06.03.2008

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Genfer Salon: Kompakte Geländewagen boomen

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Auffällig viele Automobilhersteller präsentieren auf dem heute eröffneten Genfer Salon kompakte Geländefahrzeuge. Der neue Volvo XC 60, der Renault Koleos und die Saab-Studie 9-4X BioPower zielen auf eines der wenigen Marktsegmente, das in Europa signifikant wächst.

Der Markt für kompakte SUVs (Sport Utility Vehicles) wächst überproportional: Allein in den fünf größten europäischen Märkten haben sich die Verkäufe in den letzten fünf Jahren von 222.500 auf 522.000 Einheiten mehr als verdoppelt. Nach Einschätzung von Rolf Klein, Redakteur der Zeitschrift Auto Bild allrad, tragen den Zuwachs vor allem ältere Kunden, die eine aufrechte Sitzposition bevorzugen. Die Allradtechnik selbst sei zunehmend weniger relevant.

Auch wenn Überkapazitäten drohen, kann sich kein Hersteller leisten, in so einem Segment nicht vertreten zu sein. "Wir wollen nicht, dass unsere Kunden fremd gehen müssen, weil wir kein entsprechendes Modell anbieten", argumentiert Reinhard Zirpel, Kommunikationschef der Deutschen Renault AG. So hat Renault auf einer Nissan-Allradplattform den Koleos entwickelt, den Zirpel als Crossover bezeichnet, weil er typische Van-Merkmale wie einen hochvariablen Innenraum aufweist. Konsequenterweise wird das Fahrzeug auch nicht ausschließlich mit Allradantrieb angeboten - Kunden können ihn auch als reinen Fronttriebler ordern.

Bei der hohen Konkurrenz in diesem Nischensegment sind Kompakt-SUVs nach Meinung Zirpels nur wirtschaftlich herzustellen, wenn markenübergreifende Plattformen genutzt und viele Gleichteile mit den Pkw-Modellen zum Einsatz kommen. Genau dies ist in der Kooperation zwischen Renault, Nissan und Samsung angelegt. Gefertigt wird der Koleos - wie das Nissan-Schwestermodell - in einem Samsung-Werk im koreanischen Busan.

Auch Volvo setzt beim XC 60 auf Gleichteile, will sich im Premiumbereich des Marktes aber vor allem durch neue Sicherheitsstandards abheben. "Der sicherste Volvo, den wir je gebaut haben", nennt ihn Fredrik Arp, Präsident und CEO des schwedischen Herstellers. Technisch innovativ ist vor allem "City Safety", ein Notbremssystem, das Unfälle bei niedriger Geschwindigkeit bis 30 km/h vermeiden helfen soll.

Bei "City Safety" kommt erstmals in einem Serienfahrzeug ein Lasersystem zur Umfelderkennung zum Einsatz. Erkannt werden Objekte bis zu einer Entfernung von zehn Metern. Mit einer Frequenz von 50 Hz wird die benötigte Verzögerung errechnet, die nötig wäre, um einen Aufprall zu verhindern. Wird ein definierter Grenzwert überschritten, ohne dass eine Reaktion des Fahrers erfolgt, reduziert das System die Motorleistung und aktiviert die Bremse. Ist das Fahrzeug langsamer als 15 km/h kann der Aufprall in der Regel völlig vermieden werden.

Da das System die erwartete Aufprallgeschwindigkeit kennt, wird es mit der Steuerung der Gurtstraffer und -kraftbegrenzer gekoppelt, um die Belastung für die Insassen zu minimieren. Ein weiteres Sicherheitsmerkmal - für dieses Marktsegment durchaus relevant - ist die Anhängerstabilitätskontrolle: eine Erweiterung des ESP, die darauf ausgelegt ist, mögliches Aufschaukeln eines Gespannes zu verhindern.

Während Renault und Volvo ihre Fahrzeuge bereits in wenigen Monaten auf dem Markt haben werden, dauert es noch bis Mitte 2009, bis Saab den 9-4X serienreif hat. Daher wird das in Genf ausgestellte Fahrzeug auch als Studie bezeichnet, wenn auch die Optik schon relativ nah an der Serienversion sein dürfte. Beim Allradsystem setzt der 9-4X auf das Allradsystem mit variabler Momentverteilung zwischen den einzelnen Rädern, wie es derzeit im 9-3 eingeführt wird (siehe ATZonline vom 15. Februar 2008). Der in der Studie eingebaute 2,0-l-Ottomotor mit Turboaufladung ist auf den Betrieb mit E85 ausgelegt - einem Kraftstoff mit 85 Prozent Bioethanolanteil.

Toyota als Begründer des Marktsegmentes will seinen Vorsprung nutzen und stellt mit dem Urban Cruiser einen SUV unterhalb des RAV4 vor. Noch eine Studie, soll das 3,93 Meter lange Fahrzeug 2009 in Serie gehen und dann selbst mit Allradantrieb eine CO2-Emission von weniger als 140 Gramm pro Kilometer bieten. Nähere Details zum Antriebskonzept nannte Toyota noch nicht.

Bis zu diesem Zeitpunkt werden noch weitere Wettbewerber hinzukommen. Audis Q5 und der Mercedes GLK greifen dieses Jahr die bisherige Alleinstellung des X3 im Premiumbereich an. Der Q5 war das Auto, das in Genf am meisten vermisst wurde. Da die Markteinführung bereits für den Sommer geplant ist, spekuliert die Branche nun: Findet die Weltpremiere zur Bejing Auto Show Ende April statt?
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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