Seit 2008 läuft das SIM-TD-Projekt, am 11. Oktober 2011 verkündete das gleichnamige Forschungskonsortium den "Startschuss" für das Car-to-X-System. SIM-TD steht für "Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland". Nach dreijähriger Forschungsarbeit sind nach Angaben des Konsortiums nun die Grundlagen geschaffen, um in den Feldtest zu gehen. Derzeit wird eine Flotte von 120 Fahrzeugen mit der notwendigen Kommunikationstechnik ausgerüstet, zudem werden die "straßenseitigen" Einrichtungen sowie die Versuchsinfrastruktur aufgebaut, um ab Frühjahr 2012 in und um Frankfurt im "weltweit größten Feldversuch" seiner Art die Alltagstauglichkeit unter Beweis zu stellen.
SIM-TD beseht vereinfacht gesagt aus fahrzeug- und straßenseitig installierter Kommunikationstechnik auf Grundlage von WLAN und UMTS, welches mittelfristig durch LTE ergänzt werden dürfte. Die Fahrzeuge können sowohl untereinander als auch über die "Roadside Stations" kommunizieren. Die Infrastruktur besteht darüber hinaus aus der SIM-TD-Versuchszentrale, die mit der Verkehrszentrale Hessen und der Integrierten Gesamtverkehrsleitzentrale Frankfurt Daten austauscht. Diese wiederum sind an die Landesmeldestelle, die Polizei und Service-Provider angebunden. Potenziell bestehen demnach noch weit mehr Möglichkeiten, als den Verkehr sicherer und effizienter zu machen, wie das Konsortium das Ziel des Projekts im Kern definiert.
Bei der gestrigen Projektpräsentation in Friedberg wurden folgende Funktionen gezeigt: Baustelleninformation, Warnung vor Hindernissen, Warnung vor Einsatzfahrzeugen, Verkehrszeichen-Assistent, Ampelphasen-Asssistent, lokale verkehrsabhängige Lichtsignalanlagensteuerung, elektronisches Bremslicht, Standortinformationsdienste und Straßenwetterwarnung. Zudem wurde das SIM-TD-Simulationslabor gezeigt. Es besteht aus einer Fahr- und Verkehrssimulation. Mithilfe der Fahrsimulation wird das Verhaltens des Fahrers bei kritischen Fahraufgaben und in Grenzsituationen des Systems beobachtet. Die Verkehrssimulation dient dazu herauszufinden, welchen Einfluss SIM-TD auf den gesamten Verkehr nimmt – je nachdem, wie viele Fahrzeuge mit dem System ausgestattet sind.
So sollen die Funktionalität Alltagstauglichkeit und Wirksamkeit von SIM-TD unter realen Bedingungen überprüft werden. Beispielsweise können nachfolgende oder entgegenkommende Fahrzeug mithilfe von Lichtsignalanlagen über potenzielle Gefahren informiert werden, wobei die Wirksamkeit solcher Systeme natürlich davon abhängt, wie viele Fahrzeuge überhaupt kommunikationsfähig sind, also mit den notwendigen "Vehicle Stations" ausgerüstet sind.
Über die SIM-TD-Kernfunktionen hinaus erlaubt die Technik weitere Szenarien wie etwa die Hilfe bei der Parkplatzsuche. Auch eine solche Funktion trägt dazu bei, den Verkehrsfluss zu verbessern. Dabei können Informationen wie die Zahl von freien Plätzen oder Öffnungszeiten mitgeliefert werden und über UMTS von einem Server übermittelt werden. Wie die Volkswagen-Konzernforschung heute berichtet, hat sie in diesem Bereich noch weitere Funktionen umgesetzt. So lasse sich beispielsweise die aktuelle Verkehrslage rund um die eigene Position abfragen und auf der Straßenkarte visualisieren. Zudem lassen sich aktuelle Bilder über Web-Cams anzeigen, oder Informationen des Deutschen Wetterdiensts lassen sich auf einer Straßenkarte anzeigen.
Funktionen wie die Anzeige der Verkehrslage dürften schon bei einem mäßigen Ausstattungsgrad der im Verkehr teilnehmenden Fahrzeuge ein brauchbares Ergebnis liefern, bei unmittelbar sicherheitsrelevanten Funktionen wird der Feldversuch vermutlich die Notwendigkeit einer höheren Ausstattungsquote ergeben. Ebenfalls interessant wird sein, inwieweit etwa der UMTS-Nachfolger LTE (Long Term Evolution) heutige Annahmen relativiert. Mit erheblich höheren Datenübertragungsraten und niedrigeren Latenzzeiten könnte LTE womöglich Funktionen übernehmen, für die bisher Roadside Stations vorausgesetzt werden, was aus Sicht von Kritikern preisgünstiger wäre, zumal es sich durchgängig an einen bestehenden Mobilfunkstandard anlehnt. Eine solche Fragestellung wird sich wohl auch daran entscheiden, inwieweit eine direkte Anbindung der Datenkommunikation etwa an Behörden gewünscht ist. Auch im Hinblick auf die Industrialisierung bietet SIM-TD natürlich mehr Potenzial als rein mobilfunkbasierte Lösungen.
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