24.10.2011

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Neuartiges Navigationssystem nimmt den Fahrer an die virtuelle Leine

Das Navigationssystem "True3D Head-up-Display" projiziert eine Art virtuelle Oberleitung in das Blickfeld vor dem Fahrer, um ihm den Weg zu weisen. Für diese neue Art der Navigation ist die kalifornische Firma Making Virtual Solid (MVS) beim 8. European Satellite Navigation Competition (ESNC) mit drei Preisen ausgezeichnet worden - als Gesamtgewinner, mit dem Navteq-Spezialpreis und dem Regionalpreis der USA. Das System projiziert eine per Laser erzeugte rote Linie so auf die Windschutzscheibe, dass sie wie ein Element der wirklichen Welt wirkt. Die Entwickler sprechen von einem "Virtual Cable", an dem sich der Fahrer orientieren kann, ohne eine zusätzliche Anzeige im Fahrzeug beachten zu müssen, wie es bei Navigationssystemen üblicherweise der Fall ist.

Kernelement von True3D ist eine kompakte Einheit, die im Wesentlichen aus einem Laser, einem Laserscanner und einer konkaven Projektionsfläche besteht, für die interessanterweise ein dynamischer Lautsprecher mit speziell beschichteter Membran verwendet wird. Durch Bewegungen der Projektionsfläche wird das Laserlicht umgelenkt, bevor es über ein Linsen- und Spiegelsystem auf die Windschutzscheibe projiziert wird. Damit der Fahrer nicht wandernde Lichtpunkte, sondern eine Linie wahrnimmt, wird das Laserlicht mit einer Frequenz von 60 Hertz auf die Projektionsfläche "gezeichnet". Der Fahrer nimmt die an der Windschutzscheibe stark vergrößerte Linie als Teil der Umwelt dar. Der räumliche Eindruck wird zumindest in der beschriebenen Theorie dadurch verstärkt, dass das Kabel mit unterschiedlichen Helligkeitswerten und Dicken gezeichnet und projiziert wird.

True3D wird von einer Schaltung kontrolliert, die ihrerseits mit dem Navigationssystem kommuniziert. Mithilfe der Navigationsdaten kann so das virtuelle Kabel bei jedem "Refresh" der veränderten Position des Fahrzeugs angepasst werden, um möglichst deckungsgleich über die Route projiziert werden zu können. Zudem werden weitere sensorische Daten des Fahrzeugs einbezogen, um etwa mit dem Wissen um Beschleunigung, Lenkwinkel etc. Ungenauigkeiten der Navigation auszugleichen. Laut MVS genügt bereits heute die Genauigkeit der verfügbaren Karten, um True3D prinzipiell realisieren zu können. Tatsächlich benötige das System sogar weniger Daten als eine konventionelle Kartendarstellung, weil für das virtuelle Kabel, an dem sich der Fahrer orientiert, zusätzliche Umfelddarstellungen jeglicher Art unnötig sind.

Für die Anwendung im Pkw ist das System nur als Erstausrüstung geeignet. Nach Angaben des Unternehmens benötigt es aber so wenig Bauraum in der Instrumententafel, dass es problemlos zu integrieren ist. Die Maße des Moduls für einen Chrysler Sebring betragen an der Oberfläche der Instrumententafel derzeit 305x220 mm, die darunter verborgene Lasereinheit ist deutlich kleiner. Der einzige auf der Instrumententafel sichtbare Hinweis auf das System ist ein Gewebe ähnlich einer Lautsprecherabdeckung, welches zumindest farblich an das im Umfeld verwendete Oberflächenmaterial angepasst werden kann. Für Nutzfahrzeuge sehen die Entwickler ein System vor, das unter dem Dach montiert ist, sodass es auch nachgerüstet werden kann.

MVS hat in Zusammenhang mit True3D mehrere Patente angemeldet. Dazu gehören die Navigationsmethode per Virtual Cable selbst, das neuartige, "volumetrische" Head-up-Display und einige weitere Anwendungen, welche mithilfe des Verfahrens möglich sind. Denn es ist nicht nur ausschließlich für die Navigation geeignet, sondern auch für Funktionen wie Abstandswarner, POI (Points of Interest) oder die Anzeige von Geschwindigkeitslimits, etc. All diese Funktionen lassen sich natürlich nur mit in den Raum gezeichneten Linien darstellen, was man als Nachteil sehen mag. Andererseits lenkt eine stark simplifizierte Darstellung unter Umständen weniger von der Realität ab - zumal hier die räumlich korrekte Zuordnung die "Hilfslinien" gewissermaßen zu einem Teil der Realität macht.
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Autor(en): Gernot Goppelt
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