27.10.2011

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ZF bringt App-basierte Telematikplattform zum Laufen

Mit dem Mailänder Busunternehmen "Air Pullmann" hat ZF den ersten Kunden für die App-basierte Telematikplattform "Openmatics" gewonnen. In zunächst 35 Reisebussen, die im Pendelverkehr zwischen dem Flughafen Malpensa und dem Mailänder Stadtzentrum verkehren, wird eine Telematikbox eingebaut, die es dem Betreiber erlaubt, die Position und den technischen Zustand seiner Busse jederzeit online zu beobachten. Fahrgäste können außerdem bei einer kooperierenden Fluggesellschaft einchecken, während sie an Bord sind – Openmatics fungiert dabei als WLAN-Hot Spot. Was so klein beginnt, soll bald für erheblichen Umsatz sorgen: Den Plänen des Zulieferes zufolge sollen im Jahr 2015 bereits 60.000 Boxen im Einsatz sein.

Der Unterschied zu klassischen Telematik-Einheiten, die heute bei großen Nutzfahrzeugherstellern im Einsatz sind, liegt vor allem darin, dass Openmatics nicht an einen bestimmten Funktionsumfang gekoppelt ist. Was die von der ZF-Tochter für 60 Euro im Monat vermieteten Geräte wirklich können, bestimmt der Flottenbesitzer über die installierten Apps selbst. Möglich sind die Diagnose des technischen Zustands, eine Unfallaufnahme, Fahrerdaten, aber auch das Einspielen von Werbe- oder Unterhaltungsfilmen auf die Monitore im Bus. Die Installation solcher und anderer kostenpflichtiger Apps erfolgt über einen eigenen Shop, den ZF gemeinsam mit Intel entwickelt hat.

Die Apps will Openmatics-Chef Thomas Rösch, der seinen Dienstsitz in Pilsen in der Tschechischen Republik hat, nicht alle selbst entwickeln lassen. Drittanbieter sollen sich seiner Vorstellung nach die für 2000 Euro bereitgestellten Entwicklungssoftware beschaffen. Wird die damit entwickelte App von ZF zertifiziert, dürfen die Entwickler 70 Prozent des Umsatzes behalten – ein Geschäftsmodell, dass sich Rösch bei Apple abgeschaut hat.

Die Telematikbox fertigt die Elektroniksparte der ZF selbst, sie arbeitet mit einem Linux-Betriebssystem und rechnet mit einem Intel-Atom-Prozessor. Die Verbindung zum ZF-Server wird derzeit über GPRS, 3G oder WLAN hergestellt, letzteres setzt natürlich eine entsprechende lokale Versorgung, etwa in den Depots, voraus. Dabei ist eine mengenmäßig unbeschränkte Datenübertragung in beide Richtungen möglich.

Eine Marktlücke für das neue Geschäftsmodell sieht Rösch vor allem bei Flotten, die nicht aus Fahrzeugen eines einzigen Herstellers bestehen. Die großen Nutzfahrzeughersteller haben in den letzten Jahren eigene Plattformen am Markt etabliert. Das bekannteste Beispiel dürfte Fleetboard von Daimler sein, mit dem bislang mehr als 75.000 Fahrzeuge ausgestattet wurden. Es bleibt abzuwarten, ob sich ZF mit der offenen Lösung gegen solche Marktmacht durchsetzen kann.

Entscheidend könnte sein, ob die Kreativität externer Entwickler groß genug ist. Denn bislang sind es noch wenige Apps, die Rösch seinen Kunden bieten kann – und einige sind zudem in Europa gar nicht zugelassen. Nur in Asien wird es den Insassen möglich sein, das Verhalten ihres Fahrers zu bewerten. "Gentle Driver" heißt eine App, die in Europa am Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmervertreter scheitern würde.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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