09.12.2011

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Nationaler IT Gipfel: Auch die Datensicherheit im Automobil garantieren

Es ist ein persönliches Anliegen der Bundeskanzlerin, den Ausbau der Informationstechnologie in Deutschland zu fördern. Das betonte sie im Rahmen ihrer Rede auf dem 6. Nationalen IT Gipfel in München, der am Dienstag, 6. Dezember 2011, zu Ende ging. Im Mittelpunkt des IT-Gipfels stehen die künftigen Herausforderungen der Digitalen Wirtschaft. Dazu gehört der Aufbau moderner Informations- und Kommunikationstechnologie(IKT)-Infrastrukturen, die Digitalisierung und Vernetzung von Wirtschaft und Systemen sowie Sicherheit und Vertrauen in der digitalen Welt. Das Motto des IT-Gipfels lautet: vernetzt, mobil, smart.

Seit 2006 treffen sich bei dieser Veranstaltung alljährlich hochrangige Vertreter aus Industrie, Forschung und Politik und sprechen über notwendige Schritte, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland in dem Bereich zu stärken. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland nur den sechsten Rang ein - hinter Japan, Dänemark, Großbritannien, den USA und Südkorea. Das Land führte übrigens schon 2010 die Rangliste an. Und Deutschland verbesserte sich aber gegenüber dem Vorjahr um einen Rangplatz. Die Benchmark-Studie, die TNS Infratest im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie seit 2000 jährlich erstellt, analysiert den Status quo der deutschen Informationswirtschaft im Vergleich zu den führenden IKT-Weltregionen mit insgesamt 14 Ländern.

Mit welcher Bedeutung das Thema vorangetrieben wird, zeigt sich an der Zusammensetzung der Arbeitsgruppen - den meisten Gremien sitzen Bundesminister vor, die gemeinsam mit Industrievertretern konkrete Handlungsanweisungen erarbeiten. Maßnahmen, die insbesondere auch die Automobilindustrie betrifft. Neben der Chance des unfallfreien Fahrens, wie es Phillip Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, in seinem Vortrag erwähnt, möchte er nämlich "im kommenden Jahr auch ohne lästige Staus anreisen". Das Konstrukt Automobil und Internet ist dann auch Schwerpunkt mehrerer Arbeitsgruppen. Das Ziel: Der Aufbau einer schnellen und vor allem sicheren Dateninfrastruktur.


Die Zukunft der Mobilität

Unter dem Vorsitz des Bayerischen Staatsministers Martin Zeil sowie des Leiters der Siemensforschung Dr. Reinhold Achatz, hat die Arbeitsgruppe Regional die Zukunft der Mobilität definiert. Anhand einer durchgängigen und abgestimmten Sequenz mobiler Applikationen soll es künftig möglich sein, die individuelle Mobilität zu optimieren. Die Basis bilden ein intelligentes Verkehrsdatenmanagement, eine intermodale Bordnavigation, Car-Sharing sowie ein IT-gesteuertes Parkraummanagement. Über den Funkstandard LTE lassen sich zusätzlich Live-Bilder und Daten direkt in das Automobil übermitteln. Mobile Endgeräte sind in dem Szenario übrigens nahtlos in das Verkehrskonzept integriert. So kann der Autoschlüssel auch für das Autorisieren des Bezahlvorgangs etwa beim Kauf einer Bahnfahrkarte genutzt werden.

Im Rahmen des BMW-Projekts Connected-Drive ist der Schlüssel bereits personalisiert. Ein Forschungsprototyp soll dann künftig auch in der Lage sein, Tickets für öffentliche Verkehrsmittel und Fahrzeuginformationen zu speichern. Ein Sicherheitschip sowie eine Security-Architektur schützen das mobile Bezahlen und Arbeiten vor unautorisierten Zugriffen. Selbstlernende und vernetzte IT-System optimieren den Ablauf und die Sicherheit von Transport, Logistik und Infrastruktur.

Datenschutzansatz Evita


Auch der Münchner Kreis stellt auf der Konferenz ein ähnliches Szenario vor. In seiner Zukunftsstudie 2011 hat er zudem die Kundenakzeptanz künftiger IKT-Anwendungen untersucht. Auch ging er der Frage nach, ob die Verbraucher dafür Geld ausgeben. Weltweit bestehen bei den Nutzern große Befürchtungen im Hinblick auf den sicheren Umgang mit den persönlichen Daten. Der Münchner Kreis fordert vor diesem Hintergrund eine Nationale Strategie zum Schutz persönlicher Daten. Bereits in Kürze soll es eine Bundesstiftung Datenschutz geben. Ein Zentrum für Cybersicherheit ist seit Anfang 2011 im Einsatz.

Auch wenn die Akzeptanz neuer IT-Dienste im Wesentlichen vom Vertrauen in deren Sicherheit abhängt, dürfen künftige Vorgaben zum Datenschutz den Erfolg aller möglichen Geschäftsmodelle aber nicht gefährden. Und weil mit dem Einzug internetfähiger Applikationen ins Automobil zahlreiche Daten per Cloud-Computing gespeichert werden, muss eine sinnvolle Datenschutzlösung international ausgelegt sein. Dabei müssen personenbezogene Daten anders gehandhabt werden als rechnerbezogene Daten.

BMW sichert die Privatsphäre seiner Kunden durch Pseudonymisierung ab. So lassen sich persönliche Daten im Fahrzeug schützen. Innerhalb des Projektes Evita zeigt der Automobilhersteller, wie private Informationen durch sichere Speicherung und Zugriffskontrolle im Fahrzeug geschützt werden können. Das Hardware-Security-Modul schützt dabei den Schlüssel, mit dem diese Daten im Fahrzeug Fremden unzugänglich gemacht werden. Erst nach erfolgreicher Authentifizierung und Auswertung von Zugriffsregeln können diese Daten entschlüsselt und wiederverwendet werden.

Wachstumsmärkte


Durch die Integration der am häufigsten mobilen Geräte, wie Smartphones und Tablets sowie den Einsatz verschiedener Verbindungstechnologien wird das Automobil zum größten vernetzten mobilen Gerät. Das Connected Car ist damit ein wichtiger Markt für eingebettete Systeme. Das deutsche Marktvolumen wird von Bitkom für 2011 auf 19 Milliarden Euro geschätzt. Bis 2020 wird ein Wachstum von 8,5 Prozent jährlich erwartet. Dann beträgt das Umsatzvolumen 42,4 Milliarden Euro. Das sind etwa 15 Prozent aller IKT-Umsätze. Eingebettete IKT-Systeme machen in der Automobilindustrie einen beachtlichen Teil davon aus.

Auch die Elektromobilität ist Treiber und Nutznießer intelligenter Netze. Mit der E-Mobilität wachsen Verkehrs-, Strom- und Kommunikationsnetze zu einem neuen klimafreundlichen System zusammen. Dazu ist die Aufrüstung der Stromnetze zu intelligenten Stromnetzen, den Smart-Grids, erforderlich. Ohne IKT sind Elektrofahrzeuge und der Aufbau eines Gesamtsystems Elektromobilität nicht realisierbar. Eine Abschätzung des Marktpotenzials für entsprechende IKT-Produkte und -Leistungen ist nach der VDI/VDE-Studie angesichts der vielfältigen Geschäftsoptionen kaum möglich. Allerdings lässt sich die Marktentwicklung für Elektrofahrzeuge in Deutschland zwischen 2010 und 2025 berechnen. Der Umsatz nimmt um 20,1 Prozent jährlich von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf drei Milliarden Euro im Jahr 2015, dann um 19,6 Prozent auf 18 Milliarden Euro im Jahr 2025 zu. Die Umsätze steigen demnach auf das Fünfzehnfache. Der jeweils auf IKT-Anwendungen zurückzuführende Umsatzanteil wächst von 50 Prozent im Jahr 2010 auf über 60 Prozent im Jahr 2015. Im Jahr 2025 beträgt der Anteil auf 75 Prozent. Das sind dann 13,5 Milliarden Euro.

Hintergrund: 6. Nationaler IT Gipfel


Im Mittelpunkt des IT-Gipfels stehen die künftigen Herausforderungen der digitalen Wirtschaft. Smarte Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) verändern grundlegend unser Privatleben, die Wirtschaft und das Arbeitsleben. Bestehende Infrastrukturen werden zunehmend mit IKT ausgerüstet, sie vernetzen sich. Intelligente Netze ermöglichen innovative, effiziente und nachhaltige Infrastrukturen, sei es in den Energie-, Verkehrs- oder Verwaltungssystemen oder im Gesundheits- und Bildungssektor. Und das Internet wird zunehmend mobil.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) fördert mobile und smarte Technologien zum Beispiel sichere Cloud-Services, den Vergabe-Navigator aus dem Projekt Theseus und mit dem Projekt Ran (RFID-based Automotive Network) die digitale Lieferkette in der Automobilindustrie. Auf den Themeninseln des IT-Gipfels sind Exponate dazu ausgestellt.

Der IT-Gipfel ist die zentrale Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft für die digitale Transformation in Deutschland. Er hat auch in diesem Jahr wichtige Impulse für die Umsetzung der IKT-Strategie der Bundesregierung "Deutschland Digital 2015" gegeben. In den acht Arbeitsgruppen und den Foren wurden künftige Schwerpunkte und neue Projekte intensiv diskutiert. Mit der Münchner Erklärung des IT-Gipfels haben sich die Gipfelteilnehmer über die künftigen Maßnahmen zur Stärkung des IKT-Standorts Deutschland verständigt.
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Autor(en): Andreas Burkert
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