07.12.2011

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CTI-Getriebesymposium: Heterogene Antriebswelt

Die Themenvielfalt in der Antriebswelt ist so groß wie nie. Mit dieser Feststellung hat Prof. Dr.-Ing. Ferit Küçükay von der Technischen Universität (TU) Braunschweig gestern das zehnte CTI-Getriebesymposium in Berlin eröffnet, an dem rund 1.000 Getriebe- und Automobilexperten teilnehmen. Neben den technischen Herausforderungen bei der Entwicklung konventioneller sowie elektrischer Antriebe, müssen sich Getriebehersteller auch dem internationalen Wettbewerb stellen. Neue Märkte wie China oder Indien bieten interessante Rahmenbedingungen, stellen aber auch andere Anforderungen an die Motorisierung und die Elektrifizierung des Antriebsstrangs. So sei die Frage entscheidend, welche Antriebe und Getriebe für welche Märkte sinnvoll seien.

Für den indischen Markt bleibe weiterhin der Anteil an Handschaltgetrieben für kleine und mittelgroße Fahrzeuge hoch, so Shrikant R. Marathe, Direktor der Automotive Research Association of India. Die Tendenz für Automatikgetriebe in Premium- und Luxusfahrzeugen sei aber steigend. Didier Lexa, Chief Technology Officer der Getrag Corporate Group, sieht für den chinesischen Markt eine Entwicklung in Richtung automatisiertes Getriebe. Vor allem das Doppelkupplungsgetriebe sei auf dem Vormarsch. So sollen laut Lexa im Jahr 2017 rund 2,5 Millionen Doppelkupplungsgetriebe in China produziert werden. Das sei ein Zuwachs von circa zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2011. "Das Doppelkupplungsgetriebe hat im Bereich unserer Kunden einen riesigen Siegeszug angetreten", so auch Dr. Karl-Thomas Neumann, Präsident und Vorstandsvorsitzender Volkswagen Group China. So stattet das Unternehmen circa 20 % seiner in China produzierten Fahrzeuge mit einem Doppelkupplungsgetriebe aus. Das japanische Unternehmen Jatco setzt hingegen weiterhin auf das Getriebe stufenlos variabler Unterstützung (Continuously variable transmission, CVT).

Ein stabiler Trend in der sich wandelnden Autoindustrie ist neben dem Downsizing und der Motoraufladung die Weiterentwicklung der Getriebe. Auf der gestrigen Podiumsdiskussion unter dem Motto "Downsizing des Antriebsstrangs und Optimierung des Getriebes - Alternative zur Elektromobilität?" wurde mit einer Ted-Umfrage auch das Auditorium eingebunden. Die Frage "Welche minimalen Emissionswerte, bezogen auf den NEFZ-Zyklus und ein Fahrzeug aus der B-Segment, sind auf lange Sicht mit einem konventionellen Antrieb (Ottomotor, Start-Stopp-System) erreichbar?" wurde vom Auditorium in der Mehrheit (33,9 %) mit "weniger als 90 g/km" beantwortet. Professor Dr. Ulrich Spicher, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie, glaubt sogar an 70 g/km, wenn man das Gesamtfahrzeug unter realen Fahrbedingungen betrachtet. Vor allem beim Verbrennungsmotor sieht Spicher noch enormes Potential, den Wirkungsgrad zu verbessern. Ein Wirkungsrad von rund 40 % beim Ottomotor sei mit heutiger Technik bereits zu realisieren. Komme ein entsprechend angepasstes, gespreiztes Getriebe dazu, wäre das Potential noch größer.

Die Mehrheit von 33,2 % des Plenums gab an, dass fünf bis zehn Prozent Wirkungsgrad mit konventionellen Mitteln im Bereich der Getriebetechnik in den nächsten fünf Jahren realisierbar sei (bezogen auf den NEFZ). Dr. Manfred Klüting von BMW zeigte sich sehr optimistisch und gehe sogar von einem Potenzial von 10 bis 15 % aus. Eindeutig wurde die Frage beantwortet, welche durchschnittliche Spreizung bei Getrieben in den nächsten 10 Jahren zu erwarten sei. Hier ging eine Mehrheit von 41, 8 % des Auditorium von einer Spreizung größer acht aus.

Das weltweit etablierte CTI-Symposium "Innovative Fahrzeug-Getriebe, Hybrid- und Elektro-Antriebe" feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Es findet noch heute, 7. Dezember 2011, unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ferit Küçükay (Technische Universität Braunschweig) in Berlin statt. Rund 100 Referenten stellen in insgesamt zehn parallelen Vortragsreihen und zwei Plenarsitzungen aktuelle Trends in der Getriebe- und Antriebstechnik vor. Die Veranstaltung wird durch eine begleitende Ausstellung ergänzt, wo rund 92 Aussteller ihre Neuheiten präsentieren. Das nächste Getriebesymposium wird vom 3 bis 6. Dezember 2012 wieder im Berliner Maritim-Hotel stattfinden.

(Foto © Euroforum/Gust)
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Autor(en): Christiane Brünglinghaus
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