20.12.2011

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Freie Fahrt: Forscher entwickeln grüne Welle für Landstraßen

Intelligente Ampelsteuerungen für Strecken außerhalb von Ortschaften sollen nun in einem Pilotprojekt entwickeln werden. Forscher von der Technischen Universität München (TUM), BMW, Transver und von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium wollen auf diese Weise nicht nur den Verkehrsfluss auch außerhalb von Ortschaften verbessern. Beispielsweise könnten sich so auch die Anzahl der Stopps, Lärm und Abgase reduzieren lassen. Für die Steuerung sollen in dem Projekt namens Kolibri (Kooperative Lichtsignaloptimierung - Bayerisches Pilotprojekt) auch Informationen aus dem Fahrzeug genutzt werden.

Stopps an Ampelanlagen und die damit verbundenen Brems- und Beschleunigungsvorgänge verlängern nicht nur die Fahrzeit, sondern führen auch zu einer Erhöhung des Benzinverbrauchs und der Lärmemissionen. In Städten haben Verkehrsplaner bereits auf vielen Strecken so genannte grüne Wellen eingerichtet: Gleich über mehrere Ampeln hinweg werden die Rot- und Grünphasen so miteinander abgeglichen, dass ein Fahrzeug mit der korrekten Geschwindigkeit über eine längere Strecke immer in der Grünphase der Ampel bleiben kann. "Zwar funktioniert eine grüne Welle in der Regel nur in einer Fahrtrichtung, aber in Richtung der grünen Welle wird der Verkehrsfluss auf diese Weise erheblich verbessert", erklärt Alexander Dinkel, Projektleiter bei Transver. "Wir reduzieren so die Lärm- und Abgasemissionen und die Straße kann, beispielsweise im morgendlichen Berufsverkehr, ein deutliche höheres Verkehrsaufkommen bewältigen." Mit dem Projekt namens Kolibri sollen solche Ampelschaltungen nun auch für den Verkehr außerhalb von Ortschaften realisiert werden.

Da außerorts die Abstände der Lichtsignalanlagen größer sind, weisen auch die Abstände zwischen den Fahrzeugen und die gefahrene Geschwindigkeit größere Unterschiede auf als innerorts, erklärt die TUM. Auf der Landstraße seien grüne Wellen daher schwieriger zu realisieren. In dem Pilotprojekt sollen deshalb auch erstmals Informationen aus dem Fahrzeug in die Ampelsteuerung außerorts eingehen. Per Mobilfunk soll das Fahrzeug Rohdaten wie Zeit und genaue Position übertragen. Der Computer in der Zentrale könne daraus Informationen über die Verkehrslage, die Geschwindigkeit und die Zahl der Ampelstopps sowie die Wartezeiten ermitteln, die dann als Korrekturgrößen wieder in die Steuerung der Lichtsignalanlage einfließen könnten.

Darüber hinaus wollen die Forscher die Informationen über die Schaltphasen der Ampeln auch ins Fahrzeug übertragen, so dass der Fahrer seine Fahr entsprechend anpassen kann. "Da wir auf der Landstraße oft große Abstände zwischen den Ampeln haben, kann der Fahrer mit der vorausschauenden Information über die Schaltzeitpunkte der einzelnen Lichtsignale die Fahrweise effektiv anpassen", erläutert Susanne Breitenberger, Projektleiterin für BMW Verkehrstechnik und Verkehrsmanagement. "Er reduziert damit den Verbrauch und die Emissionen."

Die oberste Baubehörde wählte für das Pilotprojekt zusammen mit den Projektpartnern zwei Teststrecken aus: ein Teilstück der B13 im Norden Münchens und ein Teilstück der Staatsstraße St2145 in der Nähe von Regensburg. Im ersten Schritt wurden in den vergangen Monaten die Verkehrsströme auf diesen Strecken analysiert. Gleichzeitig reproduzierten die Wissenschaftler am Lehrstuhl für Ergonomie der TUM die Teststrecken in ihrem Simulator. Nun lassen sich die verschiedenen Methoden der Verkehrsbeeinflussung simulieren, ohne in das reale Verkehrsgeschehen eingreifen zu müssen.

Ein weiteres Ergebnis der ersten Projektphase ist eine Systemarchitektur, welche es ermöglicht, die unterschiedlichen, bis zu 20 Jahre alten Lichtsignalanlagen in eine einheitliche Kommunikations- und Steuerungsstruktur einzubinden. Über Mobilfunk werden nun die Anlagen mit der Zentrale im Transver-Büro verbunden. Diese kann dann die aufbereiteten Daten an die Fahrzeuge weiter geben, entweder in den Bordcomputer oder an ein Smartphone. Eine entsprechende Applikation (App) wertet die Daten aus und gibt dem Fahrer Empfehlungen zur optimalen Geschwindigkeit.

Aufgabe des Lehrstuhls für Ergonomie ist es nun heraus zu finden, wie diese Informationen aufbereitet und präsentiert werden müssen. "Einerseits wollen wir den Fahrer zur Anpassung seines Fahrverhaltens anregen", erläutert Michael Krause vom Lehrstuhl für Ergonomie der TUM, "andererseits dürfen wir ihn aber damit auch nicht vom Verkehrsgeschehen ablenken." Mit einer Online-Umfrage ermitteln die Forscher derzeit Basisdaten zum Nutzerverhalten und zur Akzeptanz einer solchen Applikation. Gefördert wird das Projekt durch die Bayerische Forschungsstiftung.
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Autor(en): Katrin Pudenz
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