14.12.2011

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Langstrecken-Hybrid: Der Volvo V60 Plug-in-Dieselhybrid kommt Ende 2012

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Während Peugeot seinen Dieselhybrid bereits in Serie anbietet, startet Volvo mit der Produktion des Diesel-Hybrid-Modells V60 Plug-in-Hybrid erst im Herbst 2012 - kurz danach beginnt die Auslieferung der ersten Fahrzeuge. Bestellungen für den "technisch anspruchsvollsten Volvo, der jemals gebaut wurde", können bereits im ersten Halbjahr 2012 getätigt werden, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Trotz einiger konzeptionellen Ähnlichkeiten konkurrieren die Konzepte von PSA und Volvo nicht. Zwar setzten beide Hersteller auf eine räumliche Trennung der beiden Motoren: Vorne befindet sich der weitgehend konventionelle Antrieb mit Dieselmotor (158 kW). Volvo kombiniert ihn mit einer Sechsgang-Automatik. Peugeot setzt im bereits eingeführten 3008 Hybrid4 auf ein automatisiertes Schaltgetriebe (ein gangbarer Weg, weil sich die Zugkraftunterbrechungen elektromotorisch kaschieren lassen). An der Hinterachse setzt Volvo einen Elektromotor mit 51 kW ein, der in den drei verfügbaren Fahrmodi auf unterschiedliche Weise zugeschaltet wird.

Im "Pure"-Modus fährt der Volvo rein elektrisch, also mit Hinterradantrieb. Die Lithium-Ionen-Batterie, welche von LG Chem stammt, erlaubt dank eines Energieinhalts von 11,2 kWh eine rein elektrische Reichweite von 50 Kilometer. Das setzt natürlich ein vollständig geladene Batterie voraus. Bei 230 V beträgt die Ladedauer je nach Stromstärke (6, 10, 16 A) 7,5, 4,5 oder 3,5 Stunden. Peugeot geht einen anderen Weg: Die NiMh-Batterie mit 1,1 kWh lässt keinen nennenswerten rein elektrischen Betrieb zu - erlaubt aber einen erheblich günstigeren Fahrzeugpreis, was in Verbindung mit dem teuren Dieselmotor ein wichtiges Argument in der Vermarktung ist.

Im "Hybrid-Modus" des Volvo V60 Plug-in-Hybrid arbeiten Verbrennungs- und Elektromotor abhängig von der Fahrsituation zusammen - dies ist die Standard-Einstellung. Im "Power-Modus" stellt der V60 das maximale Drehmoment beider Motoren zur Verfügung, dabei kann das Fahrzeug in 6,2 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Mit einem Schalter auf der Mittelkonsole kann der Fahrer zudem zwangsweise den Allradantrieb aktivieren. In dieser Betriebsart läuft der Dieselmotor permanent, damit der Generator Strom für die Batterie und/oder den hinteren Elektromotor erzeugen kann. Der Allradmodus reicht nur bis 120 km/h, laut Volvo aufgrund der geringeren Leistungsausbeute der E-Motors - auch die feste Übersetzung dürfte Grenzen setzen.

Die avisierte Reichweite von 50 Kilometern wird den V60 in vielen Fällen befähigen, Alltagsstrecken rein elektrisch zu bewältigen. Einige Zusatzfunktionen im Ladekonzept erhöhen dabei die Alltagstauglichkeit. So lässt sich während des Ladevorgangs das Fahrzeug vortemperieren, ohne dabei die Batterie zu beanspruchen. Auch die Batterien lassen sich auf diese Weise kühlen, was Ladekapazität und Reichweite verbessern soll. Wenn einmal der Zielort ein rein elektrisches Fahren erfordern sollte, kann der Fahrer den "Save for Later"-Modus aktivieren. Dabei wird die Batteriekapazität geschont, oder Verbrennungsmotor und Generator laden sogar aktiv die Batterie, um eine ausreichende Kapazität für 20 Kilometer Fahrstrecke bereitzustellen.

Anders als PSA, wo man den elektrifizierten Anteil des Antriebsstrangs praktisch vollständig von Bosch bezieht, lässt sich Volvo den Elektromotor von Magna zuliefern. Interessanterweise nutzen die Schweden in diesem Fall nicht die Partnerschaft mit Siemens, welche Ende August 2011 verkündet wurde. Demnach beliefert Siemens den Autobauer mit Antriebskomponenten für das Elektroauto C30 Electric. Für die Entwicklung von Plug-in-Hybriden wie dem V60 war Volvo 2007 eine Partnerschaft mit dem Energiekonzern Vattenfall eingegangen - die V2-Plug-In-Hybrid-Vehicle-Partnership.

Während PSA den Dieselhybrid gegen konventionelle Hybridantriebe positioniert, ist der Volvo auf ein deutlich anderes Nutzungsszenario zugeschnitten: Er ist mit angegebenen 1000 Kilometern Gesamtreichweite einerseits ein ausgesprochenes Langstreckenauto, die elektrische Reichweite von 50 Kilometern fällt dabei kaum ins Gewicht. Der angegebene NEFZ-Verbrauch von 1,9 Liter Diesel ist dabei wie so oft irreführend, weil im Prüfzyklus nach ECE R101 die elektrische Fahrstrecke von 11.022 Metern gleichwertig der ebenso langen Strecke mit entladener Batterie gegenüber gestellt wird. Es wird Zeit, dass diese Regelung durch ein Verfahren ersetzt wird, das vom Kunden sinnvoll nachvollziehbar ist.

Das Antriebskonzept des Volvo V60 Plug-in-Hybrid ist ungewöhnlich. Wer vorwiegend elektrisch fahren will, braucht eigentlich kein Langstreckenauto mit Dieselmotor. In einem solchen Konzept wird die Plug-in-Funktion erst zu einem Vorteil, wenn Sperrzonen in Metropolen diesen Betriebsmodus erfordern. Andererseits macht Volvo ein Angebot, das preislich erstaunlich günstig ausfällt: Die ersten 1000 Exemplare in der Version "Pure Limited" sollen in Deutschland 2013 für 57.000 Euro angeboten werden. Volvo-Geschäftsführer Bernhard Bauer beziffert die Mehrkosten für die Hybridkomponenten dabei auf etwa 5000 Euro. Nach der Markteinführung soll die jährliche Produktion auf 4000 bis 6000 Exemplare erhöht werden, 30 Prozent des Volumens sind dabei für Schweden und andere skandinavische Länder vorgesehen. Hier leuchtet auch das Anwendungsszenario ein: In diesen Flächenländern sind lange Strecken typisch - und Entwicklungspartner Vattenfall steuert ein "Starterpaket" bei, das eine Ladestation und die Lieferung von klimaneutralem Strom umfasst.
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Autor(en): Gernot Goppelt
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