09.10.2002

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Studie: starkes Umsatzwachstum für Zulieferer bis 2010

Wie attraktiv ist der Standort Deutschland für die Automobil- und Zulieferindustrie? Welche Wachstumsmuster können wir in Deutschland für die Branche erwarten? Welche Rolle spielen die neuen EU-Beitrittsländer im Osten? Diese Fragen sollten am Dienstag in Leipzig im Rahmen einer Pressekonferenz beantwortet werden. Anlass war die Präsentation einer neuen Gemeinschaftsstudie des Center of Automotive Research (CAR) der FH Gelsenkirchen, der Corporate Finance Beratung PricewaterhouseCoopers (PwC), des VDA und der Stadt Leipzig. Im Ergebnis der aktuellen Studie heißt es, dass die weltweite Automobil-Zulieferindustrie bis zum Jahr 2010 einen um 75 Prozent gestiegenen Umsatz verzeichnen wird, was sie infolgedessen zu einer "Jobmaschine und der bedeutendsten Wachstumsbranchen werden lässt". Nach der Gemeinschaftsstudie erwachsen dadurch natürlich auch neue Anforderungen an den Automobilstandort Deutschland - in erster Linie Ostdeutschland, um an diesem Wachstum teilhaben zu können.

Diese Ergebnisse präsentierte neben den Studienleitern Ferdinand Dudenhöfer (Car) und Gerald Heine (Sprecher Automotive Competence Center Deutschland) der Präsident des VDA, Bernd Gottschalk (Foto), in Leipzig. Im Rahmen der Studie, die auch die Osterweiterung der Europäischen Union einbezieht, wurden im Sommer dieses Jahres 119 Zulieferunternehmen in Deutschland befragt. "Sachsen ist wieder ein leistungsstarkes Autoland", hob Gottschalk hervor. Allein im letzten Jahr sei die Anzahl der Arbeitsplätze in der sächsischen Automobilindustrie um neun Prozent auf mehr als 18.000 Beschäftigte gestiegen: "Rund 300.000 Pkw rollten hier im letzten Jahr vom Band - das sind zwei Drittel der Automobilproduktion in Ostdeutschland", sagte der VDA-Präsident in Leipzig. Die jüngsten Standortentscheidungen von Volkswagen, Porsche und BMW für den Freistaat werden die Produktion aus Sachsen weiter steigern. Hinzu kommt das Engagement von Opel in Eisenach und DaimlerChrysler im thüringischen Kölleda. Werke von Automobilherstellern wirkten wie "Gravitationsfelder", die eine Zulieferansiedlung nach sich ziehen. Die deutsche Automobilindustrie habe seit der Wende mehr als 6 Milliarden Euro in Ostdeutschland investiert, allein 800 Millionen Euro im Jahr 2001.

Allerdings werde der Automobilstandort Deutschland wegen der Osterweiterung der Europäischen Union vor neue Herausforderungen gestellt. In den letzten Jahren habe die Präsenz deutscher Zulieferunternehmen in Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik stark zugenommen. Der besondere Vorteil der EU-Beitrittsstaaten für die Zulieferindustrie, die niedrigen Lohn- und Lohnnebenkosten, wird gemäß der Studie nach einem Beitritt in die Europäische Union etablierte Standorte vor neue Aufgaben stellen. Daher forderte Gottschalk in seiner Ansprache, dass Mobilität in Deutschland nicht weiter verteuert werden dürfe. Die Mittel aus der geplanten Lkw-Maut müssten wieder für dringend notwendige Investitionen in die Straßenverkehrsinfrastruktur eingesetzt werden. Es sei ferner auch aus ökologischen Erwägungen kontraproduktiv, die sparsame Dieseltechnologie steuerlich zu benachteiligen.

Im Hinblick auf die Branche erwartet die Gemeinschaftsstudie, dass der Anteil an Elektrik/Elektronik im Kfz gemessen an den Herstellungskosten von jetzt 25 auf 40 Prozent im Jahr 2010 wachsen wird, was dann einer Verdopplung des Umsatzes der Elektronikanbieter gleichkomme. Daher plädieren CAR, PwC und VDA in den "Leipziger Thesen" für den Aufbau einer "weltweiten Fahrzeugelektronik-Kompetenz rund um den Schwerpunkt Leipzig". Diese "langfristige Strukturinvestition" benötige die Konzentration der Forschungsinstitute und ein breites Angebot sehr gut ausgebildeter Ingenieure.
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Autor(en): Thomas Jungmann
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