18.12.2008

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Technik im Alltag: Volkswagen Scirocco 2,0 l TSI DSG - Ein legitimer Erbe

Wer denkt, Baukästen seien eine neue Erfindung im VW-Konzern, der irrt. Denn die Idee, auf Basis eines Baukastens unterschiedliche Modelle zu vernünftigen Kosten realisieren zu können, hielt in Wolfsburg bereits 1971 mit dem Vorstandsvorsitzenden Rudolf Leibing Einzug. Es war eine schwierige Zeit: Der Käfer als Inbegriff des Volkswagens gehörte dringend ersetzt, die Modellpalette ausgeweitet. Leibing setzte den Golf auf die Schiene und entschied, nur wenige Wochen im Amt, auf der technischen Basis des Golfs einen Sportwagen für jedermann auf den Markt zubringen. Der erste Scirocco kam dann 1974 mit wassergekühlten, quer eingebauten Motoren. In der Basisversion mit 50 PS kostete er 9995 DM, ein Automatikgetriebe war natürlich nicht lieferbar. Der Volks-Sportwagen war ein wirtschaftlicher Erfolg: In nur sieben Jahren wurden mehr als eine halbe Million Fahrzeuge ausgeliefert.

Vor diesem Hintergrund fragte sich die Redaktion der ATZ angesichts der 2007 erfolgten Wiedergeburt des Scirocco: Legitimer Erbe oder nicht? Und: Verbirgt sich unter dem modernen Design mit wenigen Retrozitaten dann doch einfach ein Golf? Die Testamentsvollstrecker, die heute die Geschicke des Wolfsburger Autokonzerns lenken, können beruhigt sein: Es gibt keinen Grund, den aktuellen Scirocco nicht als Erben anzuerkennen.

Das beginnt mit dem Preis: Der von uns gefahrene Scirocco stellt die aktuelle Topmotorisierung dar und kostete 35.456 Euro. Verzichtet man auf das mehr als 3.000 Euro teuere Infotainmentsystem sowie das Panorama-Ausstelldach (975 Euro), kommt man in die Region von 1,50 Euro je PS.

Leistung allein macht noch nicht glücklich - wohl aber, wenn Sie sich so gesittet entfaltet wie in unserem Testfahrzeug. Bei rascher Autobahnhatz wie im Feierabendstau, stets gewinnt der Fahrer der Eindruck, dass der Antrieb genau das macht, was man will, auch wenn man nicht in die Schaltautomatik eingreift. Die Vorraussetzung dafür ist freilich ausreichend Moment, und dafür sorgt im 2,0-l-Scirocco ein Abgasturbolader. Übertragen wird das Drehmoment von maximal 280 Newtonmetern durch das bekannte Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe mit nasser Kupplung.

Im Fahrbetrieb ist vom Lader nichts zu spüren, wie eine Turbomaschine lässt sich der Scirocco gleichmäßig beschleunigen, ohne jede Andeutung von Turboloch. Kurzum: Der Scirocco ist in dieser Auslegung eine perfekte Fahrmaschine.

Wir haben die Möglichkeiten, die dieses Sportfahrzeug bietet, intensiv genutzt: Trotzdem vermeldete der Bordcomputer nach 1.550 Kilometern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 92 km/h einen Verbrauch von nur 9,4 l/100 km. Das ist mehr als EU-Abgeordnete gemeinhin als ökologisch korrekt ansehen, aber doch ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wer lange nach seinem Ziel sucht, kann die auf der Autobahn gewonnene Zeit leicht verspielen. Auch da besteht beim neuen Scirocco keine Gefahr. Das neue, von Continental zugelieferte Infotainmentsystem "RNS 510 Dynaudio Exite" umfasst eine der besten Navigationen, die wir je im Test hatten. Die Bedienung, weitgehend, aber nicht zwingend über Touchscreen, ist intuitiv, die Grafik großartig, die Routenberechnung fix. Die Geschwindigkeit dürfte auf den 30-GB-Festplattenspeicher zurückzuführen sein. Besonders angetan hat es uns die Mobilfunkkopplung über das Zentraldisplay und die Lenkradtasten - so muss ein HMI aussehen, das nicht ablenken will. Leider verlangt das System die PIN nach jedem Tankstopp neu, hier sollte ein Zeitlimit gelten, in der die Kopplung automatisch erfolgt.

Technische Daten (.PDF)


Fazit
Der neue Scirocco ist das perfekte Fahrzeug für alle, die gerne schnell am Ziel sind und dafür nicht allzu viel ausgeben wollen. Die Motor-Getriebe-Abstimmung ist schlichtweg perfekt. Die Golf-Plattform merkt man nur am soliden Fahrwerk. Allein die letztlich doch etwas krawallige Farbe (Viperngrün) führte dazu, dass man mich beim Aussteigen ab und an verwundert ansah - der Scirocco ist eher nichts für Anzug und Krawatte.
Stimmen aus der Redaktion

Die Kombination aus Ottomotor und Doppelkupplungsgetriebe harmoniert beim Scirocco sehr gut. Auch das Fahrwerk ist ausgewogen - es trägt dem sportlichen Charakter des Scirocco zwar Rechnung, ist dabei aber nicht aufdringlich hart. Was mir fehlt, ist bei dieser Motorisierung ein entsprechender Motorsound.

(Ruben Danisch)
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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