02.04.2002

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Hersteller von Geländewagen wollen Kuhfänger abschaffen

In der alten Streitfrage um die Frontpartie von Geländewagen, den so genannten Kuhfänger, haben sich nun die europäischen Hersteller verpflichtet, keine Neuwagen mehr mit diesem Extra anzubieten. Auch der Verkauf dieser Schutzbügel im Zubehörhandel soll unter Umständen auch mit Hilfe des Gesetzes unterbunden werden. Dabei ist das Gefährdungspotenzial dieser Frontschutzbügel gegenüber den schwächsten Verkehrsteilnehmern bereits seit langem belegt. Mitte der 90er-Jahre schon untersuchte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach die Gefahren für Fußgänger mit dem Ergebnis, "dass bei Unfällen ungeschützter Verkehrsteilnehmer mit Geländefahrzeugen, die mit Frontschutzbügeln ausgestattet sind, eine deutlich erhöhte Gefährdung für den Kopf von Kindern und für Oberschenkel und Becken von Erwachsenen besteht".

Die Untersuchung der BASt verdeutlichte auch das Ausmaß der Gefahr. Demzufolge entspricht die Belastung bei einem Kopfaufprall auf einen 20 km/h schnellen Wagen mit Schutzbügel der Belastung eines entsprechenden Crashs mit einem herkömmlichen Pkw mit Tempo 40 km/h. Bei Unfällen, an denen es zu Schädigungen von Oberschenkeln oder Becken kommt, sind die Werte vergleichbar. Hier ist ein 25 km/h schneller Geländewagen mit Kuhfänger einem herkömmlichen Pkw oder einem Geländewagen ohne Schutzbügel mit Tempo 40 km/h gleichzusetzen.

Da das Risiko spätestens seit diesen Erhebungen bekannt ist, gab es in der Vergangenheit auch schon alternative Lösungsvorschläge aus der Industrie. Neben den stabilen Bügeln aus Metall wurden weichere Versionen aus Kunststoff angeboten. Aufgrund ihrer weniger imposanten Optik stieß dieser Versuch nur auf eine geringe Marktakzeptanz. Und daher war dieser restriktive Schritt notwendig. "Seit dem 1. Januar gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Dachverbandes der europäischen Automobilindustrie ACEA gegenüber der EU-Kommission, keine Fahrzeuge mehr mit stabilen Frontschutzbügeln zu verkaufen", erklärte Eckehart Rotter, Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt. "Koreanische und japanische Hersteller haben sich der Selbstverpflichtung angeschlossen." Diese Selbstverpflichtung bezieht sich bislang nur auf Fahrzeuge bis zu 2,5 Tonnen. So sagten Toyota-Sprecher Frank Dudley in Köln und Albrecht Trautzburg von Mitsubishi in Trebur: "Wir verkaufen seit dem 1. Januar keine Metallfrontschutzbügel für Geländewagen mehr."

Doch ein Problem wird vorerst weiter bestehen: Der Zubehörhandel ist den Automobilverbänden nicht angeschlossen und kann daher ohne irgendwelche Einschränkungen Kuhfänger zum Nachrüsten verkaufen. Darauf bezieht sich die Forderung von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig, den Verkauf von Nachrüstteilen ebenso zu unterbinden. Nach Angaben aus dem Bundesverkehrsministerium drängt die Bundesregierung die EU-Kommission, über die Selbstverpflichtung hinaus "verbindliche europäische Vorschriften für ein Verbot gefährlicher starrer Frontschutzbügel vorzulegen". Und nach den Worten von VDA-Sprecher Rotter wird eine solche Vorschrift bald erwartet: "Wir haben gehört, dass in absehbarer Zeit eine entsprechende Regel für den Zubehörhandel kommt."

Allem Anschein nach muss die treue Fan-Gemeinde bulliger Geländewagen allen Sicherheitsbemühungen zum Trotz nicht gänzlich auf ihren beeindruckenden Fahrzeugschmuck verzichten. Techniker haben sich bereits daran gemacht, den Fußgängerschutz und die imposante Erscheinung "vollwertiger" Kuhfänger in Einklang zu bringen. "Wir arbeiten derzeit an einer Konstruktion, bei der der Bügel selbst aus Kunststoff besteht. Außen ist er jedoch zusätzlich von einer dünnen, verchromten Blechschicht umgeben", erklärte Toyota-Sprecher Dudley. Dadurch verringerten sich einerseits die Gefahren für Fußgänger im Straßenverkehr und auf der anderen Seite die der schwarzen Schafe, gleich von allen entlarvt werden zu können.

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Autor(en): Thomas Jungmann
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