09.04.2008

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Daimler entwickelt Kreuzungsassistenten mit Hilfe der Unfallforschung

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Daimler will das Unfallrisiko in Kreuzungsbereichen mit Hilfe eines neuen Kreuzungsassistenzsystems reduzieren. Dazu fahnden Forscherteams des Stuttgarter Automobilherstellers im Rahmen eines Projekts zur Unfallanalyse nach den menschlichen Ursachen für bestimmte Unfalltypen und prüfen, inwiefern Assistenzsysteme diese Karambolagen vermeiden oder mildern können. Eine der beteiligten Forschungsabteilungen untersucht dazu am Daimler-Standort Böblingen mit messbarer Ergonomie und Wahrnehmungsforschung den Faktor Mensch.

So simuliert das Human-Factors-Team von Peter Frank Unfallvorgänge, um die Reaktionen der Unfallkandidaten in der kritischen Situation sowie Aktionen, die den Aufprall hätten vermeiden oder mildern können, zu bewerten. Daten für laut Daimler "typische" Unfallsituationen erhalten die Forscher aus dem Gidas-Projekt (German In-Depth Accident Study), eine Unfalldatenerhebung für Dresden und den Großraum Hannover, bei der pro Jahr rund 2.000 Unfälle untersucht werden. Dazu dokumentieren Teams der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden am Unfallort die Spuren, Rekonstruieren das Geschehen und geben pro Fall bis zu 5.000 Einzelinformationen in eine Datenbank ein.

Im Simulatorfahrzeug beobachten Minikameras dann den Fußraum, die Haltung und das Gesicht des Testfahrers. Ein spezielles Blickerfassungssystem dokumentiert Kopf- und Augenbewegungen und wertet sie in Echtzeit aus. Damit wollen die Wissenschaftler laut Helmut Schittenhelm, Mitarbeiter der Forschungsabteilung Assistenz- und Sicherheitssysteme, den "sechsten Sinn" des Fahrers erfassen: "Aufmerksame Autofahrer achten unbewusst auf Nebensächlichkeiten. Wie ein andere Fahrer möglicherweise reagiert, ob er telefoniert und vielleicht abgelenkt ist."

Zusätzlich zeichnen Sensoren auf, wie lang jeweils die Reaktionszeiten sind, mit welchem Druck die Fahrer bremsen und ob beziehungsweise mit welchen Lenkeinschlägen Ausweichmanöver versucht werden. Im Anschluss findet eine Probenbefragung statt. Ziel ist es zu klären, was die Unfallfahrer selbst in diesen Situationen falsch machen. Deswegen will Frank mit seinem Team Fragen klären wie: "Wo schauen die Unfallfahrer hin, wenn sie die Gefahr erkennen? Wie viel Zeit brauchen sie, um die Situation zu bewerten, wie und in welcher Zeit reagieren sie? Und könnten vielleicht spezialisierte Assistenzsysteme einen Crash verhindern?"

Einige navigations- und informationssystemgestützte Warnsysteme haben es nach Angaben der Daimlerforschung bereits in die reale Erprobung geschafft. Dennoch stehen die Entwickler vor dem Problem, dass die Zeitspanne zwischen Sichtkontakt zum potenziellen Unfallfahrzeug und dem Crash bei etwa ein bis zwei Sekunden liegt. Um durch ein Assistenzsystem genügen Reaktionszeit zu gewinnen, müssen die Erkennungssensoren einerseits möglichst frühzeitig ansprechen, andererseits dürfen sie aber keine Fehlalarme geben. "Wir würden ja genau das Gegenteil erreichen, wenn das System zu oft unnötig warnt - der Fahrer würde die Hinweise bald nicht mehr ernst nehmen oder gleich abschalten", erklärt Frank.

Definitiv wird die Forschungsarbeit laut Daimler nicht zu einem einzelnen Kreuzungsassistenten führen, sondern mehrere Systeme hervorbringen, die alle kamerabasiert sind. Einzelne Systeme aus diesem Forschungsprojekt können dann in mehreren Jahren zur serienreife weiterentwickelt werden und je nach technischer Voraussetzung im Automobil integriert werden.
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Autor(en): Caterina Schröder
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