06.10.2008

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Michelin "Active Wheel" mit Radnabenmotor treibt zwei Elektroautos

Auf dem Pariser Automobilsalon (2. bis 12. Oktober 2008) präsentiert Michelin mit dem "Active Wheel" ein Konzept für den Antrieb von Elektroautos via Radnabenmotoren gleich in zwei Fahrzeugstudien: im Roadster "Volage" des französischen Elektrofahrzeugspezialisten Venturi und im Kompaktwagen "Will" des französischen Elektroautoherstellers Heuliez. Der großserientaugliche Will entstand in einem Gemeinschaftsprojekt von Michelin mit Heuliez und dem französischen Telekommunikationsunternehmen Orange und soll 2010 in Serie gehen.

Herzstück beider Elektrofahrzeuge ist der von Michelin entwickelte 30 kW starke Elektromotor, der das Rad direkt an der Nabe antreibt und komplett im Active Wheel Platz findet. Je nach Antriebsvariante lässt sich damit derzeit - wie im allradgetriebenen Venturi Volage - eine Gesamtleistung von 120 kW realisieren. Die Stromversorgung der Motoren erfolgt über Brennstoffzellen, Lithium-Ionen-Batterien oder spezielle Doppelschichtkondensatoren.

Neben dem Elektroaggregat konnten die Michelin-Techniker auch weitere Fahrwerks- und Sicherheitskomponenten im Rad unterbringen. Dazu gehören die Bremsscheibe, der Bremssattel, eine aktive elektromechanische Feder-Dämpfer-Einheit sowie eine zusätzliche mechanische Fahrwerksfeder.

Diese neu konstruierte Kombination aus Antriebs-, Brems- und Fahrwerkstechnologie eröffnet Fahrzeugherstellern laut Michelin ganz andere Package-Möglichkeiten. So ließen sich mit dem Radnabenkonzept unterschiedliche Antriebsvarianten wie Front-, Heck-, oder Allradantrieb ohne großen Aufwand modular realisieren. Gleichzeitig würden sich den Designern attraktive Gestaltungsspielräume eröffnen: Der Raum für Motorblock, Getriebe und Kurbelgehäuse wird nicht mehr benötigt und könnte beispielsweise für Gepäck, einen Wasserstofftank oder Batterien genutzt werden.

Auch die Fahrdynamik soll mit dem Konzept gewinnen. Das Drehmoment lässt sich elektronisch für jedes einzelne Rad individuell regeln. Diese Steuerung wirkt wie ein aktives Differenzial und ermöglicht durch die blitzschnelle und bedarfsgerechte Verteilung der Antriebsmomente auf kurveninnere und kurvenäußere Räder besonders hohe Kurvengeschwindigkeiten bei optimaler Spursicherheit. Gleichzeitig kann die Kombination von elektrischem Antrieb und autarkem Bremssystem in jedem Rad noch mehr Optionen im Bereich der aktiven Sicherheit bieten als ein herkömmliches Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP).

Das für 2010 geplante Serienmodell des Heuliez Will bietet mit einer Länge von 3.700 Millimetern Platz für vier Personen inklusive Gepäck. Das integrierte elektrische Fahrwerk reagiert laut Hersteller innerhalb von drei Millisekunden über die elektrisch verstellbare Feder-Dämpfer-Einheit auf Fahrbahnunebenheiten oder Stöße. Das soll einen besonders sicheren Fahrbahnkontakt ermöglichen und den Komfort erhöhen. Der Wegfall von mechanischen Fahrwerksteilen bringt dem Will einen deutlichen Gewichtsvorteil gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen der Kompaktklasse. Zudem ist der Elektroantrieb laut Michaelin mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent besonders effizient. Je nach Energiequelle erreiche der serientaugliche Kompaktwagen einen Aktionsradius von 150, 300 oder 450 Kilometern.

Die Serienproduktion des Venturi Volage ist nach Angaben des französischen Herstellers in einer stark limitierten Kleinserie ab 2012 geplant. Der 1.075 Kilogramm schwere Roadster mit Karbon-Karosserie beschleunigt von null auf Tempo 100 in weniger als fünf Sekunden und weiter auf maximal 150 km/h. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h soll die in den Lithium-Polymer-Batterien gespeicherte Energie für bis zu 320 Kilometer ausreichen.
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Autor(en): Caterina Schröder
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