06.01.2012

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Delhi Auto Expo: Tata setzt auf alternative Antriebe und SUVs

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Auf der Delhi Auto Expo (7. bis 11. Januar 2012) ist der größte indische Automobilhersteller Tata Motors eine Art Gradmesser. Er zeigt, welchen Stand die heimische Automobilindustrie - auch im Vergleich zu Europa - erreicht hat. Bei Betrachtung der Exponate fällt recht schnell auf, dass die Trends zum Teil jenen im Westen recht ähnlich sind, aber die Lebensrealität nach wie vor andere Anforderungen als bei uns stellt.

Ein SUV für Indien

Spontan ins Auge fällt der Tata Safari Storme, der äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit zum Subaru Forester hat und als eine Art indisches Gegenstück zu westlichen SUVs der Mittelklasse gelten kann. Bei näherer Betrachtung wird aber doch deutlich, dass Robustheit in Indien noch wichtiger ist als bei uns. Das zeigt sich vor allem an einer massiven Kunststoff-Beplankung, die in Europa fast völlig aus der Mode gekommen ist. Hinsichtlich Technik und Ausstattung hat der Storme westliches Niveau: Der so genannte DiCOR-Motor ist ein 2,2-l-Vierzylinder-Dieselmotor mit 16 Ventilen, Common-Rail-Einspritzung und variabler Turbinengeometrie. Er leistet 103 kW und bietet ein maximales Drehmoment von 320 Nm. Der Storme hat eine Bodenfreiheit von 200 mm und einen nicht-permanenten Allradantrieb, bei dem die Hinterachse über eine elektronische gesteuerte Kupplung bei Bedarf zugeschaltet wird.

Die Ausstattung des Storme zielt offenbar auf ein ähnliches Publikum wie bei westlichen SUVs, ein gewisser Luxus gehört zum Konzept. So gibt eine Zweizonen-Klimaanlage mit separaten Ausströmern im Fond, diversen Chrom- und Holzapplikationen oder einer Einparkhilfe. Insgesamt, so heißt es bei Tata, sie der Storme der Inbegriff von Geräumigkeit, Stil und Leistung. Das Mutterunternehmen von Land Rover will mit dem Modell offenbar Kunden gewinnen, die gerne ein SUV fahren wollen, aber zu einem günstigeren Preis als die luxuriösen Modelle von Land Rover - eine ähnliche Entwicklung wie in Europa.

Ein Kleiner für Metropolen

In Deutschland ist Tata den meisten vor allem wegen seines Kleinstwagens Nano bekannt, der allerdings bisher nicht den Erfolg hatte, den man sich bei Tata erhofft hatte. Es mag daran liegen, dass auch im aufstrebenden Indien mittlerweile großzügigere Fahrzeugkonzepte gefragt sind. In Delhi zeigt Tata neben einer CNG-Version des Nano nochmals den Pixel Concept, der trotz ebenfalls geringer Außenmaße (3100x1600x1500 mm) für weit höhere technische Ansprüche steht als der Nano. Der 1,2-l-Diesel leistet 60 kW, der Verbrauch - interessanterweise im NEFZ angegeben - beträgt demnach 3,4 Liter. Besonders interessant beim Pixel, der bereits in Genf vorgestellt wurde, ist das automatische Wälzkörpergetriebe (Extroid-CVT), ein CVT, bei dem die Übersetzung durch veränderte Abrollradien der aufeinander rollenden Körper variiert wird.

Dass der Pixel vor allem für (übrigens europäische) Metropolen gedacht ist, zeigt sich auch beim Lenkkonzept namens "Zero Drive". Die so genannte Infinitely Variable Transmission (IVT) erlaubt einen Lenkradius von nur 2,6 Metern, indem sich beim Wenden das äußere Hinterrad vorwärts und das innere Hinterrad rückwärts dreht, während die Vorderräder extrem weit eingeschlagen werden können. Im Übrigen sieht Tata für den Pixel all das vor, was derzeit als Wunsch moderner Kunden angenommen wird - vor allem die Möglichkeit zur Anbindung von Smartphones ("My Tata Connect") in Verbindung mit einem zentralen Touchscreen-Display, das als zentrales Anzeigeinstrument für Infotainment- und Fahrzeugfunktionen dient.

Ein indischer Dieselhybrid

Dass in Indien der Dieselmotor eine größere Rolle spielt als in Ostasien, zeigt auch der Tata Indigo Manza Hybrid Concept. Als Verbrennungsmotor dient ein 1,05-l-Dieselmotor, hinzu kommt ein elektrischer Traktionsmotor mit 45 kW. Nähere Angaben zum Aufbau des Antriebs liegen uns nicht vor. Laut Tata beherrscht das Fahrzeug sowohl einen seriellen als auch einen parallelen Hybridantrieb. Im städtischen Hybridbetrieb soll der Indigo Manza weniger als 90 g/km CO2 ausstoßen, zudem ist laut Tata ein nicht näher bezifferter rein elektrischer Betrieb möglich. Solarpanels auf dem Dach sollen im Übrigen dazu beitragen, die Lithium-Ionen-Batterie zu laden. Das Leergewicht von 1250 kg deutet darauf hin, dass ihre Kapazität nicht auf längere rein elektrische Fahrtstrecken ausgelegt ist. Auch darüber hinaus gibt es interessante technische Merkmale: Dazu zählen eine elektrische Parkbremse, eine wasserabweisende Nano-Versiegelung der Frontscheibe oder durch Annäherung öffnende Türen.

Wasserstoff und Erdgas

Unter den zahlreichen Nutzfahrzeugen, die Tata in Delhi zeigt, fallen das "Starbus Fuel Cell Concept" und der "Magic Iris CNG" besonders auf.

Der Starbus mit Brennstoffzellenantrieb entstand als Teil eines Projekts der indischen Regierung, kann 30 Personen transportieren und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Der Wasserstoff wird in vier Zylindern auf dem Dach mitgeführt, die jeweils 205 Liter fassen. Der Antrieb erfolgt über zwei Elektromotoren mit 186 kW Peak-Leistung, die Brennstoffzelle stellt maximal 85 kW zur Verfügung. Als Energiespeicher (und dieser Konstellation wohl Puffer) dient eine Lithium-Ionen-Batterie, deren Energieinhalt nicht näher spezifiziert ist.

Ein aus europäischer Sicht sehr bescheidenes Nutzfahrzeug ist der Magic Iris CNG, mit dem Tata auf die zunehmende Bedeutung von Erdgas-Antrieben reagiert. Der Zauberwürfel ist auf einfachste Anforderungen ausgelegt: Als Antrieb dient ein Einzylindermotor mit 611 cm3 Hubraum, der knapp 1o kW leistet und ein maximales Drehmoment von 37 Nm zur Verfügung stellt. Trotz der gelegentlich widrigen Anforderungen im indischen Alltag genügt angesichts der waltenden Kräfte eine Trockenkupplung, das Viergang-Getriebe ist als Transaxle-Lösung ausgelegt.

Alt und neu vereint

Die vorgestellten Fahrzeuge sind nur ein kleiner Teil der jeweils zehn Pkw und Nutzfahrzeuge, die Tata in Delhi zeigt. Dem Magic Iris CNG kommt dabei die Rolle zu, klassische indische Transportanforderungen mit einer veränderten Verfügbarkeit fossiler Kraftstoffe zu verbinden. Tata bezeichnet ihn als "komfortables Lieferfahrzeug für die letzte Meile, welches aus Umweltschutzsicht eine ideale Lösung für indische Großstädte ist".

Tata kann eine breite Palette von Fahrzeugen vorweisen: neben großen Lkw und Bussen einfache Nutzfahrzeuge, die vor allem günstig sein müssen - ein Hybridkonzept, das konzeptionell auch international konkurrenzfähig wirkt - und nun auch einen Mittelklasse-SUV, den man als indische Antwort auf europäische Modelle wie den VW Tiguan sehen könnte. Die Tata-Verantwortlichen messen ihm eine eine große Bedeutung zu, wie den Worten des Managing Directors Prakash Talang bei der Enthüllung zu entnehmen war: "Der Safari Storme ist ein zeitgemäßes SUV, wie es sich heutige SUV-Liebhaber wünschen." Der SUV-Trend ist auch in Indien angekommen.
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Autor(en): Gernot Goppelt
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