"Audi und BMW, DaimlerChrysler, Opel und Volkswagen verbleiben in ihrer Blockadehaltung und weigern sich weiterhin, dieselrußgefilterte Fahrzeuge anzubieten, ohne wirksame Alternativen vorzuschlagen. Der Kölner Automobilhersteller Ford bricht im Alleingang diese vom Verband der Automobilindustrie VDA koordinierte Blockadefront gegen den Dieselrußfilter auf und kündigt noch für dieses Jahr dieselrußgefilterte Fahrzeuge an." Nach einer Pressemeldung der Initiative "Kein Diesel ohne Filter" lautet so das Ergebnis ihrer Umfrage unter den deutschen Automobilherstellern, die daraufhin zur Strafe die "Rote Karte" erhielten. Als Reaktion darauf meldete sich Bernhard Mattes, Vorstandsvorsitzender der Ford-Werke AG, noch am selben Tag zu Wort und dementierte entschieden jegliche Form eines Ausreißversuchs.
Peugeot und Citroen (PSA) hingegen erhielten in ihrer Rolle als leuchtende Vorbilder die "Grüne Karte" für ihr Angebot von insgesamt sechs Modellen mit Dieselrußpartikelfilter. Für die zweite Jahreshälfte haben beide Hersteller partikelgefilterte Fahrzeuge angekündigt, die auch noch die strengen Euro-4-Grenzwerte einhalten werden. Ford kam für seine "mutige Aufkündigung des VDA-Verweigerungskartells" und Mattes' Ankündigung, die "eine oder andere Technologie zur Minderung von Dieselpartikeln in der zweiten Jahreshälfte 2003 einzuführen", unfreiwillig in den Genuss der "Gelben Karte", die beste innerdeutsche Bewertung. Auf die entsprechende Pressemeldung der Initiative "Kein Diesel ohne Filter" reagierte Mattes prompt und betonte, dass sich Ford bei dieser Thematik in voller Übereinstimmung mit der Position des VDA befinde und diese darüber hinaus unterstütze. "Ford hält sich beim Diesel alle Optionen offen", sagte Mattes. Wie alle anderen deutschen Automobilhersteller setze auch Ford hier sowohl auf innermotorische Lösungen als auch, "wo sinnvoll" auf Partikelfilter. Ford und alle anderen im VDA zusammengeschlossenen Autobauer arbeiteten mit "Hochdruck" daran, die Emissionen ihrer Fahrzeuge erheblich zu senken.
Aber exakt in diesem Punkt setzt die harsch vorgetragene Kritik der Verbände an der deutschen Automobilindustrie an. Gegenüber all4engineers wirft Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) der Autoindustrie ganz im Gegensatz zum erwähnten Hochdruck eine Hinhaltetaktik beim Partikelfilter vor, die noch schlimmer sei als bei der Einführung des Katalysators. Weiter sagte er, die deutsche Automobilindustrie werde ihrer Verantwortung gegenüber unserer Gesundheit einfach nicht gerecht. "Die Hersteller lassen viel zu viel Zeit verstreichen, ohne etwas zu tun, und zögern sogar jetzt noch, wo eine funktionierende Technologie bereits existiert", klagt Lottsiepen. "Ford kommt mit dem Filter, Toyota kommt mit dem Filter und die anderen werden nachziehen", ist er sich sicher. "Die deutsche Automobilindustrie trägt momentan ein bereits verlorenes Rückzugsgefecht aus."
Die deutsche Automobilindustrie kontert mit ihren Erfolgen innerhalb der letzten Dekade, in der es den Ingenieuren gelungen ist, die spezifische Emission von Dieselpartikeln mit Hilfe von intelligenten motorischen Maßnahmen um 93 Prozent zu reduzieren. Sie weist darauf hin, dass kleinere Dieselmotoren bereits heute Euro 4 ohne weitergehende Abgasbehandlung erfüllen. Ganz entscheidend sei hier, dass es unterschiedliche Lösungen gibt, auf welchem Weg Euro 4 erreicht werden kann. Die Hauptkritik der Industrie am Partikelfilter macht sich an der Tatsache fest, dass die derzeit mit Filter ausgerüsteten Fahrzeuge die Stickoxid-Grenzwerte der Euro 4 noch nicht erfüllen. Ferner sei es Sache der Politik, Grenzwerte wie beispielsweise in der Euro 4 fixiert vorzugeben, das Entwickeln von Verfahren zu ihrer Erfüllung sei jedoch eine reine Ingenieursdisziplin. Hier brauche man keine Bauvorschriften seitens der Politik.
In diesem einen Punkt gingen die Meinungen beider Lager sogar ein Stück weit konform. Seitens der Initiative wolle man der Industrie nicht zwingend ein einziges technisches Verfahren vorschreiben, räumt Lottsiepen ein. Indiskutabel sei jedoch aus Sicht der Verbände, dass die Automobilindustrie in einem so wichtigen Punkt, in dem es angesichts stark steigender Zahlen der Diesel-Neuzulassungen um massive Gesundheitsgefährdungen geht, ihr vorhandenes technisches Potenzial nicht voll ausschöpft. Daher kündigt "Kein Diesel ohne Filter" kämpferisch an, mit einer intensiven Kampagne im Jahr 2003 "starken Druck auf die Automobilindustrie und die Politik zur Einführung des Dieselrußfilters auszuüben".
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Autor(en):Thomas Jungmann
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