Der BMW 3er ist nach Angaben des Herstellers das "meistverkaufte Premium-Fahrzeug der Welt" ein Modell also, bei dem sich BMW kaum Risiken erlauben kann. Im Ergebnis zeigt der 3er einige grundlegende technische Neuerungen, eine Menge Feinarbeit und die zu erwartende optische Evolution.
Die gestalterischen Veränderungen gegenüber dem Vorgänger sind ähnlich wie zuletzt beim 1er nicht allzu radikal, am auffälligsten ist das neue Gesicht mit flachen, bis an die BMW-Niere reichenden Schweinwerfern. Die Spur des neuen 3er ist vorn um 37 und hinten um 47 Millimeter gewachsen. Der um 50 Millimeter längere Radstand soll zu einer sportlicheren Silhouette beitragen, insgesamt ist das Auto 93 Millimeter länger. Besonders die Passagiere auf der Rückbank finden in der neuen Generation mehr Raum vor, der Knieraum wuchs um 15 Millimeter, die Kopffreiheit um acht Millimeter. Trotz Größenzuwachs wurde der 3er bis zu 40 Kilogramm leichter.
Antriebs- und Fahrwerkstechnik zählen nach wie vor zur Kernkompetenz der Marke, auch wenn BMW gerade im Bereich Fahrzeugelektronik ebenfalls zu den Vorreitern gehört, was freilich schwerer zu verkaufen ist. Zur Markteinführung gibt es vier Motoren, die allesamt per "TwinPower-Turbo-Technologie" aufgeladen sind. Dabei sind bis in den Turbolader hinein die Abgaswege von jeweils zwei Zylindern zusammengefasst, um die gegenseitige Beeinflussung der Abgasbewegungen zu verringern und so das Ansprechverhalten des Turboladers zu verbessern. Eine Art vorläufiges Einstiegsmodell - auf kleinere Motoren müssen die Käufer noch warten - ist der 328i, der diese Bezeichnung nur noch aus traditionellen Gründen trägt. Der Vierzylindermotor des 328i hat ganze 2,0 Liter Hubraum, leistet dabei aber 180 kW und bietet ein maximales Drehmoment von 350 Nm, das bereits ab 1250 1/min zur Verfügung steht. Der Motor steht exemplarisch für die Abkehr von den früheren Sechszylinder-Saugmotoren, deren Leistung überwiegend über die Drehzahl zustande kam. Im Vergleich zum früheren 325i sinkt der Verbrauch mit Handschaltgetriebe um 11 Prozent und beträgt nun 6,4 Liter.
BMW spielt im 328i praktisch die komplette Klaviatur des Downsizings. Neben der TwinScroll-Aufladung zählen dazu die Direkteinspritzung "High Precision Injection", die variable Nockenwellensteuerung Doppel-Vanos und die variable Ventilsteuerung Valvetronic. Gerade weil manche den kleineren Sechszylindermotoren hinterhertrauern, betont BMW die Vorteile der Konstruktion. Über den geringeren Verbrauch und das günstigere Drehmomentverhalten hinaus baut der Motor leichter und kompakter als ein leistungsähnlicher Sechszylinder, was sich aufgrund reduzierter Vorderachslast auch positiv auf das Kurven- und Lenkverhalten auswirke. BMW schlägt im Übrigen die sportliche Brücke zu den 1970ern: Zunächst seien es schon damals die leichten und leistungsstarken Vierzylindermotoren gewesen, die den 3er bei seiner Premiere 1975 befeuert hätten.
Über dem 328i bleibt es beim Sechszylinder-Benziner, wobei auch der 335i mit TwinPower, Benzin-Direkteinspritzung und der variablen Ventilsteuerung Valvetronic ausgerüstet ist. Er leistet 225 kW und bietet zwischen 1200 und 5000 1/min ein maximales Drehmoment von 400 Nm. Der Normverbrauch beträgt 7,9 Liter auf 100 Kilometer, in Verbindung mit der Achtgang-Automatik sogar nur 7,2 Liter, das sind jeweils 6 oder 16 Prozent weniger als beim Vorgänger.
Einstiegsdiesel ist der 320d, der im Prinzip den Motor des Vorgängers nutzt, aber bessere Verbrauchswerte als bisher bieten kann. BMW betont vor allem die "thermodynamisch optimierte Aufladung": Weil die Turbinenschaufeln im Lader mit einem elektrischen Stellmotor verstellt werden können, reagiere der Motor über ein extrem breites Drehzahlband gleichermaßen spontan. Die Leistung beträgt nach wie vor 184 PS, das maximale Drehmoment 380 Nm zwischen 1750 und 2750 1/min. Bei einem Normverbrauch von 4,6 Liter landet der 320i genau bei einem CO2-Austoß von 120 g/km, der in einigen Ländern für Steuervergünstigungen sorgt, mit Achtgang-Automatik sind es 4,5 Liter oder 118 g/km.
Noch etwas sparsamer ist die Variante 320d EfficientDynamics Edition, ebenfalls mit Vollaluminium-Kurbelgehäuse, einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie sowie einer Common-Rail-Direkteinspritzung der jüngsten Generation. Zusätzliche Maßnahmen wie die geringfügig reduzierte Spitzenleistung, die drehzahlsenkende und reibungsoptimierte Auslegung des Antriebsstrangs sowie ein optimiertes Aerodynamikpaket sorgen dafür, dass die EfficientDynamics Edition des neuen 3er Laut BMW den geringsten CO2-Ausstoß in der Klasse realisiert. Die Sparversion des 320d leistet nur 163 PS, bietet 380 Nm Drehmoment und gibt sich mit einem Normverbauch von 4,1 Liter Diesel (109 g/km CO2) zufrieden. Weil die EfficientDynamics Edition mit längeren Übersetzungen und somit geringeren Drehzahlen operiert, wird - bei BMW nicht grundsätzlich neu - ein Fliehkraftpendel im Zweimassenschwungrad verbaut, welches auch im untertourigen Bereich Drehungleichförmigkeiten weitgehend tilgt.
Im Frühjahr 2012 will BMW weitere Motorvarianten anbieten. Der 320 i, ebenfalls mit zwei Liter Hubraum, wird 135 kW leisten. Auch die zwei weiteren Dieselmotoren werden auf der Zweiliter-Basis aufsetzen und als 316d sowie 318d mit 85 und 105 kW als Einsteiger-Diesel fungieren.
Sämtliche vorgestellten Motoren sind in Verbindung mit einer Achtgang-Automatik lieferbar. Anders als in früheren Jahren sorgt sie für einen Minderverbrauch in Vergleich zu den Handschaltern, wofür auch die große Spreizung verantwortlich ist, welche acht Gänge erlauben. Weitere Gründe liegen in einem "ungewöhnlich hohen inneren Wirkungsgrad" und einer optimierten Steuerungs- und Regelungstechnologie, die auch den Schaltzeiten und dem Schaltkomfort zugute kommen soll. Alternativ gibt es eine Sportautomatik-Variante mit Schaltwippen am Lenkrad, die zudem eine höhere Schaltdynamik bietet.
Das Fahrwerk des BMW 3er kann man nach den bisher vorliegenden Informationen als intensive Weiterentwicklung betrachten. Die Doppelgelenk-Zugstrebenvorderachse beruht auf einer "bewährten Konstruktion", bei der Schwerpunkte auf geringe ungefederte Massen sowie Agilität und Fahrdynamik gelegt wurde. Die "deutlich weiterentwickelte" Hinterachse setzt auf dem Fünflenker-Konzept des Vorgängers auf und hat eine speziell auf die neue Sportlimousine abgestimmte Elastokinematik, die in sämtlichen Fahrsituationen eine exakte und souveräne Radführung gewährleisten soll. Dabei liefern laut BMW die große Abstützbasis für Spur und Sturz am Radträger, die äußerst steifen Lenker, der steife Achsträger und die Karosserieanbindung über Schubstreben beste Voraussetzungen, um eine agile und zugleich komfortable Gesamtabstimmung der neuen BMW 3er Limousine zu realisieren. Die große Abstützbasis an der Hinterachse sei zudem für die akustische Isolation zwischen Antrieb und Aufhängung von Bedeutung, besonders beim Einsatz leistungs- und drehmomentstarker Motoren.
Fahrerassistenzsysteme und Mobilitätsdienste fasst BMW seit Jahren unter dem Begriff ConnectedDrive zusammen. Nach wie vor gehört der Hersteller bei der Vernetzung von Fahrer und Fahrzeug mit der "Außenwelt" zu den Vorreitern in der Branche. Zu den Highlights gehören im Komfortbereich der BMW Parkassistent, Surround View, Aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion und Speed Limit Info inklusive Überholverbotsanzeige. Auskunft- und Bürodienste, Reise und Freizeitplaner über die Services Google Maps und Panoramio erhöhen zudem den individuellen Komfort in der neuen BMW 3er Limousine. Mit neuen Bluetooth-Office-Funktionen von BMW ConnectedDrive können internetbasierte Services wie Wetter, News etc. sowie Kalendereinträge, Textnachrichten (SMS und Mails) im Control Display des Bediensystems iDrive angezeigt und mittels Sprachausgabe vorgelesen werden. Zudem steht den Passagieren die persönliche Musikbibliothek ihres im Fahrzeug befindlichen Smartphones oder Musikplayers zur Verfügung.
Eine grundlegende Neuerung im 3er ist das Head-Up-Display mit vollständigem Farbspektrum. Die Grafiken werden dabei in allen Farben in das Sichtfeld des Fahrers projiziert, die zur Darstellung gängiger Verkehrszeichensysmbole erforderlich sind. Je nach Fahrzeugausstattung werden Geschwindigkeit sowie Geschwindigkeitsbegrenzung und Überholverbots-Infos angezeigt, genauso wie Navigationshilfen sowie Auffahr- und Spurverlassenswarnung. Selbst Fahrtrichtungsanzeigen und Check Control Meldungen gehören zu den Anzeigeinhalten. Eine Vielzahl vom Fahrer individuell ausgewählter Informationen erscheint bei aktiviertem Head-Up Display direkt im Blickfeld. Die Intensität der Projektionen passt sich immer den Lichtverhältnissen automatisch an. Dabei folgt das Tag- und Nachtdesign analog zur Instrumentierung. Eine genaue Position der Head-Up Display Anzeige in der Frontscheibe lässt sich zudem individuell über den iDrive Controller leicht justieren.
Zu den lieferbaren Fahrerassistenzsystemen gehören ein Spurwechselwarner, der auch einen 60 Meter großen Bereich hinter dem eigenen Auto überwacht. Zudem gibt es einen Spurverlassens- und Auffahrwarner . Die dabei verwendete Kamera am Rückspiegel setzt BMW "als erster Premiumhersteller" auch zur Beobachtung vorausfahrender Fahrzeuge ein, um ggf. akustisch vor einer Kollisionsgefahr zu warnen.
Im Übrigen hat der 3er praktisch alles zu bieten, was man heute an elektronische Assistenten haben kann. Dazu gehören ein präventiver Gurtstraffer, BMW Assist Notruf, ein automatischer Fernlichtassistent, Abbiegelicht, eine Erkennung von Tempolimits und Überholverboten, eine Geschwindigkeitsbegrenzungsfunktion sowie ein ACC mit Stop&Go-Funktion, die per Full-Range-Radar weitgehend wetterunabhängig bis zu 200 weit Fahrzeuge erkennen kann. Der BMW-Parkassistent kann den neuen 3er automatisch einparken und der Kofferraum lässt sich, ähnlich wie vom VW Passat bekannt, mit einer Fußbewegung ohne Fahrzeugberührung öffnen, die sensorisch erfasst wird.
Die über das BMW-Call-Center betreuten Dienste von ConnectedDrive hat BMW weiter ausgebaut. Über die klassische Funktion "Erweiterter Notruf" hinaus kann man beispielsweise Hotels und Restaurants abfragen, die daraufhin im Navigationsgerät angezeigt werden. Über den interaktiven Kommunikationskanal "Meine Info" und über die Funktion "Send-to-Car" lassen sich schon vor Fahrtantritt von zu Hause aus Daten, Telefonnummern und Adressen ins Fahrzeug verschicken, die dort im Bordsystem sofort abrufbar sind. Mit BMW TeleServices wird unter anderem die automatische Vereinbarung eines Wartungstermins ermöglicht. Dabei werden die vom On-Board-Diagnosesystem Condition Based Service ermittelten Verschleißdaten per Telefonleitung an den betreuenden BMW Service Partner übermittelt. Darüber hinaus kann auf Anfrage per Fernfunktion nach exakter Fahreridentifizierung ein Fahrzeug auch nachträglich ver- oder entriegelt sowie seine metergenaue Position geortet werden.
Für die gezielte Suche nach reiserelevanten Informationen können im 3er auch die verfügbaren Google Services genutzt werden. Mit der Google Branchensuche im Fahrzeug können jederzeit lokale Informationen der weltweit bekanntesten Onlinesuchmaschine abgefragt und genutzt werden. Dabei werden selbstständig der Standort und Zielort des Fahrzeugs erkannt und die aus der Google Maps Datenbank abgefragten Resultate im Umkreis anschließend mit Adresse, Telefonnummer und Entfernung angezeigt. Außerdem sind alle Ergebnisse in einer Google Maps Karte zu sehen. Als zusätzliche Orientierungshilfe kann der Fahrer den Service Bilder am Zielort nutzen. Bei aktiver Zielführung durch das Navigationssystem stehen ihm die Bilder vom Ankunftsort über die Website Panoramio by Google zur Verfügung.
Mit einem internetfähigen Mobiltelefon steht jetzt für die neue BMW-3er-Limousine über Bluetooth auch ein ausgewähltes Angebot des bestehenden BMW-Online-Dienstes zur Verfügung. Dabei erscheinen alle verfügbaren Online-Funktionen über die Bluetooth-Datenverbindung auf dem Bordmonitor und lassen sich über den iDrive Controller bedienen. Das Mobiltelefon des Kunden. fungiert dabei als Modem. Um die bevorzugten News zu aktivieren, muss der Kunde nur die gewünschte Domain eintragen. Das Portal sucht selbstständig die dazugehörigen RSS-Feeds auf der Internet-Seite und bietet das Vorlesen der Schlagzeilen über BMW Text-to-Speech an. Außer den kostenfreien Nachrichten über RSS-Feeds, Google Lokale Suche, Google Panoramio sowie Google Street View bietet der verfügbare Wetterdienst neben der aktuellen Wetterlage auch eine Vier-Tages-Vorschau an. Dabei werden die Wetterdaten gut lesbar in Farbbildern auf dem Monitor angezeigt.
BMW ConnectedDrive ermöglicht auch die Anzeige von E-Mail-Nachrichten über das Bediensystem iDrive. Die empfangenen E-Mails werden auf dem Bordmonitor dargestellt und können mittels optionaler Sprachausgabe (Text-to-Speech) auch vorgelesen werden. Die neuen Möglichkeiten für den E-Mail-Zugriff knüpfen an die bereits zuvor eingeführten Bluetooth-Office-Funktionen von BMW ConnectedDrive an. Diese bieten die Möglichkeit, außer Anruf- und Kontaktlisten auch Kalendereinträge, Textnachrichten (SMS), Aufgaben und Notizen aus geeigneten Smartphones via Bluetooth-Schnittstelle ins Fahrzeug zu übertragen. Die entsprechenden Einträge werden ebenfalls über den Controller des Bediensystems iDrive ausgewählt und auf dem Bordmonitor dargestellt. Über die Telefonfunktion lassen sich Kontaktlisten einschließlich Bilddateien von einem Mobiltelefon über die Bluetooth-Schnittstelle ins Fahrzeug übertragen. So ist bei eingehendem Anruf neben Rufnummer und Name auch ein Bild des Gesprächspartners auf dem Control Monitor im Fahrzeug zu sehen.
Bei der Einbindung von Apple Geräten können mit der App BMW Connected zusätzliche Funktionen wie Webradio, Facebook und Twitter genutzt werden. So ist unter anderem der Zugriff per iDrive auf die individuellen Musiklisten der Audiogeräte möglich.
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