07.08.2001

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General Motors verpflichtet den 69-jährigen Bob Lutz

Am Donnerstag vergangener Woche hat der Vorstand der General Motors Corp. (GM) den 69-jährigen Bob Lutz zum seinem neuen Entwicklungschef ernannt. Der gebürtige Schweizer tritt zum 1. September in den Konzern ein und folgt damit Tom Davis nach, der Anfang 2002 in den Ruhestand gehen wird. "Ich übernehme diesen Posten, da es wirklich eine einmalige Gelegenheit ist: die Gelegenheit, bei der Neuausrichtung nicht nur einer amerikanischen, sondern einer Weltikone zu helfen," kommentierte der Autoveteran seinen neuen Drei-Jahres-Vertrag bei GM. 1998 schied Lutz als Top Manager bei Chrysler aus - offiziell weil er mit 65 Jahren die Altersgrenze erreicht hatte - nachdem der drittgrößte US-Automobilhersteller den Merger mit Daimler-Benz beschlossen hatte. Danach ging er als Chef zu Exide Technologies, einem US-amerikanischen Hersteller von Autobatterien. Vor fast 40 Jahren begann Bob Lutz seine Karriere bei der deutschen GM-Tochter Opel in Rüsselsheim, wo er als Marktanalyst und in der Produktentwicklung arbeitete. Nun kennt er die drei großen US-Autokonzerne wie kaum ein anderer. Nach seiner Zeit bei General Motors wechselte er in die Vorstandsetage von Ford und 1986 dann zu Chrysler.

Dem 69-Jährigen, Sohn eines Schweizer Bankers, ehemaligen US-Marineflieger und leidenschaftlichen Automobilliebhaber, wird der Verdienst zugeschrieben, in den 90er-Jahren mit der Entwicklung zahlreicher Fahrzeuge und der Einführung neuer Technologien Chrysler aus einer tiefen Krise gerettet zu haben. Lutz, der, wie sich ein damaliger Weggefährte erinnert, immer nur Wagen baute, "die er selbst toll fand", entwickelte zu dieser Zeit Verkaufsschlager wie den Jeep Grand Cherokee und den Minivan Voyager ebenso wie die imageträchtige Viper. Bei aller Autobesessenheit hatte Bob Lutz zu keinem Zeitpunkt das Geldverdienen vernachlässigt. Als Entwickler ist er längst eine Legende. Er hat einmal gesagt: "Es genügt nicht, wenn ein Käufer nur bereit ist, ein Auto zu kaufen, er muss es richtig haben wollen." Lutz hat als zweiter Man hinter Eaton, der im Jahr 1992 wider alle Erwartungen statt seiner an die Chrysler-Spitze berufen wurde, ganz nach dieser Devise demonstriert, wie man einen flügellahmen Autokonzern durch frische Modelle wieder auf Höhen des Erfolgs zurückbringen kann.

Mit Bob Lutz verbindet General Motors eben diese Hoffnung auf einen Ausweg aus dem braven Mittelmaß. Auf den heimischen Märkten hat General Motors in den letzten Jahrzehnten stetig an Anteilen verloren. Von mehr als 50 Prozent in den 60ern sank der Marktanteil auf nunmehr 28 Prozent in den USA. Seine Ernennung ist besonders im Hinblick auf Lutz' reifes Alter keine letzte Verzweiflungstat, sondern vielmehr eine außergewöhnliche Maßnahme und ein ebenso wichtiger Bestandteil einer ernst gemeinten Imagekampagne eines angeschlagenen Automobilkonzerns. Wie ernst es GM damit ist, endlich das dröge Image abzulegen, zeigen auch die Verpflichtungen mehrerer Top-Designer, unter ihnen der Chef-Designer des PT Cruiser, Bryan Nesbitt, und Anne Asensio von Renault.

Die Aufgabe, die Bub Lutz bei General Motors erwartet, ist groß und Vorschusslorbeeren gibt es bereits jetzt reichlich. Der Vertrag sieht vor, dass Lutz in seiner neuen Position direkt an GM-Vorstandschef Richard Wagoner berichten wird. Damit besitzt er ausreichend Freiheiten, seinen Führungsstil zügig bei einzuführen. Nun wird erwartet, dass Lutz, dem es beileibe nicht an dem nötigen Mut fehlt, Dinge rasch zu entscheiden, die schwerfälligen Strukturen des Großkonzerns im Hinblick auf die Fahrzeugentwicklung von Grund auf neu ausrichten wird.

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Autor(en): Thomas Jungmann
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