02.11.2011

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Berliner Forscher entwickeln ein elektrisches Minimalmobil

Ein solches Kleinstgefährt hat herzlich wenig mit klassischem Automobilbau zu tun, doch die Möglichkeiten und Beschränkungen der Elektromobilität führen fast notwendigerweise zu gewöhnungsbedürftigen Konzepten. Um vor allem Verkehrsteilnehmern in Großstädten eine wirtschaftliche und flexible Mobilitätsalternative zu bieten, entwickeln Wissenschaftler der TU Berlin derzeit ein neues Fahrzeugkonzept. Das vierrädrige Elektrofahrzeug soll den Raumbedarf und die Leichtigkeit des Fahrrads mit der Fahrstabilität eines Kleinwagens und der Umweltverträglichkeit des Elektroantriebs vereinen. Erstmals vorgestellt wurde das leichtgewichtige Raumwunder auf der IAA 2011 in Frankfurt am Main.

"Der aktuelle Boom der Elektromobilität bietet die einmalige Chance, grundlegend neu über sinnvolle Mobilitätskonzepte für den Stadtverkehr nachzudenken. Zukunftsweisende Fahrzeugkonzepte sollten weit über den klassischen Pkw und existierende Elektrofahrzeuge der Automobilhersteller hinaus gehen", meint Sebastian Adolphy, TU Berlin, Fachgebiet Methoden der Produktentwicklung und Mechatronik. "Bei der Entwicklung unseres e-Mobils haben wir uns deshalb konsequent an den Anforderungen des Großstadtverkehrs orientiert." Die Reichweite des Fahrzeugs sei für kurze Strecken ausgelegt und die Passagierkapazität an den stark individualisierten Großstadtverkehr angelehnt, ebenso wie die geringe Höchstgeschwindigkeit. Laut der aktuellen Verkehrsstatistik der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung seien Pkw in der Bundeshauptstadt durchschnittlich mit 1,3 Personen besetzt und die mittlere Länge eines Verkehrsweges betrage 6,9 Kilometer.

Der Prototyp des e-Mobils wiegt nur etwa 20 Kilogramm. Mit einer Traglast von mehr als 200 Kilogramm bietet das Fahrzeug aber Platz für zwei Personen. Diese Minimalversion bietet eine Reichweite von 35 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit des Kurzstreckenfahrzeugs liegt bei 12 km/h. Für eine spätere Straßenversion sehen die Forscher von der TU Berlin größere Leistungen vor. Tragendes Element ist eine Bodenplattform in Sandwichbauweise an der alle Komponenten befestigt sind. Eine Schaumstoffschicht, die oben und unten von einer Aluminiumplatte begrenzt wird, sorgt für Stabilität bei minimalem Gewicht.

Das Konzeptfahrzeug ist soweit ausgereift, dass ein Einsatz auf Flughäfen und Messen bereits möglich wäre. Auf Grundlage des derzeitigen Konzepts arbeiten die Experten der TU Berlin jedoch an weiteren Versionen. "Vorstellbar sind zum Beispiel eine zügig fahrende Straßen-Version, mit dem Single-Haushalte ihren Einkauf tätigen können, oder eine gedrosselte Mobilitätshilfe für Senioren, damit sie kurze Wegstrecken nicht zu Fuß zurücklegen müssen", sagt Adolphy. Eine Kombination mit öffentlichem Nahverkehr sei ebenfalls denkbar. Berufstätige könnten mit dem e-Mobil zur S-Bahn fahren, es im Zug mitnehmen und die Strecke vom Bahnhof bis ins Büro wieder mit dem e-Mobil zurücklegen. Adolphy: "Die Abmessungen des Prototyps sind so gewählt, dass man das Fahrzeug sogar problemlos auf der Rolltreppe und im Aufzug mitnehmen kann."

(Bild: TU Berlin)
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Autor(en): Gernot Goppelt
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