08.08.2008

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Ernst & Young: Automobilzulieferer vor Fusionswelle

Laut einer Studie zur Zukunft des Automobilstandorts Deutschland 2008 des das Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young erzwingen die hohen Rohstoff- und Energiepreise eine technologische Neuorientierung der Automobilbranche, der nicht alle deutschen Zulieferer gewachsen sein werden. So gaben 87 Prozent der 150 befragten deutschen Automobilzulieferer an. dass die Thematik um die hohen Rohstoffpreise sie derzeit besonders stark beschäftige. Betroffen seien vor allem kleinere Zulieferer, bei denen die Materialkosten einen hohen Anteil an den Gesamtkosten haben.

Gleichzeitig verliert die weltweite Automobilkonjunktur laut Ernst & Young an Fahrt, mit negativen Folgen für die Umsätze der Zulieferer. "Die Perspektiven für die Automobilindustrie haben sich in den vergangenen Monaten erheblich eingetrübt", stellt Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young und Autor der Studie, fest. Hinzu komme, dass die Automobilbranche durch die Klimadebatte in alternative Kraftstoffe und neue Antriebstechnologien investieren muss. "Vor uns liegt so etwas wie eine Revolution im Automobilbau", stellt Fuß fest. "Viele Zulieferer müssen sich jetzt neu ausrichten und erhebliche Investitionen tätigen. Ein 'Weiter so' wird es nicht geben."

Die Fahrzeughersteller werden laut Ernst & Young neue Anforderungen an die Technologiekompetenz und die Investitionsbereitschaft der Zulieferer stellen. Somit müssten die Zuliefererunternehmen bei tendenziell sinkender Marge genug Finanzkraft aufbringen, um aus eigener Kraft oder durch Kooperationen und Zukäufe die Zukunftstechnologien anbieten zu können, die über ihren zukünftigen Markterfolg entscheiden werden. "Den Unternehmen, die jetzt den Anschluss verpassen, weil sie die enormen Innovationskosten nicht schultern können, wird schnell das Aus drohen", prognostiziert Fuß.

Die Studie zeigt zudem: Gewinner des sich abzeichnenden Ausleseprozesses werden finanziell gut aufgestellte Unternehmen mit attraktivem Produktportfolio sein, die langfristig planen und so rechtzeitig die Weichen stellen können, um die vor ihnen liegenden Aufgaben zu bewältigen. Unternehmen hingegen, die eine geringe Eigenkapitalausstattung und eine ungünstige Finanzierungsstruktur aufweisen, kaum globalisiert sind oder sich nicht durch ein besonderes Produktportfolio auszeichnen, werden erheblich unter Druck geraten.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Zulieferer werden nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vom den kostenbedingten Aufbau von Produktionskapazitäten im Ausland abkommen. Während laut Studie vor zwei Jahren noch jeder zweite deutsche Zulieferer plante, im Ausland Produktionskapazitäten aufzubauen, hat bei der aktuellen Umfrage nur noch jedes vierte Unternehmen entsprechende Pläne angegeben.

"Die steigenden Energiepreise machen eine Produktion im Ausland - sofern sie in erster Linie das Ziel verfolgt, den westeuropäischen Markt zu beliefern - zunehmend unattraktiv, da die Logistikkosten sowie Probleme bei Qualität und Flexibilität einen erheblichen Teil der Kosteneinsparung wieder auffressen", beobachtet Fuß. Zudem sei der Kostenvorteil Osteuropas ist in den vergangenen Jahren durch steigende Arbeitskosten in Osteuropa bei einer gleichzeitig zurückhaltenden Entwicklung in Deutschland gesunken. Dennoch würden 15 Prozent aller Zulieferer Investitionen in Osteuropa - in Pole, der Slowakei und vor allem in Russland- planen. "Sieben Prozent der Unternehmen haben vor, in Russland tätig zu werden - 2006 lag der Anteil nur bei zwei Prozent. China und Indien sind ebenfalls im Visier der deutschen Zulieferer: Sieben beziehungsweise fünf Prozent der Unternehmen planen den Aufbau von Produktionsstätten in diesen Ländern." Dabei handele es sich jedoch meist und zusätzliche Kapazitäten.

Mit ein Grund für die Investitionen ins Ausland kann die nach wie vor anhaltende Internationalisierungsdynamik auf Seiten der Automobilhersteller sein. So investieren laut Fuß derzeit zahlreiche Hersteller in neue Auslandsstandorte beziehungsweise planen derartige Investitionen. "Die Zulieferer werden natürlich den Herstellern folgen, wenn das von ihnen gefordert wird", so Fuß. Fest stehe aber, dass solch ein Aufbau zusätzlicher Auslandsstandorte heute sorgfältiger und mit größerer Zurückhaltung geprüft werde, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen sei.
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Autor(en): Caterina Schröder
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