08.12.2008

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Dominanz oder Pluralismus - die Zukunft des Elektroantriebs in Deutschland

"Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilwirtschaft hängt mehr denn je von der Leistungsfähigkeit, den Kosten für Schlüsseltechnologien sowie der Kooperation der Akteure in Forschung, Wirtschaft und Politik ab", erklärt Prof. Dr. Marion Weissenberger-Eibl, Institutsleiterin des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Vor diesem Hintergrund haben die Fraunhofer-Forscher die wesentlichen Parameter in einer Wirtschaftlichkeitsanalyse identifiziert und zwei alternative Szenarien für Elektromobilität in Deutschland bis zum Jahr 2050 entwickelt. Die Basisparameter sind die Entwicklung der Kosten für Batterie und Antriebstrang sowie die Spanne zwischen Strompreis und konventionellen Kraftstoffen unter Einbezug der Steuerbelastung.

Szenario 1 geht von einer nahezu kompletten Substitution der konventionellen Fahrzeuge durch Plug-in-Hybrid- und Elektro-Fahrzeuge aus. Nach diesem "Dominanz-Marktszenario" wären 2050 in Deutschland mindestens 45 Millionen Fahrzeuge auf eine entsprechende Stromversorgung angewiesen. Der Strombedarf - so rechnen die Wissenschaftler vor - liege damit jährlich bei 70 bis 90 Terawattstunden (TWh), beziehungsweise würde die Kapazität von acht Kraftwerken erfordern. Der umweltseitige Gewinn, wenn der Strom wie politisch festgelegt aus erneuerbaren Quellen stammt: Die Gesamtemissionsbilanz würde etwa zehn Gramm CO2 pro gefahren Kilometer betragen satt der derzeitigen knapp 200 Gramm CO2 bei erdölbasierten Fahrzeugen, einschließlich der Vorkette der Energieproduktion.

Szenario 2 malt ein aus heutiger Sicht realistischeres Bild der Zukunft; es sieht die Elektromobilität als eine von mehreren Lösungen an. Bei dem "Pluralismus-Szenario" gehen die ISI-Experten von einer multiplen Auswahl an Kraftstoffen und Antriebssystemen aus. Entscheidend, ob sich im Szenario 2 ein System durchsetzt, wäre dann laut Studie der spezifische Nutzen für den jeweiligen Markt. So könnten sich beispielsweise Elektroroller oder Leichttransporter für den innerstädtischen Lieferverkehr behaupten. Die daraus resultierende Nachfrage liege nach Angaben der Forscher bei etwa acht Millionen Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge bis zum Jahr 2050, das entspräche 17 Prozent des heutigen Fahrzeugbestandes. Der Energiebedarf hierfür: 10 bis 15 TWh. Diese zusätzlich notwendige Strommenge stelle nach Angaben der Forscher im Gegensatz zum Dominanz-Szenario keine besondere Anforderung an den Bau von Kraftwerken dar.

"Wie schnell sich die Flottenstruktur wandelt, hängt zum einen von der Entwicklung der technischen Parameter ab. Zum anderen entscheiden darüber die Öl- und Batteriepreise, die Kundenakzeptanz sowie die klimapolitischen Instrumentarien wie Steuern und Emissionsgrenzwerte", erläutert Prof. Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfeldes Energiewirtschaft am Fraunhofer ISI.

Mit der Untersuchung unterstützt das Fraunhofer-Institut den Flottenversuch Elektromobilität, der im Juni 2008 angelaufen ist. Bei der Analyse zur Zukunft der Elektromobilität sollen die Potenziale von Plugin-Hybrid- und Elektrofahrzeugen sowie der effiziente Einsatz erneuerbarer Energien im Verkehr erforscht werden. Beteiligt an dem von der Bundesregierung geförderten Forschungskonsortium sind neben Volkswagen, E.ON und den Batterietechnologieanbietern GAIA und Evonik / Li-Tec auch Forschungspartner wie Fraunhofer, das Heidelberger Ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung), das Institut für Verkehrsforschung des DLR, die RWTH Aachen sowie die Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Auch Daimler und BMW haben kürzlich mit den Stromanbietern RWE beziehungsweise Vattenfall Flottentests mit Elektrofahrzeugen in Berlin gestartet.
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Autor(en): Caterina Schröder
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