17.08.2011

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Automatisierungswerkzeug Caliav - der Turbo für Applikateure

Dem französische Automobilkonzern PSA ist es gelungen, 60 Prozent des Applikationsaufwandes einzusparen und gleichzeitig die Qualität der Bedatung zu verbessern. Und zwar mithilfe des Automatisierungswerkzeuges namens Caliav von IAV und Etas.

Anfang des Jahres 2011 hat der französische Autohersteller das Tool für eine besonders komplexe Applikationsaufgabe eingesetzt, wie die Ingenieurgesellschaft berichtet. Und zwar für die vollautomatisierte Applikation der Hinterkatregelung eines Ottomotors mit einer Zweipunktlambdasonde. Der frühere Applikationsprozess bei PSA sei langwierig gewesen und habe sehr erfahrene Experten erfordert. Nach Einführung des neuen Prozesses mit hohem Automatisierungsgrad sei die Applikationszeit verkürzt worden und die Bedatung robuster gegenüber Serienstreuung und Alterung der Abgasnachbehandlung.

Mit Caliav erreichen auch weniger erfahrene Ingenieure das Qualitätsniveau der "alten Hasen", wie die Ingenieurgesellschaft verrät. Außerdem garantiere der geführte Prozess, dass selbst wechselnde Teams künftig auf gleiche Weise an die Bedatung herangingen. Besonders beeindruckend war aber der Zeitgewinn, so das Engineering-Unternehmen weiter: Die PSA-Applikateure sparten 60 Prozent gegenüber dem klassischen manuellen Prozess. Diese Ergebnisse stellte Gregory Traumat, der bei PSA für Applikationsmethoden von Motor- und Getriebesteuergeräten verantwortlich ist, kürzlich im Rahmen des 8. Symposiums "Steuerungssysteme für den Antriebstrang von Kraftfahrzeugen" in Berlin vor. "Heute gibt es manchmal mehr als 60 Derivate eines Fahrzeugs", rechnet Sven Meyer, Projektleiter bei der IAV vor. "Spart man jedes Mal 60 Prozent, lassen sich die Kosten mithilfe von Caliav drastisch senken."

Die Software des Berliner Automobil-Entwicklungspartners soll den komplexen Applikationsprozess automatisieren. Die Grundidee dahinter ist, erläutert die Gesellschaft, dass es das Werkzeug erlaubt, die Applikation grafisch in Form von Flussdiagrammen zu modellieren. "Im Editor des Programms kann der Ingenieur den Ablauf vorgeben", erklärt Meyer. "Jeder Block im Diagramm stellt dabei eine spezifische Applikationsmethode oder eine Gruppe von solchen Methoden dar." Beispiele für Basismethoden seien Messen und Verstellen, Optimierungsmethoden sowie Generatoren für Fahrzyklen. Sie sollen sich über Parameter an die spezielle Applikationsaufgabe anpassen lassen.

Ist der Ablauf definiert, erzeugt das Automatisierungswerkzeug auf Knopfdruck eine Skriptdatei, die die weit verbreitete Applikationssoftware Inca von Etas ansteuert, heißt es aus Berlin. Umgekehrt nehme das Tool von der Applikationssoftware Messwerte - etwa von einem Motor- oder Rollenprüfstand - entgegen. So erzeuge die Kombination von Caliav und Inca schrittweise und völlig automatisch die Bedatung des Steuergerätes.

Die Automatisierung verhindert auch immer wieder auftretende Fehler: "In manchen Fällen muss beispielsweise die Tankentlüftung ausgeschaltet sein", erläutert Projektleiter Meyer. "Das wird gerne vergessen - bei Caliav kann so etwas aber nicht passieren, weil eine entsprechende Regel im System hinterlegt ist." Hier offenbare sich ein weiterer Vorteil des Tools: Es führe wie von selbst zu einem professionellen Wissensmanagement. Denn nichts gehe verloren - jede Erfahrung, die in der Datenbank hinterlegt werde, stehe auch künftig zur Verfügung. Das spare viel Arbeit bei der Applikation von Derivaten oder neuen Steuergeräten. Und es versetze selbst Anfänger in die Lage, Steuergeräte schnell und professionell zu bedaten. "Was früher nur im Kopf erfahrener Kollegen schlummerte, steht nun allen Applikateuren zur Verfügung", betont Meyer.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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