17.01.2012

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Autohersteller erobern die CES

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Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas präsentieren die Hersteller von Unterhaltungselektronik traditionell Anfang Januar ihre Produktneuheiten. In den letzten Jahren nutzen Automobilhersteller die Messe zunehmend, um die Botschaft "Ich bin drin" zu verbreiten. Unter den Premiumherstellern setzte Audi den Höhepunkt: Der neue Infotainment-Baukasten wurde in einer Sitzkiste präsentiert, die dem neuen A3 entspricht.

Wichtigste Neuerung der neuen Infotainment-Baureihe: Alle rechenintensiven Funktionen – beispielsweise die Navigation mit Google Earth oder das Handbuch mit 3D-Grafikanimationen – werden auf einer eigene Platine durchgeführt, die mit einem Tegra-3-Grafikchip von Nvidia bestückt ist. Diese neue Chipgeneration entspricht dem neuesten Stand, wie sie auch in Tablets verwendet wird. Die Entwicklung des Multimedia-Boards und dessen Betriebssystems erfolgte nicht nur durch den Systemlieferanten Harman, sondern auch durch e.solutions, ein Gemeinschaftsunternehmen von Audi und Elektrobit. Basisfunktionen wie der Radioempfang sind auf einer getrennten Platine im selben Gerät untergebracht. Vorteil der Trennung: Das Infotainmentsystem soll permanent auf dem neuesten Stand der Prozessortechnik gehalten werden können, ohne dass das gesamte Gerät neu spezifiziert werden muss.

Auffällig an dem A3-System war außerdem, dass das Touchpad mit Handschriftenerkennung, das bislang nur in der Luxuslimousine A8 zu finden ist, erstmals in einem Kompaktmodell zu finden ist. Anders als beim großen Bruder befindet sich das Touchpad an der Oberfläche des Dreh-Drück-Stellers. Schließlich zeigte Audi mit einem Demonstrationsfahrzeug, wie das Unternehmen den neuen Breitband-Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) für neue Funktionen nutzen will. So sollen Fondpassagiere während der Fahrt an Videokonferenzen teilnehmen können. Offen ließ Audi-Entwicklungschef Michael Dick die Frage, ab wann LTE-Empfangsmodule bei Audi angeboten werden. Das mache man vom Fortschritt des Netzausbaus abhängig.

Michael Mauser, bei Harman für die Infotainmentsysteme verantwortlich, hält einigermaßen flächendeckenden LTE-Einsatz ab 2013 oder 2014 für möglich. Im selben Zeitraum werden ihm zufolge die ersten Blue-Ray-Systeme in Serienfahrzeugen verbaut werden. Es wird sich zeigen müssen, wie groß der Bedarf dafür angesichts der Übertragungsbandbreiten von LTE überhaupt noch ist.

Erstmals war auch Daimler auf der CES vertreten. Dieter Zetsche hielt einen der Eröffnungsvorträge und prophezeite, dass die Autos zu "digitalen Begleitern" des Fahrers würden. Neben der Vision einer vollflächigen Head-up-Displays auf der Windschutzsscheibe präsentiert er vor allem "mbrace", die US-Version des Online-Telematiksystems "Comand Online", das in Europa schon auf dem Markt ist (ATZonline berichtete). Allerdings sind die in Amerika angebotenen Apps teilweise andere, was auf einen generellen Vorteil App-basierter Software-Funktionen hinweist. Lokale Versionen sind ohne Änderungen des Gerätes oder der vorinstallierten Software möglich.

Für ein schlichteres Marktsegment präsentierte Systemlieferant Harman anhand eines Subaru das System "Aha", das von einer vor wenigen Jahren zugekauften Tochter stammt. Es handelt sich ursprünglich um eine Streaming-Plattform für Internetradio, die auch dafür genutzt werden soll, Apps ins Auto laden zu können.

Der wahre Star auf der diesjährigen CES wäre aber zu groß, um ihn im Auto zu nutzen. Samsung präsentierte einen auf OLED-Technik basierenden Fernseher mit 55 Zoll Bildschirmdiagonale – das größte OLED-Display, das viele Besucher je gesehen haben dürften. Abgesehen von einer brillanten Farbwiedergabe faszinierte der Fernseher, der noch 2012 in den Handel kommen soll, durch eine Dicke von weniger als zwei Zentimetern, die dem Begriff "Flachbildschirm" eine neue Dimension geben. Auch wenn Samsung mittlerweile 20.000 Stunden Betrieb ohne sichtbaren Leistungsverlust garantieren will, so ist die Technologie laut Peter Steiner von Audi nach wie vor nicht für den Automobileinsatz geeignet. Die Lebensdauer sinke unter hohen Temperaturen und direkter Sonneneinstrahlung dramatisch. Allenfalls auf der Rücksitzbank sei in naher Zukunft mit einem Einsatz der Kunststoffdisplays zu rechnen.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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