14.06.2007

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"Auto der Zukunft wird fühlen, sehen, kommunizieren und adaptieren"

Der kurzen Phase vor einer möglichen Kollision schenken Sicherheits-Ingenieure bei Mercedes-Benz zunehmend Beachtung. Als Bindeglied zwischen bereits funktionierenden aktiven und passiven Systemen kann sie genutzt werden, um für Insassen und Fahrzeug die Unfallfolgen weiter zu vermindern. Die bei Mercedes unter dem Begriff "Pre-Safe" bekannten Schutzmaßnahmen, bei denen unter anderem Gurte vorgespannt oder Scheiben automatisch geschlossen werden, will der Automobil-Hersteller deshalb weiter optimieren. Um Einblicke in Forschungs- und Entwicklungsziele der Fahrzeugsicherheit zu geben, luden die Stuttgarter zum TecDay am 12. Juni nach Friedrichshafen. Wie es dort hieß, soll Pre-Safe künftig eine vorausschauende Crash-Analyse liefern.

Diese "virtuelle Knautschzone", wie es der Leiter Entwicklung Pkw - Sicherheit/Fahrzeugfunktionen, Dr. Rodolfo Schöneburg, formulierte, ermögliche es zu wissen, welche Art von Unfall drohe oder aus welcher Richtung und mit welcher Geschwindigkeit ein anderes Fahrzeug aufprallen werde. Die in der CL- und S-Klasse verwendete Radarsensorik könnte in einigen Jahren gemeinsam mit installierten Kameras Objekte erkennen, das Größenverhältnis entgegenkommender Fahrzeuge feststellen und deren Gewicht aufgrund gespeicherter Erfahrungswerte ermitteln. Nach der dann berechneten Aufprallschwere ließen sich die passiven Systeme an die Insassen angepasst auslösen.

Sind in ferner Zukunft nahezu alle Automobile "auf Empfang", ließe sich mit der Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation das Sicherheitsniveau weiter steigern, sind die Entwickler bei Mercedes-Benz überzeugt. Beim "Datenaustausch in letzter Sekunde" übermitteln die Kollisionspartner über Funk Fahrzeugart, Masse, Steifigkeit und Geometrie, um eine noch bedarfsgerechtere Aktivierung der Insassenschutzsysteme zu ermöglichen. Diese adaptiven Systeme passen sich an Größe, Gewicht, Geschlecht, Alter und andere Parameter der Insassen an und könnten zum Beispiel vor dem Start über den Bordcomputer von den Passagieren programmiert werden. Auf Basis dieser Daten würden dann unter anderem Auf- und Abblasverhalten der Airbags, die Kraft der Gurtstraffer oder die Position der Lenksäule individuell eingestellt. "Das Auto der Zukunft wird fühlen, sehen, kommunizieren und adaptieren", fasste Schöneburg die weitere Entwicklung zusammen.

Um dem unfallfreien Fahren näher zu kommen, forschen und entwickeln die Stuttgarter in der aktiven Sicherheit weiter. Verspätete oder nicht angepasste Reaktionen des Fahrers sollen erkannt und korrigiert und so Kollisionen vermieden werden. Während der normale Bremsassistent bereits in vielen Fahrzeugen installiert und wirksam ist, hat Mercedes-Benz den radarunterstützten Bremsassistent Plus für die CL- und S-Klasse entwickelt, bei dem Nah- und Fernbereichssensoren das Verkehrsgeschehen vor dem Auto permanent erfassen. Bei zu geringem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug leuchtet zunächst ein rotes Warnsignal auf. Bremst der Vordermann plötzlich, ertönt zusätzlich ein akustisches Signal. In dieser Phase wird bereits automatisch der Bremsdruck ermittelt, der in dieser Fahrsituation zur Unfallvermeidung notwendig ist. Das System stellt zeitgleich den benötigten Bremsdruck bereit, selbst wenn der Fahrer zur Vollbremsung nicht kräftig genug auf das Pedal drückt.

Untersuchungen im Fahrsimulator der Stuttgarter haben ergeben, dass der Bremsassistent Plus die Unfallquote in typischen Situationen mit Gefahr einer Auffahrkollision von 44 auf 11 Prozent vermindert. Nach den Worten des Leiters Entwicklung Pkw - Aktive Sicherheit, Dr. Jörg Breuer, hat der Bremsassistent nachweislich zu weniger Fußgängerunfällen geführt. Der Bremsassistent Plus werde in Verbindung mit der neuen Pre-Safe-Bremse noch wirksamer sein. Diese bremst den Wagen bei akuter Unfallgefahr zunächst mit 0,4 g Verzögerung selbsttätig ab, was rund 40 Prozent der maximalen Bremsleistung entspricht. Mit dieser Teilbremsung soll der abgelenkte oder unaufmerksame Fahrer auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden, um noch richtig reagieren zu können. Tut er das nicht, wird die Notbremsung ausgelöst.
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Autor(en): Ulrich Knorra
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