29.11.2011

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Audi und Mercedes wetteifern beim Fußgängerschutz

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Im Jahr 2013 werden Audi und Mercedes neue Fußgängerschutzsysteme auf den Markt bringen. Mit neuen Sensoren sollen drohende Fußgängerunfälle innerhalb von 100 bis 200 Millisekunden erkannt werden - so schnell, dass eine automatische Notbremsung den Aufprall verhindern oder dessen Folgen deutlich mindern kann. Die Neuentwicklungen sind notwendig, weil die Fußgängererkennung über Videobilder - wie sie bei Nachtsichtsystemen schon heute praktiziert wird - keine Entfernungsinformation liefert. Um Fußgänger und Radfahrer besser zu schützen, gehen die beiden Premiumhersteller deutlich unterschiedliche Wege.

Audi verwendet einen Infrarotgeber im Lüftergitter und einen Photomischdetektor (PMD) in der Windschutzscheibe. Der PMD errechnet über die Laufzeit des ausgestrahlten und reflektierten Infrarotlichts die Entfernung. Die Auflösung mit rund 1000 Bildpunkten genügt laut Audi für eine zuverlässige Objekterkennung. Die Abtastrate beträgt 20 Millisekunden, spätestens nach der fünften Messung weiß das System genug, um gegebenenfalls eine Notbremsung einleiten zu können. Fährt das Auto nicht schneller als 30 km/h, soll das Fahrzeug in jedem Fall - auch bei Nacht - vor dem Fußgänger zum Stehen kommen.

Mercedes hingegen setzt bei der Fußgängererkennung "6D Vision" auf Videosensoren. Um die Entfernungsinformation zu erhalten, kommt eine Stereokamera zum Einsatz. Die Herausforderung besteht in diesem Fall darin, aus sehr vielen Bildpunkten (mehr als 10.000) den sich bewegenden Fußgänger in sehr kurzer Zeit herauszufiltern und anhand des Vergleiches mehrerer Bilder dessen Bewegungsrichtung sicher zu bestimmen. Technisch nutzbar wurde dieses an sich zeitintensive Vorgehen erst durch ein 2004 von der Daimler-Forschung entwickeltes Rechenverfahren. Trotzdem scheint das Stereoverfahren mit 200 Millisekunden Reaktionszeit etwas langsamer zu sein.

Im Vergleich zur menschlichen Reaktionsfähigkeit – im besten Fall eine halbe Sekunde – sind beide Verfahren deutlich schneller. Entschärft werden besonders Verkehrssituationen, bei denen Fußgänger, oft Kinder, hinter einem parkenden Auto am Straßenrand hervortreten. Innerhalb des Forschungsprojektes Ko-FAS wird sogar daran gearbeitet, die Reaktionszeit in solchen Situationen auf Null abzusenken. Möglich würde dies durch den flächendeckenden Einsatz von so genannten "Tags". Dabei handelt es sich um Empfänger für ein Sekundärradarverfahren, wie es in der Luftfahrt verwendet wird: Nur wenn der beispielsweise im Schulranzen angebrachte Sensor vom Radar eines Autos angestrahlt wird, gibt er selbst ein Signal ab – auch wenn keinerlei Sichtkontakt besteht (ATZonline berichtete). Allerdings befinden sich solche Systeme derzeit noch im Forschungsstadium und sind nach Meinung von Experten erst nach 2020 serienreif.

Demgegenüber können die von Audi und Mercedes für 2013 geplanten Systeme rasch einen deutlichen Sicherheitsgewinn, übrigens auch für Radfahrer, bringen. Die Stückzahlen dürften zu Beginn allerdings bescheiden bleiben: Mercedes startet mit 6D-Vision im Nachfolger der aktuellen S-Klasse. Audi wird den PMD erstmals im Q7-Nachfolger einsetzen, als Teil des Sicherheitspakets "Pre sense city".
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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