17.07.2001

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ZF legt einen Gang zu

In knapp vier Jahren entwickelte die ZF Friedrichshafen AG das weltweit erste 6-Gang-Stufenautomatgetriebe für Pkw bis zur Serienreife. Solche Stufenautomaten eignen sich nach Ansicht von Experten im Vergleich zu den zahlreichen neuen Konzepten, die die Getriebetechnik in jüngster Vergangenheit hervorgebracht hat, ohne Kompromisse zur Übertragung hoher Drehmomente. Und "das neu entwickelte 6-Gang-Stufenautomatgetriebe wird Standards in der Pkw-Antriebstechnik setzen", verkündet der Hersteller vollmundig. Denn das Produkt sei nicht nur leistungsfähiger als herkömmliche 5-Gang-Automatgetriebe, sondern auch leichter, kompakter und sparsamer. Das neue Getriebekonzept der ZF-Ingenieure, das auf der Grundlage des Lepelletier-Radsatzes basiert, kombiniert mit Verbesserungen in der Fertigung und bei der Mechatronik, der Steuerungselektronik des Getriebes, macht diese Vorzüge möglich. Der 6-Gang-Stufenautomat wird in der BMW 7er-Serie Premiere feiern. In der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Automotive Engineering Partners" ist ein ausführlicher Beitrag zu diesem Thema geplant.

"Das 6-Gang-Stufenautomatgetriebe hat wesentlich mehr zu bieten als einen zusätzlichen Gang", lobt Dr. Michael Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der ZF Getriebe GmbH, Saarbrücken, sein Vorzeigeprodukt. "Es ist eine völlig neue Getriebegeneration, die auch die Fahreigenschaften des Autos spürbar positiv verändern wird. Dies reicht von der Kraftstoff- und Gewichtseinsparung bei verbesserter Leistung bis hin zu einer sehr innovativen Mechatronik, E-Schaltung und Stand-by-Control." Bei Tests, die den Alltagsbetrieb simulierten, lagen die Kraftstoff-Einsparungen nach ZF-Angaben trotz gestiegener Fahrleistung zwischen fünf und sieben Prozent. Neben dem sechsten gang sind unter anderem ein speziell entwickeltes niederviskoses Öl sowie die Standabkopplung für günstige Verbrauchswerte verantwortlich.

Das neue Getriebe ist für Eingangsdrehmomente bis 600 Nm ausgelegt, eignet sich folglich für den Antrieb von Automobilen mit leistungsstarken Motoren mit acht bis zwölf Zylindern. Die Übersetzungsspreizung wurde so gewählt, dass in der "langen" Übersetzung des sechsten Gangs auch hohe Geschwindigkeiten bei relativ niedrigen Drehzahlen möglich sind. Mit dem neuen Radsatz-Konzept, dem Herzstück des ZF-6-Gang-Automatgetriebes, können die sechs Gänge mit deutlich weniger Bauteilen realisiert werden als die 5-Gang-Ausführung. Im Vergleich zur 5-Gang-Version, die bisher drei Radsätze und sechs Kupplungselemente voraussetzte, kommen die sechs Gänge nun mit einem einfachen und einem Ravigneaux-Radsatz und sieben Kupplungselementen aus. Dadurch gelang es den Ingenieuren circa 11 kg einzusparen. Dass die Ölwanne und der Grundkörper der Mechatronik aus Kunststoff gefertigt sind, spart zudem Gewicht.

Die Steuerung des neuen 6-Gang-Automatgetriebes übernimmt das Mechatronik-Modul, eine Kombination aus hydraulischem Schaltgerät und Elektronikbaustein. Die Abstimmung aller Schaltvorgänge lässt sich mit seiner Hilfe noch exakter vornehmen. Dabei gibt die Schaltelektronik nicht nur Signale ab, sondern erhält auch Daten über die jeweilige Fahrsituation, wie beispielsweise den Getriebezustand, den Fahrwiderstand in Abhängigkeit von Gewicht und Steigung sowie das Fahrerverhalten. Die elektronische Steuerung des 6HP26 ermöglicht ferner eine so genannte "Stand-by-Control" (SBC) oder Standabkopplung: Die Elektronik steuert die Eingangskupplung im Getriebe so, dass der Motor bei stehendem Fahrzeug trotz eingelegter Fahrposition vom übrigen Antriebsstrang abgekoppelt wird. Mittelfristig will ZF eine komplette 6-Gang-Baureihe anbieten und ihren Einsatzbereich auf die Mittelklasse und allradgetriebene Fahrzeuge ausdehnen. So soll nach einem Pressebericht Anfang 2002 auch der Jaguar S-Type die 6-Gang-Automatik von ZF erhalten.



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Autor(en): Thomas Jungmann
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