27.11.2008

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Tata-Entwicklungschef: Indien wird größter Automarkt der Welt

Indien wird bis Mitte des Jahrhunderts mit einem Fahrzeugbestand von 600 Millionen China als größtes Autoland der Welt deutlich überholt haben. Dies prognostizierte Dr. Clive Hickmann (Foto, links), Entwicklungschef von Tata Motors, auf der ATZ-Konferenz "New Technologies for Emerging Markets", die am Mittwoch. 26. November 2008, in Frankfurt veranstaltet wurde. Grund für das starke Wachstum sei der, ungeachtet der aktuellen Finanzkrise, starke Aufschwung der indischen Wirtschaft, der zu einem Anwachsen der kaufkräftigen Mittelklasse von heute 50 Millionen Menschen auf rund 600 Millionen bis 2025 führen wird. Die indischen Fahrzeughersteller investieren derzeit heftig in den Aufbau neuer Fahrzeugkapazitäten - allein bis Anfang des nächsten Jahrzehnts sollen elf Milliarden in neue Werke fließen. Damit die Verkehrsinfrastruktur mitwachsen kann, investiert der Staat im gleichen Zeitraum mehr als 60 Milliarden Euro in den Auf- und Ausbau von Straßen.

Der mit Spannung erwartete Kleinwagen Tata Nano wird laut Hickmann, mit einigen Monaten Verzögerung, nun im Februar kommenden Jahres anlaufen. Die bereits fertig gestellten Produktionsanlagen im kommunistisch regierten Bundesstaat Kirala konnten wegen sozialer Unruhen nicht in Betrieb genommen werden. Der Hersteller weicht nun auf ein existierendes Geländewagen- und Lkw-Werk aus, wo aufgrund der Platzverhältnisse jedoch nur eine kleinere Stückzahl gefertigt werden kann. Parallel wird an einem Neubau gearbeitet.

An dem erwarteten Wachstum will auch Europas größter Autohersteller Volkswagen partizipieren, wie Dr. Ulrich Hackenberg (Foto, rechts), Entwicklungschef des Unternehmens erläuterte. Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen die Verkäufe auf dem Subkontinent um 900 Prozent steigen. Um der Nachfrage nach kompakten Fahrzeugen mit einem Zielpreis von 5.000 bis 8.000 Euro gerecht zu werden, führt der VW-Konzern neben dem Modularen Querbaukasten, auf dem zum Beispiel der Golf 7 aufbauen wird, und dem Modularen Längsbaukasten eine dritte Plattform ein: Die "New Small Family" (NSF) ist ebenfalls auf Frontantrieb ausgelegt - der Heckantrieb, wie Tata ihn im Nano einsetzt, war zwar untersucht, aber auch wieder verworfen worden. Der Antrieb ist auf kleine Verbrennungsmotoren mit zwei und drei Zylindern sowie eine weitgehende Elektrifizierung ausgelegt.

Was ein Verkaufspreis von 5.000 Euro bedeutet, legte Dr. Wolfgang Bernhart, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, dar. Die Gesamtkosten für ein solches Fahrzeug dürften 3.500 Euro nicht überschreiten, wenn fünf Prozent Marge erzielt werden sollen. Er sieht zwei grundsätzliche Wege, so ehrgeizige Zielkosten zu erreichen: Entweder werde, wie von VW und den meisten westlichen Herstellern verfolgt, eine sehr intelligente Modulstrategie über große Stückzahlen verfolgt. Oder man nutzt wie die lokalen OEMs die Kostenvorteile. Denn, so Bernhart, letztlich sind 70 Prozent der Kosten an einem Billigfahrzeug direkte oder indirekte Lohnkosten. Er berichtete von chinesischen Herstellern, die mit nur 50.000 Einheiten im Jahr hochprofitabel arbeiteten, weil sie nur 450 Euro Gesamtkosten je Fahrzeug aufwiesen. Westlichen Herstellern und Zulieferern rät Bernhart dringend dazu, eine Kosten-Innovationsstrategie aufzusetzen - vor diesem Hintergrund verständlich.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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