10.06.2011

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Geballtes Getriebe-Know-how in Friedrichshafen

Die neusten Antriebsentwicklungen in den Bereichen Pkw, Nutzfahrzeug und auch mobile Arbeitsmaschinen: In Friedrichshafen drehte sich dieser Tage alles rund um das Getriebe. Parallel zu dem internationalen VDI-Kongress Getriebe in Fahrzeugen 2011 fanden die 2. VDI-Fachkonferenz Getriebe in Nutzfahrzeugen sowie die 1. VDI-Fachkonferenz Getriebe in mobilen Arbeitsmaschinen statt. Über 800 Teilnehmen konnten sich von Dienstag, 7. Juni 2011, bis Mittwoch, 8. Juni 2011, tiefgehend informieren.

Dr. Ralph Wiechers (Bild), Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), zeigte in seinem Plenarvortrag "Zurück auf Los" im Rahmen der Fachkonferenz Getriebe in mobilen Arbeitsmaschinen auf, dass der deutsche Maschinen und Anlagenbau die Krise schneller hinter sich lässt als angenommen. So konnte im Jahr 2010 die Maschinenproduktion gegenüber 2009 um mehr als neun Prozent gesteigert werden. Einige Branchen haben dabei sehr starke Order- und Umsatzzuwächse verbuchen können, andere - wie die mobilen Maschinen - bewegen sich noch deutlich unter ihren alten Höchstständen. "Dieser schwierige Spagat wird sich", laut Wiechers, "im laufenden Jahr zwar nicht gänzlich auflösen, aber weniger stark ausfallen". So macht sich der weltweit wachsende Bedarf nach Investitionsgütern in fast allen Branchen bemerkbar. Hierdurch dürfte die Maschinenbauproduktion 2011 laut der aktuellen VDMA-Prognose um 14 Prozent zulegen - also fast den Produktionsrekord von 2008 erreichen.

Nach diesem Überblicksbeitrag über den Zustand der Branche drehte sich auf der Fachkonferenz alles um die neueste Technik in mobilen Arbeitsmaschinen. Bisher deckte ZF mit stufenlosen Getrieben (Continiously Variable Transmission(CVT)-Getrieben) nur den mittleren bis oberen Leistungsbereich landwirtschaftlicher Fahrzeugantriebe von 85 bis 405 Kilowatt ab. Dipl.-Ing. Gerhard Bailly stellte in seinem Vortrag nun das neue ZF-Getriebekonzept Terramatic 11 für den stufenlosen, leistungsverzweigten Antrieb von landwirtschaftlichen oder kommunalen Fahrzeugen mit einer Leistung von 60 bis 85 Kilowatt vor. Das reversierfähige Getriebe bietet zwei stufenlose Fahrbereiche und lässt sich flexibel auf die Zugkraft- und Höchstgeschwindigkeitsforderungen von unterschiedlichen Fahrzeugtypen anpassen. Über das eingesetzte Doppelkupplungssystem lassen sich die Fahrbereiche vorwärts und rückwärts automatisiert schalten. Bei der Entwicklung wurde auch darauf geachtet, dass sich das kompakte, elektronisch kontrollierte Getriebe in den Antriebsstrang bestehender Fahrzeugkonzepte integrieren lässt.

Dr. Ludger Frerichs von Still zeigte in seinem Vortrag die extreme Varianz und häufig kundenspezifische Ausprägung von Gabelstaplern bedingt durch die speziellen Anforderungen der Märkte und Einsatzfälle auf. Hierdurch erklärt sich die Bandbreite der angebotenen Antriebskonzepte für Gegengewichtsstapler. So werden heute am Markt mit Batterien oder Brennstoffzellen betriebene Elektrostapler sowie Stapler mit Verbrennungsmotoren in Diesel-, Benzin, LPG- oder CNG-Ausführung angeboten. Während im globalen Markt dabei häufig die Produktionskosten den finalen Ausschlag für die Bestellung eines Staplers geben, sind in den "entwickelten Märkten" die Total-Cost-of-Ownership einschließlich der an Bedeutung zunehmenden Energiekosten entscheidend.

Bei den mobilen Maschinen ist die Elektrifizierung des Antriebs ein wichtiges aktuelles Thema. Eine entscheidende Rolle für die Architektur eines Antriebsstranges spielt dabei auch der Gesetzgeber. So zwingen unter anderem die Abgasvorschriften wie Tier 4 final die Branche zu neuen Ansätzen und Wegen in der Emissionsreduzierung. Wird darüber hinaus noch das "lokale emissionsfreie Fahren" gefordert, so kommt man um einen Elektroantrieb nicht herum. Neben der Elektrifizierung von Traktionsantrieben wird auch viel über die Elektrifizierung von Nebenantrieben nachgedacht. Für Haupt- und Nebenantriebe gelten dabei recht unterschiedliche Forderungen in Bezug auf Energie- und Leistungsaufwand. Die Eigenschaften einer E-Maschine dürfen dabei keinesfalls isoliert, sondern im System betrachtet werden, wie Dr. Martin Berger von hofer eds aufzeigte.

Auch 2012 wird man wieder Gelegenheit haben, sich am Bodensee auszutauschen. Der nächste internationale VDI-Kongress Getriebe in Fahrzeugen wird am 19. und 20. Juni 2012 in Friedrichshafen stattfinden.
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Autor(en): Andreas Fuchs
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