02.09.2005

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APIA - auf dem Weg zum Unfall vermeidenden Auto

Mit dem Aktiv-Passiv-Integrations-Ansatz (APIA) von Continental Automotive Systems ist das Auto, das Unfälle sowie dadurch bedingte Verletzungen wirkungsvoll vermeidet oder mildert, nach Angaben des Zulieferers bald keine Vision mehr. Der Grundgedanke dabei ist, unfallträchtige Situationen durch Überwachung des Fahrzeugumfeldes frühzeitig zu erkennen und ihre Eskalation durch gestufte Assistenz- und präventive Schutzmaßnahmen zu verhindern. Neben der Anwendung für Folgeverkehrsszenarien, die laut Continental bereits vor der Serienreife steht, befinde sich die nächste Anwendung für Spurwechselszenarien derzeit am Ende der Vorentwicklung.

In der ersten Anwendung schützt APIA mit Hilfe spezieller Abstandssensoren bei Gefahren, die vor dem eigenen Auto entstehen. Dieselben Sensoren können je nach Konfiguration auch für weitere Funktionen wie den Abstandsregeltempomaten ACC (Adaptive Cruise Control) genutzt werden. Auf der diesjährigen IAA in Frankfurt sollen Prototypen nun das für Gefahren beim Fahrspurwechsel erweiterte APIA-Schutzpotenzial zeigen. Das Herzstück des Continental-Ansatzes ist der so genannte Gefahrenrechner. Aus den Daten aller an Bord befindlichen Sicherheitssysteme und der spezifischen Umfeldsensorik soll der Rechner ein Gefahrenpotenzial ermitteln, das die momentane Unfallwahrscheinlichkeit widerspiegelt. Sobald das Gefahrenpotenzial definierte Schwellen überschreitet, leitet der Rechner abgestufte Schutzmaßnahmen ein.

Droht beispielsweise ein Auffahrunfall, bekommt der Fahrer eine optische oder haptische Warnung. Bei wachsendem Gefahrenpotenzial folgen das Vorfüllen der Bremsanlage, das leichte Straffen der Gurte sowie das Schließen von Seitenscheiben und Schiebedach. Stellt der Rechner eine weiter ansteigende Gefahr fest und schließt APIA aus der Art, wie schnell der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt, auf eine Notsituation, leitet der Gefahrenrechner eine Bremsung mit bis zu 0,3 g ein, aktiviert die reversiblen Gurtstraffer und bringt elektrisch einstellbare Sitze und Kopfstützen in eine optimale Position. Beginnt der Fahrer jetzt zu bremsen, unterstützt ihn der Bremsassistent, indem er die maximale Fußkraftverstärkung einstellt. Gleichzeitig werden die Gurtstraffer mit maximaler Kraft aktiviert. Kommt es dennoch zu einem Unfall, löst der Rechner die adaptiven Frontairbags aus.

"Im Rahmen unserer Arbeiten am APIA haben wir neueste Kamera-Technologien und leistungsfähige Rechner kombiniert. Damit überwachen wir nicht nur den Verkehr vor dem Fahrzeug, sondern auch den rück- und seitwärtigen Verkehr", erklärt Dr. Peter Rieth, Leiter Zukunftsentwicklung bei Continental Automotive Systems. Bei den Prototypen des APIA für Spurwechselszenarien sind in den Außenspiegeln Kameras untergebracht, die den Verkehrsraum nach hinten und zur Seite überwachen. Während heutige Systeme lediglich 25 Bilder pro Sekunde liefern und eine Mindesthelligkeit von 1,0 Lux brauchen, liefern die hier eingesetzten Kameras laut Rieth 45 Bilder pro Sekunde – und das schon bei 0,1 Lux. Und entsprechend schnelle Prozessoren werten dann diese Daten aus.

Taucht etwa ein von hinten nahendes Auto in den für den Fahrspurwechsel kritischen Bereich ein, werden rote, im Bereich der Spiegelblickrichtung platzierte Leuchtdioden aktiviert. Der kritische Bereich definiert sich über die dem heran nahenden Fahrzeug abverlangte Bremsverzögerung. Sollte der Fahrer trotz optischer Warnung den Blinker setzen, erfolgt eine zusätzliche akustische Warnung. Versucht der Fahrer aus welchen Gründen auch immer dennoch aus der sicheren Fahrspur auszuscheren, erhöht APIA für Spurwechselszenarien den Lenkkraftaufwand. Behält der Fahrer den "Kollisionskurs" unbeirrt bei, aktiviert APIA die Gurtstraffer, schließt erst offene Seitenfenster und das Schiebedach und bringt Sitze und Kopfstützen in eine Position, in der die Sicherheitsgurte und Airbags ihre optimale Schutzwirkung entfalten können.
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Autor(en): Thomas Jungmann
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