24.05.2011

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Wege zur Verbesserung der Ingenieurpromotion

Promovierende in den Ingenieurwissenschaften werden an der Technischen Universität (TU) Braunschweig, der RWTH Aachen, den Universitäten Stuttgart und Erlangen-Nürnberg, an den Bremer Universitäten und an der Technischen Universität München mit in ihrer Qualität beispielhaften Programmen unterstützt. Das bescheinigt ihnen die Expertengruppe eines Wettbewerbs von Acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften gemeinsam mit 4ING (Dachverein der Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten), TU9 (Allianz der führenden Technischen Universitäten in Deutschland) und Arge TU/TH (Zusammenschluss 28 technisch orientierte Universitäten zu einem Arbeitskreis). Die Sieger des Wettbewerbs um Best Practices und neue Ideen zur Verbesserung der Ingenieurpromotion wurden nun im Rahmen eines Symposiums in Berlin mit jeweils 5000 Euro prämiert.Mit dem Wettbewerb möchten Acatech, 4ING, TU9 und ARGE TU/TH viel versprechende Wege zur nachhaltigen Verbesserung der Ingenieurpromotion aufzeigen. So wurden laut Acatec "vorbildliche Programme" in sechs Kategorien ausgezeichnet. Im Bereich "Auswahl von Kandidaten, Betreuung, Ablauf und Dauer der Promotion", siegte die TU Braunschweig, Fakultät für Maschinenbau. In der Kategorie "Unterrepräsentierte Doktorandengruppen" hatte die RWTH Aachen, mit dem Institut für Textiltechnik die Nase vorn. "Erwerb von außerfachlichen Qualifikationen/Schlüsselqualifikationen" war die Kategorie, in der die Universität Stuttgart, Graduate School of advanced Manufacturing Engineering, gewinnen konnte. Im Bereich "Internationalisierung", belegte der Forschungsverbund LogDynamics der Universität Bremen den ersten Platz, in der Kategorie "Neue Modelle der Promotionsförderung" die Universität Erlangen-Nürnberg, Technische Fakultät. Der Sonderpreis ging an die TUM Graduate School - TU München.

Die Fakultät für Maschinenbau der TU Braunschweig überzeugte laut Acatech mit ihrem "Strukturierten Doktorat", in dem die Assistenzpromotion mit Elementen eines modernen Personalmanagements und mit einheitlichen Betreuungsstandards ausgestaltet wurde. Ein "Braunschweiger Betreuungskodex" garantiere unter anderem regelmäßige wissenschaftliche und Personalentwicklungsgespräche, Potenzialanalysen, Weiterbildungsmaßnahmen und eine neutrale Schlichtungsstelle bei Problemen. Die regelmäßig evaluierten und weiterentwickelten Standards wurden als innovatives, erfolgreiches und auf andere Hochschulen übertragbares Modell prämiert.

Unterrepräsentierte Doktorandengruppen werden am Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen besonders gut unterstützt, heißt es aus Berlin. Das Institute setzt einerseits Maßstäbe bei der Vereinbarkeit von Promotion und Familie. Die Beratung schwangerer Doktorandinnen, ihre Unterstützung bei der Suche nach einer Kindertagesstätte, die ausdrückliche Möglichkeit der Elternteilzeit und familienfreundliche Arbeitsbedingungen seien am Aachener Institut Standard. Organisatorische Hilfe, Sprachkurse und die Freistellung von Nebenaufgaben würden andererseits einen stabilen Anteil an Promovierenden mit Migrationshintergrund sichern.

Die Graduate School of Advanced Manufacturing Engineering (GSaME) der Universität Stuttgart unterstützt vorbildlich den Erwerb von Schlüsselqualifikationen, Interdisziplinarität sowie den Wissens- und Technologietransfer, erklärt die Acatech. Hierfür sorge unter anderem das duale Prinzip, das auf die Promotion übertragen wurde: In Kooperation mit nationalen und internationalen außeruniversitären und industriellen Partnern werde ein Wechsel von theoretischen Ausbildungsphasen und praktischer Forschertätigkeit ermöglicht.

Stark in der Internationalisierung zeigte sich laut Akademie der Bremen Research Cluster for Dynamics in Logistics (Log Dynamics). Im Ergebnis promovieren innerhalb des Verbundes außergewöhnlich viele internationale Doktoranden, heißt es. Vorbildlich seien unter anderem die kulturelle Durchmischung, eine kontinuierliche und interdisziplinäre Zusammenarbeit, Englisch als Arbeitssprache, auf Diversität ausgerichtete Soft-Skill-Schulungen, internationale Konferenzen, dreimonatige Auslandsaufenthalte sowie die Integration von Gastwissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen aus dem Ausland. So sollen deutsche Promovierende von der Internationalität profitieren und umgekehrt die internationalen Kollegen vom Austausch mit deutschen Promovierenden.

Ein wegweisendes Modell der Promotionsförderung habe die Universität Erlangen-Nürnberg im Bereich der Kooperativen Promotion realisiert. Die Kandidaten werden nach bestandener Eignungsprüfung als Mitglied der fakultätsinternen Graduiertenschule aufgenommen, erklärt die Akademie. Dort sollen sie unter anderem von einem Qualifizierungsprogramm mit Zusatzzertifikaten, einer regelmäßigen Betreuung, punktuellen Arbeiten an der Universität und von einer Zweitbegutachtung der Dissertation von Fachhochschulseite profitieren. Voraussetzung sei eine gemeinsame Forschungsaktivität mit der jeweiligen Fachhochschule sowie die Sicherstellung eines forschungsadäquaten Arbeitsumfeldes.

Einen hohen Maßstab in der nationalen und internationalen Promotionslandschaft soll die TUM Graduate School der TU München setzen. Als fakultätsübergreifender Service schafft sie laut Acatech einheitliche Qualitätsstandards und gibt dennoch Freiraum für Fächerspezifika. Durch die hochschulweite und präsidiale Verankerung der Graduiertenschule werde der Stellenwert der Promotion auch institutionell gewürdigt. Vorgegeben würden Qualifizierungsmodule mit fachlichen und überfachlichen Anteilen, Vernetzungsmöglichkeiten, internationalen Phasen, Veröffentlichungsstandards und strukturierenden Elementen. Hinzu kommen vielfältige Beratungsleistungen, Gender- und Diversitymaßnahmen sowie Mitbestimmungsmöglichkeiten, heißt es.

Die Acatech vertritt die deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland. Als Arbeitsakademie berät sie Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen. Darüber hinaus hat es sich die Akademie zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Präsident ist Reinhard Hüttl (Bild).
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Autor(en): Katrin Pudenz
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