28.02.2008

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"Potenziale zur Unfallvermeidung noch nicht ausgeschöpft"

Die regelmäßige Kfz-Untersuchung trägt wesentlich dazu bei, dass die Unfallursache "Technische Mängel und Wartungsmängel" in Deutschland vergleichsweise selten ist. Dies sagte Ende Februar der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Klaus W. Lippold, beim 3. Sachverständigentag in Berlin, zu den Tüv und Dekra rund 500 Teilnehmer aus Wissenschaft, Industrie und Politik eingeladen hatten. Doch nicht nur die im Fahrzeug integrierte Technik habe für die Verkehrssicherheit eine große Bedeutung, sondern auch Systeme außerhalb, wie Verkehrstelematik oder -information. Würde moderne Sicherheitstechnik bei Fahrzeugen flächendeckend zum Einsatz kommen, könne nach Ansicht der Experten die Zahl der Verkehrstoten in Europa nachhaltig gesenkt werden.

Besonders ältere Fahrzeuge hat Klaus Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Dekra e.V. und der Dekra AG, als Gefahrenquelle ausgemacht. "Mit einem sieben bis neun Jahre alten Personenwagen hat der Fahrer ein dreimal so hohes Gefährdungspotenzial wie mit einem bis zu drei Jahre alten Auto", sagte er. Die Mängelquote bei elfjährigen Unfallfahrzeugen erhöhe sich gegenüber einem dreijährigen Auto gar auf das Vierfache. Seine entsprechende Forderung, die Prüffristen für Fahrzeuge vom achten Jahr an von zwei auf ein Jahr zu verkürzen, begründete er auch mit der abnehmenden Wartungsmoral der Besitzer. So hätten 2005 insgesamt 31 Prozent der Fahrzeughalter völlig darauf verzichtet, an ihrem Auto Wartungsarbeiten vornehmen zu lassen. 2003 seien es 26 Prozent gewesen.

Besonders wiesen die Verkehrsexperten auf die steigenden Unfallzahlen jugendlicher Fahranfänger in Deutschland hin. Nach einer Hochrechnung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ist die Zahl der tödlichen Unfälle bei Jugendlichen 2007 gegen den Gesamttrend um drei Prozent gestiegen. Deswegen sei auch eine Optimierung von Ausbildung und Prüfung der Fahrschüler notwendig. Dass ältere Fahrzeuge bevorzugt von Autofahrern der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen genutzt werden, hat die Dekra Verkehrssicherheitsaktion SafetyCheck gezeigt, an der sich im vergangenen Jahr 14.000 junge Menschen mit ihren Fahrzeugen beteiligten. 77 Prozent der überprüften Autos waren demnach acht Jahre alt und älter.

"Weder bei der heute möglichen Fahrzeugtechnik, noch bei der Ausbildung junger Fahrer werden momentan alle Potenziale zur Unfallvermeidung ausgeschöpft", bilanzierte Dr. Guido Rettig, Vorsitzender des Verbandes der Tüv e.V.. Gerade junge Fahrer seien besonders gefährdet, weil sie sich häufig mit fehlender Praxis an das Steuer technisch mangelhafter Fahrzeuge setzten. "Die fatalen Auswirkungen dieser brisanten Mischung können wir an der Unfallstatistik ablesen." Rettig forderte daher eine zügige Ausstattung aller Fahrzeuge mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm ESP. "Wenn wir die Forderung nach einer sicheren und nachhaltigen Mobilität und die Verpflichtungen der EU-Charta 2010 ernsthaft umsetzen wollen, so müssen wir alle Ressourcen ausschöpfen", sagte Klaus Schmidt. Dazu gehöre auch, als Reparaturkontrolle den Nachweis für eine fachgerechte Instandsetzung nach einem schweren Unfall einzuführen und im Rahmen der Hauptuntersuchungen auch im europäischen Ausland die elektronischen Systeme mit zu prüfen.
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Autor(en): Ulrich Knorra
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