28.08.2001

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DaimlerChrysler weitet sein Spektrum von Virtual Reality aus

Seit der Gründung des Virtual Reality Competence Centers (VRCC) der DaimlerChrysler-Forschung in Ulm vor fünf Jahren ist die Virtuelle Realität wichtiger Bestandteil vieler Unternehmensbereiche des Konzerns geworden. Ingenieure, Designer und Ergonomen nutzen die VR-Techniken, um ihre tägliche Arbeit effizienter zu gestalten. Die gestiegenen Anforderungen an die weltweite Prozessintegration und die rasanten Entwicklungen der Technologie bieten mittlerweile neue Möglichkeiten und ein breiteres Einsatzspektrum. So soll VR zum einen für den Entwickler auf dem PC am Arbeitsplatz als Benutzerschnittstelle mit skalierbarem Immersionsgrad zur Verfügung stehen. Dabei muss die Immersion - das Eintauchen in die virtuelle Welt - je nach der spezifischen Aufgabenstellung gewählt werden können. In der Entwicklung können dadurch weit mehr Alternativen frühzeitig am virtuellen Prototypen erprobt und optimiert werden und die Funktionen des Produkts sind erlebbar und validierbar.

Die Ingenieure setzen den Computer nicht mehr nur zur Erzeugung virtueller Welten ein, sondern sie erweitern die natürliche Umgebung durch rechnergenerierte Zusatzinformationen. Als Kombination realer und virtueller Welten werden also Mixed Reality und Augmented Reality (erweiterte Realität) eingesetzt. Vor diesem Hintergrund hat das VRCC seine Forschungsaktivitäten auf diese Themenfelder neu ausgerichtet. Die Arbeitsumgebung und die Präsentationsräume in Ulm wurden neu ausgestattet. Eine PC-betriebene so genannte Holobench, die Holostage - eine neuartige Halbrundprojektion - und ein Mixed and Augmented Reality Labor zeigen den Stand der Technik.

Die Holobench - die virtuelle Werkbank - besteht aus einer senkrechten und einer horizontalen Fläche, die von hinten und unten durch Projektoren angestrahlt werden. Diese Holobench ist weltweit die erste, die mit Infitec-Technologie und so genannten DLP-Projektoren betrieben wird. Die Infitec-Technologie erlaubt zum Stereobild-Sehen die getrennte Ansteuerung des linken und des rechten Auges über Interferenz-Filtertechnik. DLP-Projektoren sind wesentlich lichtstärker als herkömmliche Röhrenprojektoren. Der Rechner filtert das Restlicht des Raums aus, so dass an dieser Holobench statt im abgedunkelten Raum im Prinzip bei Tageslicht gearbeitet werden kann. Die VRCC-Holobench wird nicht mit Workstations, sondern mit vier PCs betrieben. Zwei weitere arbeiten zusätzlich als Server und übernehmen außerdem Kollisionsberechnungen und das so genannte Tracking, also die Positionsbestimmung des Anwenders.

Die Vorteile der Halbrundprojektion hat das VRCC mit dem Vorteil der so genannten Cave verbunden, einem würfelartigen Raum, der aus Projektionsflächen und verschiedenen Großrechnerprojektionen besteht, bei der der Boden als Projektionsfläche mitgenutzt werden kann. In ihr konnte jedoch nur eine Person in guter Qualität 3-dimensional sehen. Zu der Halbrundprojetion wurde noch ein halbkreisförmiger Boden konstruiert. Damit entstand eine stereofähige Holostage, die vor kurzem zum Patent angemeldet wurde.

Die Zielrichtung der Ingenieure wird an einer beispielhaften Bauteilbesprechung über verschiedene Standorte hinweg deutlich: Mehrere Personen, mit einer Videobrille ausgestattet, sitzen um einen Konferenztisch, in dessen Mitte sich ein Drehteller mit einem rechnerlesbaren Symbol, einem so genannten Marker, befindet. Das virtuelle Bauteil wird nun für jeden Nutzer in der Perspektive eingeblendet, aus der er es bei realer Betrachtung sehen würde. Das 3D-Modell wird damit interaktiv sichtbar und der aktuelle Projektstand wird diskutierbar. Um diese VR-Gesprächssituation zu nutzen, müssen die Teilnehmer nicht am gleichen Ort sein. Die Besprechung kann als Telekonferenz gleichzeitig an verschiedenen Standorten stattfinden.

Neben einer Verkürzung der Entwicklungszeit erarbeiten die Forscher spezielle Anwendungen der VR-Technologie für die Produktion. So müssen beispielsweise Bewegungsabläufe eines Roboterarms nicht mehr über zeitaufwändige Koordinateneingabe aller Einzelschritte erfolgen. Stattdessen nimmt der Ingenieur den virtuellen Roboterarm in einer Halbrundprojektion mit einem Datenhandschuh "an die Hand" und legt den Bewegungsablauf manuell fest. Die Berechnung der Bewegungskoordinaten erfolgt dabei automatisch.

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Autor(en): Thomas Jungmann
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