19.09.2011

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Forschungsfahrzeug fährt autonom durch das Zentrum von Berlin

20 Kilometer, 46 Ampeln und zwei Kreisverkehre: Wissenschaftler der Freien Universität Berlin haben das Auto namens Made-In-Germany auf Erprobungsfahrt durch das Zentrum von Berlin geschickt. Das Fahrzeug absolvierte mehrfach eine etwa zwanzig Kilometer lange Strecke zwischen dem Brandenburger Tor und dem Internationalen Congress Centrum im Bezirk Tiergarten und zurück. Dabei beachtete es störungsfrei die Phasen von 46 Ampeln, demonstrierte autonome Spurwechsel und durchquerte die Kreisverkehre Großer Stern und Ernst-Reuter-Platz. Im Oktober vergangenen Jahres hatte bereits das Forschungsfahrzeug Leoni eine vorgegebene Strecke im Braunschweiger Stadtverkehr automatisch bewältigt, ATZonline berichtete.

Das von den Forschern modifizierte Fahrzeug erkennt seine Umgebung mithilfe spezieller Sensoren und kann damit jedes Ziel in der Stadt selbstständig ansteuern, erklärt die Freie Universität Berlin. Der Mensch im Auto fungiere noch Passagier und Fahrlehrer. Das Forschungsfahrzeug sei das erste Auto, das im Land Berlin eine Ausnahmegenehmigung durch das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten beziehungsweise die Senatsverwaltung für die autonome Steuerung erhalten hat. Dazu wurde eigens ein ausführliches Sicherheitskonzept in Kooperation mit dem TÜV-Nord entwickelt. Gemäß einer Auflage des TÜV sitzt ein Sicherheitsfahrer am Steuer; er braucht aber bei der Fahrt nicht einzugreifen: Der Computer übernimmt das Fahren. Grünes Licht für die autonomen Fahren gab es im Juni dieses Jahres. Die Wissenschaftler des vom Bundesforschungsministerium geförderten Innovationslabors Autonomos Labs haben seitdem verschiedene Erprobungsfahrten in der Stadt Berlin sowie auf der Autobahn absolviert.

Über ein Drive-By-Wire-System regelt der Computer Bremse, Gaspedal und Lenkung. Autos und Passanten werden über Laserscanner, Radar und Videokameras erfasst. Eine spezielle Software analysiert die Daten, erkennt Fahrsituationen und erzeugt die notwendigen Fahrbefehle. Made-In-Germany ist ein Prototyp dessen, was die Wissenschaftler der Freien Universität Berlin als das grüne Auto der Zukunft bezeichnen. Denn autonome Fahrzeuge sollen in Zukunft als autonome Taxis die Anzahl der Passagiere pro Auto steigern können. Eine optimale Kombination mit dem öffentlichen Verkehr sei denkbar, Carsharing in der ganzen Stadt soll durch Schwärme autonomer Fahrzeuge ermöglicht werden.

Zu Erprobungsfahrt erklärt Professor Dr. Raúl Rojas, Leiter der Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz der Freien Universität: "Dies ist ein weiterer Schritt hin zu einer Mobilität der Zukunft". Auf privatem Gelände - etwa auf Flughäfen oder in Fabriken - wäre es bereits jetzt möglich, autonome Fahrzeuge einzusetzen. Auf Autobahnen sei es denkbar, autonomes Fahren in zehn Jahren zu erleben. "Im Stadtverkehr dagegen müssen noch viele Probleme gelöst werden", betonte der Wissenschaftler. Dort sei wohl mit einer Einführung autonomer Fahrzeuge erst in 20 bis 30 Jahren zu rechnen. Raúl Rojas arbeitet mit den Wissenschaftlern des Innovationslabors Autonomos zudem an einem System, mit dem es möglich ist, mittels eigener Gedanken ein Auto zu steuern.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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