch auf Entwicklung und Produktion von Elektroautos aus. Hier würden weitaus geringere Kosten als in westlichen Ländern anfallen. Schließlich habe die Volksrepublik Zugang zu knappen, gleichwohl wichtigen Rohstoffen für Elektromotoren. Daneben würden die vielen Millionenstädte sowie eine ausgesprochen kaufwillige Kundschaft einen guten Rahmen für die Entwicklung von Innenstadtkonzepten rund um das Elektroauto schaffen, so das Beratungsunternehmen.

Um sich so schnell wie möglich zu führenden Herstellern von Elektroautos zu entwickeln, benötigen die chinesischen Unternehmen den technologischen Input und das Know-how internationaler OEMs und Zulieferer, erklärt die Strategieberatung. Entsprechend forciere die Regierung in China derzeit Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen. Für die internationalen Wettbewerber wiederum seien Kooperationen, Joint-Ventures oder Beteiligungen die Voraussetzung schlechthin, um sich Zugang zum gewaltigen chinesischen Absatzmarkt rund um das Elektroauto zu verschaffen und die günstigen Rahmenbedingungen zu nutzen. So könnten die enormen Investitionen, die Forschung und Entwicklung der elektrischen Fahrzeuge und ihrer Komponenten verschlingen, gemeinsam geschultert werden. Auch hätten beide Partner die Chance, gemeinsam die anhaltenden technologischen Unwägbarkeiten vor allem im Batteriesektor durch das Bündeln von Know-how zu überwinden. "Insgesamt entsteht hier eine klassische Win-Win-Situation", weiß Sven Wandres, Automobilexperte bei Oliver Wyman. "Für die chinesischen Unternehmen wie für die internationalen OEMs und Zulieferer sind die Partnerschaften extrem wichtig." Alle Partnerschaften in Forschung und Entwicklung von Elektromobilität seien derzeit sehr viel versprechend, Batterien im Besonderen. Potenzial würden auch Elektromotoren bieten. Hier müssten sich die internationalen Hersteller und Zulieferer den Zugriff auf die wichtigen Rohmaterialien sichern und die Möglichkeiten der chinesischen Unternehmen in puncto kostengünstiger Massenproduktion nutzen. Erste Partnerschaften seien bereits entstanden. Gerade in der frühen Phase des noch jungen Elektroautomarkts sind sie wichtig, um sondieren zu können, wie sich welche Partnerschaft erfolgreich gestalten lässt, betont die Strategieberatung. Zudem könne in den Anfangsstadien hinreichende Erfahrung mit den Partnern gesammelt und die Dynamik des gesamten Umfelds verstanden werden. Insgesamt komme auf die internationalen Unternehmen dabei eine große Lernkurve zu, und sie müssten bereit sein, Fehler zu machen.

Rasches Handeln ist gefragt, betonen die Analysten der Studie. Denn der Wettlauf um die attraktivsten Unternehmen in China sei in vollem Gange. Dennoch sollten die ausländischen Autobauer und Zulieferer die Partnerschaften in China gezielt, strategisch überlegt und mit einer Portion Vorsicht eingehen, erklärt die Strategieberatung. Für die internationalen Wettbewerber heiße das Gebot der Stunde, ihr Portfolio, ihre Stärken und ihre Produkte genau zu analysieren, den geeigneten Partner zu finden und mit diesem die richtige Verbindung einzugehen. Gleichwohl sei es ratsam, die eigene Expertise wohldosiert in die Kooperation, das Joint-Venture oder die Beteiligung einzubringen. Nicht jede Partnerschaft werde laut Oliver Wyman zum Erfolg führen. Verhindert werden muss, dass im Falle eines Scheiterns Know-how abfließt und Wettbewerbsvorteile verloren gehen, mahnt das Strategieberatungsunternehmen an. "Partnerschaften in China sind schon allein wegen der staatlichen Regulierung grundsätzlich eine Frage von Chancen und Risiken", betont Bentenrieder. "Fakt aber ist, dass China in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein hoch dynamisches Wertschöpfungssystem rund um das Elektroauto schaffen wird, das größer sein wird als jedes andere auf der Welt. Dafür gilt es, sich die beste Ausgangsposition zu sichern."

(Bild: BYD)
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Autor(en): Katrin Pudenz
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