08.07.2011

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Prüfstand für schwergewichtige Fahrzeuge

Baumaschinen, Kommunalfahrzeuge sowie Land- und Forstmaschinen haben Aufgaben und Einsatzgebiete, die oftmals außerhalb geteerter Straßen liegen. Die besonderen Herausforderungen für Antriebstechnik und Steuerungskonzepte sind daher im Fokus der Forschung am Stiftungslehrstuhl für Mobile Arbeitsmaschinen des Instituts für Fahrzeugsystemtechnik (Fast) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Hierfür steht den Wissenschaftlern nun ein moderner Akustikallradrollenprüfstand zur Verfügung.

An der Versuchsanlage, die Fahrzeuge mit einem Leergewicht von bis zu 40 Tonnen aufnehmen kann, untersuchen die Ingenieure unter anderem Leistung und Funktion sowie Außen- und Innengeräusche von mobilen Arbeitsmaschinen und Nutzfahrzeugen, erklärt das Institut. Gleichzeitig würden - genau wie bei Pkw - die Aspekte Sicherheit, Energieeffizienz, Benutzerfreundlichkeit und Kosteneinsparung eine Rolle spielen. "Mobile Arbeitsmaschinen unterscheiden sich von Pkw aber vor allem durch ihre Arbeitsantriebe, die je nach Anwendung eine unterschiedlich große Bedeutung haben", erläutert Professor Marcus Geimer, der den Stiftungslehrstuhl am Fast inne hat. "In einem Mähdrescher fließen beispielsweise 80 Prozent der Motorleistung in den Ernteprozess, nur etwa 20 Prozent der Leistung werden zum Fahren benötigt." Noch seien die Antriebe für das Fahren und Arbeiten in diesen Fahrzeugen getrennt. Da sich jedoch aus beiden Antrieben Energie zurückgewinnen lasse, biete eine Zusammenführung große Vorteile.

"Mit dem Prüfstand können wir nun die vollständigen Maschinen unter realitätsnahen Bedingungen, aber mit reproduzierbaren Belastungen untersuchen", erklärt Geimer. Letzteres sei wegen der Möglichkeit, Ergebnisse zu vergleichen, ein wesentlicher Vorteil gegenüber Fahrten im Testgelände. Unter anderem untersuchen die Wissenschaftler so Hybridantriebe in mobilen Arbeitsmaschinen, wie es heißt. "Zum einen können wir Leistung und Effizienz etwa an einem umgerüsteten Radlader untersuchen, zum anderen können wir aber zum Beispiel auch hybride Strukturen, die noch nicht in der Maschine integriert sind, am Prüfstand simulieren. Diese Versuchsanlage trägt dazu bei, unterschiedliche Konzepte und Systeme wissenschaftlich fundiert vergleichen zu können", betont Geimer.

Zweiter zentraler Untersuchungsgegenstand neben den Antrieben sind laut KIT Steuerungskonzepte, insbesondere sich selbst adaptierende oder lernfähige Systeme. "Die Reaktion dieser Systeme können wir teilweise nur schwer voraussagen", sagt Geimer. "Am Rollenprüfstand können wir solche Steuerungen ohne Gefährdung des Bedieners auch in sicherheitskritischen Situationen untersuchen."

Mit vier individuell ansteuerbaren Rollen ist der Prüfstand offen für vielfältige Aufgaben. Sie reichen von realen Tests etwa bei der Ermittlung von Zugkraftdaten bis zu Versuchen mit Simulationsunterstützung (Vehicle-in-the-Loop). Dabei sind Prüfgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h sowie Zugkräfte von bis zu elf Tonnen je Rad möglich. Die Nutzung des Prüfstands erfolgt gemeinsam mit den Fast-Lehrstühlen für Fahrzeugtechnik (Pkw und Nutzfahrzeuge), Bahnsystemtechnik und Leichtbau.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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