28.06.2001

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Opel investiert 770 Millionen Euro in Rüsselsheim

Am Mittwoch gab die Adam Opel AG innerhalb eines Medienworkshops zum "Neuen Werk Rüsselsheim" bekannt, "wie Opel künftig Automobile bauen wird". Auf dem Areal am Standrot Rüsselsheim entsteht parallel zur laufenden Produktion - bislang einzigartig in der Automobilindustrie - ein neues Werk, mit dem der traditionsreiche Autobauer die Parameter Qualität, Produktivität und Flexibilität neu definieren will. "Mit dem neuen hochproduktiven und flexiblen Werk schaffen wir hier in Rüsselsheim die besten Voraussetzungen, eine international führende Marktposition einzunehmen," bewertet Opel-Chef Carl-Peter Forster den Neubau. Die geplante Gesamtkapazität beträgt 270.000 Pkw, die im Drei-Schicht-Betrieb auf einer gemeinsamen Fertigungslinie produziert werden. Das Bauvorhaben ist konzeptionell eng an die moderne Opel-Produktionsstätte in Eisenach angelehnt. Nach dem Produktionsstart Anfang des Jahres 2002 soll hier der neue Vectra vom Band laufen.

Die Entscheidung für eine komplett neue Automobilfertigung innerhalb des bestehenden Werksgeländes in Rüsselsheim wurde Ende Mai 1999 getroffen, da das "alte Werk" in dieser Form nicht mehr den heutigen Anforderungen einer modernen und hoch effizienten Produktion entsprach und diese Lösung am besten zu dem neuen Konzept der Rüsslesheimer passte. Neueste technische Prinzipien, innovative Technologien und umfangreiche Simulationen sind seine Hauptbestandteile. Nach den Worten des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Strinz, der im Übrigen in wenigen Wochen in Ruhestand geht, waren die erfahrene und engagierte Belegschaft, die Nähe zum Internationalen Technischen Entwicklungszentrum und der unmittelbare Kontakt zu den restlichen Unternehmensfunktionen die ausschlaggebenden Faktoren. Um für alle Produkte, die das Werksgelände verlassen, künftig eine Top-Qualität zu garantieren, nähert sich der Konzern dem Punkt Qualität nun von mehreren Seiten: Umfangreiche Initiativen im Fertigungsprozess und ein groß angelegtes internes Trainingsprogramm für ausnahmslos alle Angestellte und Mitarbeiter sollen helfen, das gesamte Potenzial auszuschöpfen.

Bei der Errichtung der neuen Fertigungsstätte schenkten die Planer ferner der Ergonomie große Beachtung. Von Anfang an war der Beschäftigte in den Planungsprozess mit einbezogen. "Ein nach neuesten ergonomischen Erkenntnissen ausgelegter Arbeitsplatz entlastet den Beschäftigten und hilft ihm, sich zu 100 Prozent auf seine für die Produktqualität essenzielle Wertschöpfung zu konzentrieren," erklärt Michael J. Wolf, Direktor Werk Rüsselsheim.

Im Hinblick auf die Fertigung setzt Opel auf das so genannte "Null-Fehler-Prinzip". Hier sollen zum einen Fehler in der Fertigung vermieden und zum anderen keine Fehler an folgende Stationen weitergegeben werden. Gute Voraussetzungen, dieses Prinzip wirkungsvoll umzusetzen, sollen Puffer zwischen den relativ kurzen, voneinander entkoppelten Montagelinien mit jeweils rund 20 Fertigungsstationen und das so genannte "Andon-System" bringen. Andon (aus dem Japanischen für Papierlaterne) ermöglicht es dem Mitarbeiter, der eine Unregelmäßigkeit am Produkt feststellt, eine Reißleine zu ziehen und so nur den Bandabschnitt anzuhalten, auf dem sich die fehlerhafte Komponente befindet. Sofort werden ein optisches und ein akustisches Signal ausgegeben und der Fehler kann schnellstmöglich behoben werden, ohne in jedem Fall die übrigen Bandabschnitte zu beeinträchtigen. Des Weiteren durchläuft jedes Fahrzeug, bevor es zum nächsten Bereich weitergegeben wird, eine Endkontrolle.

Nach der Fertigstellung werden alle Fahrzeuge einer Endkontrolle am Bandablauf und einem dynamischen Test, einer strengen Wasserprüfung zur Dichtigkeit und einem Geräuschtest auf einer Rüttelstrecke unterzogen. In einem so genannten Care-Check überprüfen die Opel-Mitarbeiter darüber hinaus circa 250 Positionen aus Kundensicht. Schließlich tragen eine unabhängige, stichprobenartige Versandkontrolle und eine 100-prozentige Übergabeinspektion durch die Händler zusätzlich dazu bei, Mängel am Fahrzeug zu vermeiden. Zum Abschluss seiner Rede fasste Wolf noch einmal zusammen: "Es war unser primären Ziel, bei der Planung für die Montage im neuen Werk Rüsselsheim die Qualitätskette lückenlos zu machen, denn sie ist nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette", und versprach: "Wir haben unsere Lektionen gelernt und unsere Hausaufgaben gemacht. Unsere Produkte sind inzwischen deutlich besser, als die Marktentwicklung dies gegenwärtig widerspiegelt. Wir werden die Chance, die uns unsere Expertise beim Fertigungsanlauf neuer Modelle und die Infrastruktur des neuen Werkes Rüsselsheim eröffnen, beim neuen Vectra nach Kräften nutzen."
Thomas Jungmann
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