30.09.2011

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Das Auto, das mehr weiß als der Fahrer

Assistenzsysteme der Zukunft werden unsichtbare Gefahren erkennen und damit die Unfallzahlen deutlich reduzieren. Dies verspricht die vor zwei Jahren gestartete Forschungsinitiative Ko-Fas, die am gestrigen Donnerstag, 29. September 2011, in Alzenau erste Ergebnisse vorstellte. In dem von Bundeswirtschaftsministerium mit rund 15 Millionen geförderten Projekt haben sich Forscher von BMW, Daimler und dem Zulieferer Continental mit einem Dutzend weiterer Partner zusammen getan. Ihr Ziel: Vor möglichen Kollisionen, etwa an unübersichtlichen Kreuzungen, soll gewarnt werden, auch wenn der potenzielle Unfallgegner noch gar nicht zu sehen ist.

Damit das Auto der Zukunft um die Ecke oder hinter einen haltenden Lastwagen gucken kann, reichen klassische Assistenzsysteme nicht aus: Sie basieren entweder auf Radar- oder Kamerabasis und können somit Gegenstände nicht durchdringen. Die Ko-Fas-Forscher verfolgen zwei unterschiedliche Ansätze, mit denen die Physik überlistet werden könnte. Beide beruhen auf dem Grundprinzip der technischen Kooperation zwischen den Verkehrsteilnehmern.

Das erste Prinzip basiert auf einem der Luftfahrt entlehnten Sekundärradarverfahren, das erstmals für das Automobil tauglich gemacht wird. Alle Verkehrsteilnehmer werden dabei mit einer kleinen Sender-Empfangseinheit - einem Transponder - ausgerüstet, also auch Fußgänger und Radfahrer. Autos verbergen in der Stoßstange zusätzlich ein Antennenfeld. Das Fahrzeug fragt seine Umgebung beständig mit einem Signal ab, der Transponder antwortet innerhalb einer definierten Zeit. Aus der Laufzeit und dem Winkel des eintreffenden Signals kann die relative Position zueinander bestimmt werden. Zusätzlich wird mit dem Übertragungsprotokoll die Information übermittelt, um welche Art des Verkehrsteilnehmers es sich handelt. Da bei Fußgängern die Bewegungsrichtung abrupt wechseln kann, sollen die Transponder zusätzlich mit einer Inertialsensorik ausgestattet werden.

Einem alternativen Ansatz geht das zweite Teilprojekt nach, das auf kooperative Perzeption (Wahrnehmung) setzt. In diesem Fall kommen nur die Radar- und Videosensoren zum Einsatz, die bei modernen Fahrzeugen ohnehin zunehmend an Bord sind. Allerdings teilen alle Verkehrsteilnehmer ihre Wahrnehmungen, so dass auch verdeckte Gefahren - etwa ein liegengebliebenes Fahrzeug hinter einer Kurve - erkannt werden. So charmant diese Methode wegen des geringeren Investitionsbedarfes ist, sie wirft doch ein zusätzliches Problem auf: Die genaue Position der Fahrzeuge zueinander muss bekannt sein. Heutige Global-Positioning-Systeme (GPS) sind viel zu ungenau, weshalb die Forscher gleich fünf verschiedene Wege untersuchen, wie die Eigenlokalisierung auf den Meter genau erfolgen kann. An unübersichtlichen Kreuzungen sollen zudem Kameras und Laserscanner die Bewegungen querender Verkehrsteilnehmer überwachen.

Bei einer Demonstration auf dem Testgelände von Continental in Alzenau konnte der aktuelle Entwicklungsstand beider Teilprojekte begutachtet werden. Was die Teilnehmer mitnahmen: Grundsätzlich funktioniert die Technik, auch wenn noch viele Aufgaben zu lösen sind. Noch sind beispielsweise die Transponder so groß wie ein Taschencomputer. In zwei Jahren, zur Abschlusspräsentation, sollen sie bereits auf Handyformat geschrumpft sein.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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