11.08.2008

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Hydraulischer Hybridantrieb kann bei Nutzfahrzeugen den Verbrauch um 25 Prozent senken

Technische Ideen müssen oft lange warten, bis ihre Zeit gekommen ist. So hat die Bosch-Tochter Rexroth mit dem Hydrostatisch Regenerativen Bremssystem (HRB) ein in den 80er Jahren noch als unwirtschaftlich verworfenes System wiederbelebt, mit dem sich die Bremsenergie speichern und für den nächsten Anfahrvorgang nutzen lässt. Das Unternehmen greift dabei auf bestehende Komponenten zurück, ohne dass ein Teil neu entwickelt werden musste. Besonders für Müllfahrzeuge und Linienbusse mit ihren zahlreichen Anfahr- und Abbremsvorgängen sei die Unterstützung des Dieselmotors geeignet, um bis zu 25 Prozent Kraftstoff einzusparen, hieß es am 7. August im Bosch-Werk Homburg. Dort dient ein Iveco Euro Cargo als Versuchsträger. Auf der kommenden IAA Nutzfahrzeuge wird der Prototyp, ein Müllfahrzeug auf Basis eines Mercedes Actros vorgestellt.

Das Prinzip: Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas, kuppelt das HRB ein. Eine Axialkolbeneinheit mit Getriebe lädt den Speicher auf, wobei Hydrauliköl den darin befindlichen Stickstoff auf bis zu 330 bar komprimiert. Über das Verdrängungsvolumen regelt die Pumpe auch das Bremsmoment.

Beim Anfahren läuft der Vorgang umgekehrt. Das Gas in den Druckflaschen expandiert und drückt das Hydrauliköl in die Axialkolbenpumpe zurück. Diese regelt über das Fördervolumen das Antriebsmoment und unterstützt damit den Verbrennungsmotor. Ist der Speicher leer, kuppelt das HRB aus.

Das der normalen Bremsanlage vorgeschaltete HRB im gezeigten Iveco ermöglicht ein Bremsmoment von 1600 Nm, bietet aber keine Retarderfunktion. Der Druckspeicher besteht aus zwei Einheiten mit je 32 l Volumen und kann eine Energie von 500 kJ speichern. Damit allein kann der Lkw auf ebener Fahrbahn mit ausgeschaltetem Dieselmotor auf einer Strecke von rund 80 m beschleunigen. Für unterschiedliche Lkw lässt sich das System in Größe und Leistung anpassen. So beträgt das Bremsmoment zum Beispiel im IAA-Prototyp 2.500 Newtonmeter. Maßgeblich bei der Auslegung ist, aus welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug hauptsächlich abgebremst werden soll und welche Beschleunigung erwünscht ist.

"Je schwerer das Fahrzeug ist, desto größer ist der Nutzen des Hydraulischen Hybrids", bilanzierte der Vorstand Vertrieb der Bosch Rexroth AG, Dr. Karl Tragl. Die Bremsenergie werde nahezu vollständig zurück gewonnen und der Schadstoffausstoß durch den Anfahr-Boost reduziert. Zudem ließen sich über geringeren Bremsverschleiß und höhere Lebensdauer der mechanischen Bremse die Betriebskosten senken. Rechne man alle Kosten ein, würde sich das einfach nachrüstbare System schon in zwei Jahren und früher amortisieren.

Wie es hieß, testen Müllfahrzeughersteller Haller und die Berliner Stadtreinigung das HRB gerade im Feldversuch. Auch die Entsorgungsbetriebe in New York starten in Kürze einen gleichen Versuch. Sind die Tests Mitte 2009 abgeschlossen, "gehen wir Ende 2009 mit dem Produkt in Serie", sagte Tragl.
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Autor(en): Ulrich Knorra
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