20.07.2001

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Der Kurek GT6: exklusive Handarbeit

Die Anfänge des zweisitzigen Prototyps, des Kurek GT6, reichen bis ins Ende der 70er-Jahre zurück. Zu diesem Zeitpunkt hat Heinz Kurek, dessen Sportbegeisterung die einzige direkte Verbindung zur Automobilbranche darstellt, die Idee, ein komplettes Fahrzeug selbstständig und völlig unabhängig zu entwickeln. Bis dahin besaß Heinz Kurek selbst Fahrzeuge aus dem Sportwagensegment. Daher rühren seine profunden Erfahrungen im Hinblick auf den Anspruch, den ein Sportwagen nach seinen Vorstellungen zu erfüllen hat. Da kein Fahrzeug existiert, das seinen Anforderungen zu 100 Prozent gerecht wird, und auch nicht gebaut werden kann, beginnt der studierte Elektrotechnik-Ingenieur mit einem kleinen Kreis aus Spezialisten eine vollständige Eigenentwicklung parallel zu seinem ausgeübten Beruf als Technik-Consultant in der Computerbranche. Um das Projekt, das seinen Idealismus in puncto technischer Perfektion mit seinem Hobby verbindet, auch wirtschaftlich solide realisieren zu können, entschließt er sich, die Gesamtfahrzeug-Entwicklung stufenweise "nebenbei" vorzunehmen.

Die Philosophie, die hinter dem Kurek GT6 steht, kann ohne weiteres als "Wiederbelebung der Sport-Prototypenklasse auf der Straße" beschrieben werden. Und das Ergebnis von etwa 4000 Arbeitsstunden in einer circa 60 m2 großen Halle im bayerischen Puchheim für den Prototyp plus etwa derselben Zeitspanne an Entwicklungsaufwand für den gelben Sportwagen (Foto), ist ein Maximum an Individualität, ein gelbes Mittelmotorfahrzeug mit eigenständigem Spaceframe (Kastenbauweise), Gitterrohraufbau und Verbundwerkstoffkarosserie in extremer Leichtbauweise. Seine Silhouette ist eine Reminiszenz an "alte Schätze" aus der Sportwagengeschichte, wie den Ferrari Dino, den Lola T70 und den Porsche 904.

80 Prozent des Sportwagens bestehen aus eigenständigen Entwicklungen und 20 Prozent aus so genannten COPs (Carry Over Parts, Übernahmeteile fremder Hersteller). Als Antriebsstrang beispielsweise dienen ein umfangreich adaptierter Porsche-Motor und ein Getriebe von ZF. Dieses 3,2-Liter-Aggregat, bei dem im Grunde lediglich das Kurbelgehäuse übernommen wurde, leistet 167 kW. So benötigt das Unikat weniger als 5 Sekunden für den Standard-Sprint von 0 auf Tempo 100 km/h und knapp 10 Sekunden länger, um die 200er-Marke zu erreichen. Das Fahrzeug ist auf der Straße für eine Geschwindigkeit von 270 km/h zugelassen.

Der Spaceframe des GT-Fahrzeugs mit Straßenzulassung, der Motor und Getriebe, Fahrwerk und Karosserie aufnimmt, besitzt im Gegensatz zu freitragenden Karosserien eine enorme Verwindungssteifigkeit. Sie untermauert neben der herausragenden Fahrdynamik (bei circa 800 kg Leergewicht beträgt die spezifische Leistung über 0,2 kW/kg) seinen extrem sportlichen Anspruch. Der verwendete Kastenrahmen trägt in Kombination mit einem Gitterrohr-Überrollkäfig Marke Kurek entscheidend zu der hohen passiven Sicherheit des Ausnahme-Sportwagens bei. Ferner verfügt er über eine GFK-Leichtbau-Karosserie einschließlich der Türen und Klappen. Die Erfüllung sämtlicher Erwartungen, die Heinz Kurek an das perfekte Fahrzeug hatte, setzte den Einsatz moderner Technik und hochwertiger Werkstoffe sowohl bei der Anfertigung als auch der Montage sämtlicher Einzelteile voraus.

Kein Wunder also, dass dieses außergewöhnliche Projekt, das, wie versichert wurde, nicht aus kommerziellen Beweggründen in Angriff genommen und zu Ende geführt wurde, auf massives Interesse auch über die Autoszene hinaus trifft. In einem Wertgutachten aus dem Jahr 1998 ist der so genannte Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs auf umgerechnet 330.000 Euro festgelegt. In der Begründung werden unter anderem die "bemerkenswert geringen Spaltmaße der einzelnen Bauteile der Karosserie, der Rahmenaufbau und die hochwertige Fahrwerkskonstruktion mit ihren hervorragenden Fahreigenschaften" sowie die "äußerst genaue Verarbeitung sämtlicher Anbau- und Innenteile" aufgeführt - unabhängige Belege dafür, dass der begeisterte Entwickler Kurek seine Idee ohne Kompromisse umgesetzt hat. Zurzeit, da ein weiterer Sportwagen aus der 60 m2 großen Kurek-Halle bereits zu 80 Prozent fertiggestellt ist und schon jetzt als verkauft gilt, wird die generelle Akzeptanz dieses Konzepts im Markt geprüft. Davon wird die Entscheidung im Hause Kurek abhängen, eventuell weitere GT6 auf derselben Basis kostengünstiger zu produzieren.

Thomas Jungmann
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