15.11.2011

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Toyota setzt beim Infotainment auf Intel-Atom-Prozessoren

Toyota und Intel haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, die eine Kooperation bei der gemeinsamen Entwicklung von Infotainment-Systemen vorsieht. Aus der Zusammenarbeit soll eine neue Geräte-Generation hervorgehen, die mit den Infotainment-Lösungen aus anderen Lebensbereichen Schritt halten kann. Angesichts der zunehmenden Komplexität von Fahrerinformationssystemen wollen Toyota und Intel zudem Mensch-Maschine-Schnittstellen entwickeln, die das Fahren nicht behindern, sondern erleichtern. Außerdem will man neue und bessere Technologien zur Datenübertragung nutzen, um zum Beispiel die Einbindung von Smartphones in das Fahrzeug zu verbessern.

Intel Atom im Auto

Zu den neuen Bedienkonzepten gehören laut Intel auch Interaktionsmöglichkeiten durch Berührung, Gestik und Sprache. Die Intel-Atom-Prozessoren sollen daher für die neuen Funktionen optimiert werden. Der Atom-Prozessor ist ein weit verbreiteter, energiesparender Prozessor, der ursprünglich in erster Linie in mobilen Geräten eingesetzt wurde. Obwohl er hinsichtlich Energieverbrauch und Wärmeentwicklung nicht dediziert für Automotive-Zwecke ausgelegt ist, hat sich der robuste Prozessor auch im Car-Infotainment etabliert.

Details über ihre Pläne wollen Toyota und Intel noch nicht nennen, zumal diese im Rahmen der Absichtserklärung noch nicht klar definiert seien. Doch Toyota dürfte zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen wie einige andere Automobilhersteller auch: Der Intel Atom kann mit aktuellen Trends der Consumer-Elektronik mitwachsen, weil er denselben Entwicklungszyklen folgt und somit problemlos verfügbar ist. Durch ein Prozessor-Upgrade und neue Software-Module kann das Infotainment System im Auto somit dem Lebenszyklus der Consumer-Elektronik folgen. Derzeitige Infotainment-Lösungen lassen dies kaum oder nur zu einem sehr hohen Preis zu.

Keine Blackbox

Ein Beispiel aus dem Konkurrenzumfeld: Audi stellte zusammen mit dem Tochterunternehmen e.solutions auf dem 15. Kongress "Elektronik im Kraftfahrzeug" ein Infotainment-System vor, das weitgehend auf einer Steckkarte mit einem Nvidia-Tegra-Prozessor untergebracht ist. Nvidia setzte seinen "Alleskönner"-Prozessor im Jahr 2008 dem Atom entgegen; auch der Tegra ist in der Consumer-Elektronik weit verbreitet. Audi ist es somit möglich, seinen Kunden mit geringem Bauaufwand im Laufe des Fahrzeuglebens neue Funktionen und eine höhere Performance zur Verfügung zu stellen. Vom Tier-1-Lieferant bezieht Audi nur noch das physische 1-DIN-Steuergerät und "genau die Funktionen, die im Laufe eines Fahrzeug-Zyklus unverändert bleiben: Verstärker für Basis-Sound, Power Management, Vernetzung, Diagnose und Tuner".

Die Nutzung von Quasi-Consumer-Prozessoren geht einher mit einer veränderten Entwicklungsmethodik, bei der die Funktionalität fast ausschließlich per Standard-Software definiert wird. Für den OEM bietet sich dabei an, das Infotainment- und HMI-Design wieder stärker ins eigene Haus zu ziehen. In einem Interview mit der ATZelektronik, das in der Ausgabe 06 im Dezember erscheint, beschreibt Audi-Elektronikchef Ricky Hudi die neue Situation: Man wolle keine Blackbox vom Tier-1-Zulieferer einkaufen, sondern maximale Systemkompetenz im eigenen Hause aufbauen.

Kontrollierte Öffnung

Dafür sprechen auch Sicherheitsgründe, denn Security-Fragen werden umso dringlicher, je mehr das Auto zum Teil mit der Umwelt kommuniziert. Neigte man vor einem Jahrzehnt noch zur Abschottung, besteht mittlerweile weitgehend Konsens, dass sich die Automobiltechnik mindestens beim Infotainment den übrigen Marktentwicklungen nicht entziehen kann. Diese Öffnung erfordert im Umkehrschluss maximale Kontrolle über die Entwicklungsprozesse und -methoden - und eine Vereinbarung auf herstellerübergreifende Entwicklungstools.

Für klassische Zulieferer ist diese Entwicklung nicht unbedingt ein Vorteil. Konsequent zu Ende gedacht benötigt der OEM nur noch einen Mainstream-Prozessor, vielleicht die dazugehörige Hauptplatine, und die Hardware für die optischen und akustischen Benutzerschnittstellen. Denn die Funktionalität des Infotainment-Systems wird offenbar wieder zu einer Kernaufgabe der Automobilhersteller.

(Bild: Intel)
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Autor(en): Gernot Goppelt
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