19.06.2008

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Das vernetzte Automobil als Antwort auf wachsende Verkehrsdichte

Der Münchner Kreis hat auf seinem Kongress "Das vernetzte Automobil" in München mit Vertretern aus der Automobilbranche sowie aus Verbänden, Politik und Wissenschaft über die Rolle der Informationstechnik im Autoverkehr diskutiert. Neben dem Thema Sicherheit standen vor allem die Folgen der wachsenden Verkehrsdichte und zunehmenden Fahrzeugbestände im Fokus der Vorträge.

Hintergrund der Diskussionen waren vor allem zwei Studien: laut der vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen Studie "Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025" wird der Straßengüterfernverkehr bis zum Jahr 2025 um 84 Prozent zunehmen. Und nach einer Untersuchung von der Boston Consulting Group wird der Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis 2015 weltweit um 25 Prozent wachsen. Die volkswirtschaftlichen Kosten für Verkehrsstaus werden von der Bundesregierung in Anlehnung an die EU-Kommission auf 17,4 Milliarden Euro veranschlagt.

Dr. Siegfried Meuresch (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) vertraut bei der Bewältigung des erwarteten Verkehrswachstums in die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und hofft gleichzeitig, durch den IKT-Einsatz auch Klima und Umwelt schonen zu können. Experten aus der Industrie sehen allerdings für den wirksamen Einsatz der Informationstechnologie noch zu wenige Vorraussetzungen gegeben.

So erläuterte Prof. Dr. Bharat Balasubramanian (Daimler), dass zunächst ein "telematischer Horizont" geschaffen werden müsste, um das technische Kommunikationspotenzial für die Stauvermeidung und Verkehrssicherheit erschließen zu können. Dabei soll dieser Horizont eine Vorausschau von verkehrsrelevanten Ereignissen ermöglichen, die der Fahrer allein nicht wahrnehmen könne. Die Anforderungen von Sicherheitsanwendungen im Nahbereich könnten dagegen nur durch die DSRC (Dedicated Short Range Communication) erreicht werden. Dazu gehörten die Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation und die Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation. Hier gibt es allerdings laut Balasubramanian noch einige offene Fragen, die neben technischen Erfordernissen die Analyse der Wirksamkeit und des Nutzens sowie den Aufbau einer hinreichenden Datenbasis betreffen. Peter Stolte (T-Systems) sieht auch Probleme in der gegebenen Netzwerk-Infrastruktur und fordert den Ausbau der Funk- und Datennetze sowie die weitere Entwicklung intelligenter Systeme für das Management optimaler Verbindungen.

Probleme, die direkt in der Automobilentwicklung angesiedelt sind, beschreiben Dr. Ralf G. Herrtwich (Daimler) und Tibor Farkas (Fraunhofer Institut Fokus). Während Herrtwich bemängelt, dass die Automobilindustrie mit der Komplexität der im Fahrzeug eingesetzten Elektroniksysteme noch nicht Schritt halten könne, verweist Farkas darauf, dass die klassischen Methoden der Softwareentwicklung den steigenden Ansprüchen an die Steuergeräte im Automobil nicht mehr gerecht würden. Er fordert daher zum einen neue Standards, wie Autosar (AUTomotive Open System Architecture) oder ISO/IEC 26262, für Softwarearchitekturen und zum anderen die strengere Umsetzung von integrierten Automatismen zur Qualitätsprüfung sowie werkzeugunabhängigen Formulierungen von Richtlinien zur Normenprüfung.

Prof. Dr. Christoph Stiller von der Universität Karlsruhe sieht den Einsatz eines selbständig "denkenden" und handelnden Automobils in 20 bis 30 Jahren als realistisch an. Dann soll das autonome Fahrzeug durch maschinelle Inferenz mit Hilfe von Video- und Lidar-Sensoren (light detection and ranging - einer laserbasierten Messmethode) selbst in komplexen Verkehrssituationen sinnvolle Entscheidungen über das notwendige Verhalten treffen können.

Dr. Manuel Simas (Microsoft) zeichnet mit dem Konzept der "Intelligent City", das eine laufende Kommunikation des Fahrers mit der aktuellen Verkehrsinfrastruktur gewährleisten soll ("car-to-infrastructure"), sogar ein konkretes Zukunftsbild. Darin ist das Automobil der Zukunft ein wandelnder PC, der in Kommunikation mit seinem Fahrer und seiner Umgebung zahlreiche Navigations- und Überwachungsdienste liefert, wie optimale Wege und örtliche Dienste sowie Fahrzeugfunktionen, Ferndiagnostik und Fahrerwarnung.

Die Folgen der zunehmenden Informations- und Kommunikationstechnologien im Automobil sind dagegen heute schon sichtbar: So stützen sich nach Angaben des ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) 80 Prozent aller Innovationen im Automobilbau auf Elektrotechnik und Elektronik. Und laut Arthur D. Little wird sich der Kostenanteil der Fahrzeugelektronik bis 2010 im Durchschnitt auf 35 Prozent belaufen, wovon die Hälfte auf den Bereich Unterhaltung und Information ("Infotainment") entfallen wird. Zudem wächst laut Tibor Farkas der benötigte Speicherplatz, so dass für die kommenden Fahrzeuggenerationen muss mit elektronischer Software in Größenordnungen von einem Gigabyte gerechnet werden.
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Autor(en): Caterina Schröder
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