09.06.2011

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Kein simples Entweder-oder zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb

Die Zukunft gehört dem Elektroantrieb - trotz steigender Effizienz bei Diesel- und Ottomotoren. Das betonte Dr. Bernd Bohr (Bild), Geschäftsführer und Vorsitzender des Robert Bosch Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik, auf dem 60. Internationalen Motorpressekolloquium 2011 im Prüfzentrum Boxberg. "Bis 2013 werden wir zur Elektromobilität aus unserer Serienproduktion nahezu 20 Projekte von zwölf Automobilherstellern beliefern", teilte Bohr mit. Bosch plane gemeinsam mit Daimler die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, um Elektromotoren für E-Fahrzeuge in Europa zu entwickeln und zu produzieren. Jedoch brauche der Übergang zur Elektromobilität noch deutlich mehr als ein Jahrzehnt, schon wegen der hohen Kosten für die Antriebsbatterie und begrenzter Reichweiten. Für die nähere Zukunft räumte Bohr dem Plug-in-Hybrid gute Chancen ein. Es werde kein simples Entweder-oder zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb geben.

Zudem soll eine zweite Batteriefabrik in Europa aufgebaut werden. Bosch sei in Gesprächen mit verschiedenen Standorten. Bereits 2010 hat SB Limotive, ein Joint-Venture von Samsung SDI und Bosch, eine Fabrik zur Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge im koreanischen Ulsan in Betrieb genommen. Bohr geht davon aus, dass die Produktion in Ulsan 2014/2015 ausgelastet sein wird.

Jedoch wird auch in Zukunft der Verbrennungsmotor einen entscheidenden Beitrag zur Schonung des Klimas leisten. Das Ziel, den Kohlendioxidausstoß von Neuwagen durchschnittlich auf 95 Gramm je Kilometer bis zum Jahr 2020 zu begrenzen, sei vor allem mit Maßnahmen am Verbrennungsmotor zu realisieren, erläuterte Bohr. Schließt man den Hybridantrieb mit ein, werden 2020 weltweit mehr als 95 Prozent der Neufahrzeuge mit einem Diesel- und Ottomotor ausgestattet sein. Gerade deshalb sei es wichtig, ihren Kraftstoffverbrauch nochmals um 30 Prozent zu senken. So werde Bosch die Stückzahlen seiner Common-Rail-Dieseleinspritzung bis 2015 um jährlich mehr als zehn Prozent steigern. Verdreifachen werde der Zulieferer bis 2013 den Absatz der Benzindirekteinspritzung.

"Noch in diesem Jahr wird Bosch das erste Common-Rail-System mit 2200 bar Einspritzdruck für Personenwagen in Serie bringen", ergänzte Dr. Rolf Leonhard, Bereichsvorstand Entwicklung Diesel Systems bei Bosch. Und die Entwickler arbeiteten bereits an einem Common-Rail mit 2500 bar. Zum Jahresende soll das Gemeinschaftsunternehmen Bosch Mahle Turbo Systems die Serienlieferung von Abgasturboladern starten. Im Jahr 2015 erwarte man aus dieser Kooperation eine Million produzierte Turbolader mit optimiertem Ansprechverhalten. Ferner arbeite man an einer Start-Stopp-Automatik, die den Motor für das so genannte Segeln vorübergehend abschaltet. Leonhard äußerte sich zuversichtlich, dass auch die für 2025 diskutierten CO2-Ziele von 70 Gramm je Kilometer zu schaffen seien.

Ebenso intensiv wie die Elektromobilität und Effizienz der Verbrennungsmotoren verfolgt Bosch die Vision des unfallfreien Fahrens. "Für den dichten Verkehr in Innenstädten erweitern wir den Funktionsumfang des Notbremssystems", erläuterte Dr. Werner Struth, Vorsitzender des Bereichsvorstands Chassis Systems Control bei Bosch. Ein erweitertes Notbremssystem soll noch in diesem Jahr in einem Fahrzeug der Mittelklasse in Serie gehen. Zudem komme Ende 2012 ein Mid-Range-Radarsensor (MRR) auf den Markt, der zu einer größeren Verbreitung von Assistenzsystemen beitragen soll. Bei reduzierter Leistung sei der Sensor kostengünstiger, sodass darauf aufbauende Systeme zunehmend auch in der Mittel- und Kompaktklasse angeboten werden können. So geht Bosch davon aus, dass 2015 rund 15 Prozent aller Neufahrzeuge in Europa mit vorausschauenden Notbremssystemen und ACC-Lösungen ausgestattet sein werden - bei Videosensoren sei es jedes zehnte neu zugelassene Fahrzeug.

Ebenso sei der Ausbau der Assistenzsysteme entscheidend für das autonome Fahren. "In den kommenden 20 Jahren", dies machte Bohr deutlich, "wird der technische Fortschritt zum autonomen Fahren führen". Zunächst werde sich das autonome Fahren in überschaubaren Situationen durchsetzen, etwa beim Einparken oder im Stopp-and-go-Verkehr. In künftigen Fahrzeuggenerationen werde es aber auch bei höheren Geschwindigkeiten möglich. "Das autonome Fahren kommt schrittweise", sagte Bohr.

Gezielt entwickelt der Zulieferer auch Lösungen für die aufstrebenden Länder Asiens und Südamerikas, wo das Preisniveau für die vor Ort besonders gefragten Mittelklasse-Produkte durchschnittlich um 30 bis 60 Prozent niedriger ist als in den Industrieländern. Schon lange reiche es nicht mehr, Lösungen aus Europa eins-zu-eins in andere Regionen zu übertragen. "Im Austausch zwischen unseren Entwicklern in Industrie- und Schwellenländern gibt es keine Einbahnstraße", betonte der Geschäftsführer, "eher schon einen Highway in beiden Richtungen". So habe sich der Asien-Anteil am Umsatz des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik innerhalb von zwölf Jahren von sechs auf 26 Prozent gut vervierfacht. In absoluten Zahlen bedeute das eine Steigerung von knapp eine auf 7,4 Milliarden Euro.
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Autor(en): Christiane Brünglinghaus
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