26.11.2008

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Porsche zögert bei VW-Übernahme

Der Höhenflug der VW-Aktie bremst die Übernahmepläne von Porsche: Der Stuttgarter Sportwagenhersteller wird seine Anteile an Volkswagen voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr auf über 50 Prozent erhöhen. "Angesichts des gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeldes wird es zunehmend unwahrscheinlicher, dass wir dieses Ziel noch in diesem Kalenderjahr erreichen können", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf der Bilanz-Pressekonferenz des Automobilherstellers am Mittwoch, 26. November 2008, in Stuttgart. Wegen der schweren Krise auf dem Automarkt erwartet Porsche in diesem Geschäftsjahr einen "spürbaren Rückgang der Absatzzahlen".

Porsche halte zwar an dem Ziel fest, 2009 seine Mehrheit bei VW auf 75 Prozent aufzustocken, aufgrund zahlreicher Unsicherheiten will Porsche jedoch keinen konkreten Zeitplan nennen. Der Sportwagenhersteller hält bisher 42,6 Prozent der VW- Anteile und hat sich weitere 31,5 Prozent über Optionen gesichert.

Laut Wiedeking setzte die angekündigte Aufstockung der VW-Beteiligung voraus, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört auch, dass der Preis der VW-Stammaktien nicht zu hoch ist. Ende Oktober war der Kurs der Papiere über die Marke von 1.000 Euro hinaus geschossen, nachdem Porsche angekündigt hatte, auf über 70 Prozent der VW-Aktien Zugriff zu haben.

Noch Ende vergangener Woche lag der VW-Kurs bei 365 Euro, nach einer Indizes-Neugewichtung an der Börse bewegte er sich am Mittwoch bei annähernd 265 Euro. Am Mittwochvormittag lag der Kurs bei 362 Euro. Porsche-Finanzvorstand Holger Härter sagte auf der Pressekonferenz, der Sportwagenhersteller sei nicht bereit, "VW- Stammaktien zu wirtschaftlich unsinnigen Kursen zu erwerben."

Wenn der Börsenkurs über den anteiligen Unternehmenswert von Volkswagen hinausgehe, berge dies erhebliche unkalkulierbare Risiken für Porsche. Denn der Stuttgarter Automobilhersteller muss dann die VW-Aktien zu hohen Kursen in die Bücher nehmen. Das bedeutet, dass ein hohes Wertberichtigungsrisiko in einer späteren Bewertung der Beteiligung liegt, wenn der Kurs der VW-Aktie wieder sinkt.

Über die Entwicklung der VW-Beteiligung dürfe zudem die heraufziehende globale Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf die Automobilbranche nicht in Vergessenheit geraten. Wiedeking sagte, die Zeichen für einen schweren Nachfrageeinbruch seien unverkennbar. "Und deshalb steht auch heute schon fest, dass wir den hohen Gesamtabsatz des vergangenen Geschäftsjahres nicht wieder erreichen können."

Aus heutiger Sicht sei von einer spürbaren Verringerung des Absatzes - im Geschäftsjahr 2007/08 waren es 98.652 Fahrzeuge - auszugehen. Vor allem in den USA, dem wichtigsten Markt des Sportwagenherstellers, lasse sich die weitere Entwicklung kaum noch zuverlässig kalkulieren.

Von Anfang August bis Ende November sank der Porsche-Umsatz bereits von 2,36 Milliarden Euro im Vorjahr auf nur noch leicht über zwei Milliarden Euro. Der Absatz ging um 5.500 auf 25.200 Sport- und Geländewagen zurück. Am Dienstag hatte Porsche bereits angekündigt, die Produktion zu drosseln.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 hatten die Stuttgarter zwar dank der Beteiligung an VW einen Gewinnsprung verbucht und das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte eingefahren. Der Vorsteuergewinn lag mit 8,57 Milliarden Euro sogar erstmals über dem Umsatz von 7,46 Milliarden Euro. Den Gegenwind von den wichtigen Märkten USA und Deutschland bekamen die Stuttgarter aber schon zu spüren.

Wiedeking kritisierte auch mit Blick auf die Wirtschaftskrise abermals die Bundesregierung wegen des VW-Gesetzes. Einerseits eile sie von Krisensitzung zu Krisensitzung, um die Konjunktur zu stützen, andererseits verabschiede sie ein neues VW-Gesetz und riskiere damit empfindliche Strafzahlungen. Die EU-Kommission hat ein mögliches neues Vertragsverletzungsverfahren angekündigt.
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Autor(en): dpa
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