22.12.2008

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Innovative Produkte versus Prozessinnovationen - Fraunhofer ISI untersucht regionale Innovationsmuster

Automobilzulieferer und Maschinenbauer aus Baden-Württemberg (BW) legen besonderen Wert auf innovative Produkte mit schnellen Entwicklungszeiten bis zur Marktreife. Unternehmen der gleichen Branchen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) setzen stärker auf Prozessinnovationen. Dies geht aus einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) für die IG Metall in beiden Bundesländern hervor. Als Grund für diese regionalspezifisch unterschiedlichen Innovationsmuster sehen die Wissenschaftler die unterschiedlichen Wünsche der regionalen Kunden.

Die Studie unterscheidet grundsätzlich vier Innovationsstrategien - Innovationen in Form neuer Produkte, durch innovative Dienstleistungen, mit verbesserten technischen Prozessen und die Nutzung neuer Organisationskonzepte. "Unternehmen, die auf diese Strategien setzen, können wachsen und Beschäftigung schaffen", so Institutsleiterin Marion Weissenberger-Eibl. Unter den Automobilzulieferern konkurrieren Unternehmen aus beiden Bundesländern sehr stark über den Preis. Als erster Wettbewerbsfaktor wird er in NRW jedoch von 47 Prozent, in BW nur von 37 Prozent der Zulieferer genannt. Der höheren Preisorientierung in NRW begegnen die dortigen Unternehmen mit einer stärkeren Fokussierung auf Prozessinnovationen (39 Prozent zu 34 Prozent in BW).

Die baden-württembergischen Automobilzulieferer sehen ihre Stärken merklich häufiger in Qualität (29 zu 23 Prozent in NRW) und technologischer Innovation (16 zu neun Prozent in NRW). Dies schlägt sich zwar in kürzeren Produktentwicklungszeiten nieder, nicht jedoch in einem höheren Umsatz mit neuen Produkten. "Möglicherweise legen die Automobilhersteller in Baden-Württemberg", vermutet der Leiter des ISI Competence Center für Industrie- und Serviceinnovationen Steffen Kinkel, "besonderen Wert auf rascher zur Serienreife gelangende neue Produkte?"

Unter den Maschinenbauern setzen Unternehmen aus Baden-Württemberg zu zwei Dritteln darauf, erfolgreich durch neue Produkte zu sein. Hier spiegelt sich laut ISI das in diesem Bundesland höhere Gewicht des Innovations- und Technologiewettbewerbs wieder. Die nordrhein-westfälischen Maschinenbauer nutzen diesen Ansatz nur knapp zur Hälfte. Stattdessen gewichten sie technische und organisatorische Prozessinnovationen höher und betonen so Leistungsqualität und -flexibilität als Wettbewerbsstrategie.

Maschinenbaubetriebe aus NRW erzielen deutlich mehr Umsatz aus Produkt begleitenden Dienstleistungen (19 Prozent gegenüber zwölf Prozent in BW). Bei diesem flexiblen Umgang mit Kundenwünschen dürfte es laut ISI in Baden-Württemberg durchaus noch Verbesserungspotenzial geben:
"Aus innovationspolitischer Sicht ist diese Option interessant, da vertiefende Analysen gezeigt haben, dass gerade kundenspezifische Problemlösungsstrategien verlagerungsresistenter sind und höhere inländische Wertschöpfungspotenziale versprechen", unterstreicht ISI-Experte Kinkel. Im Segment der Automobilzulieferer unterscheidet sich die Dienstleistungsintensität nicht.

Eine schlankere oder flexiblere Produktion durch innovative Organisationskonzepte zählt zum Repertoire sowohl der Maschinenbauer als auch der Automobilzulieferer in beiden Bundesländern. Bei den Automobilzulieferern sei der kontinuierliche Verbesserungsprozess in BW mit 92 Prozent Nutzern fester etabliert als in NRW, wo dem Ansatz 81 Prozent folgen. Im Maschinenbau zeigen sich Unterschiede auf dem Gebiet der Nutzung von Gruppenarbeit. Dieses Konzept wird in 70 Prozent der NRW-Unternehmen, jedoch in nur 64 Prozent der BW-Unternehmen angewandt. Ähnlich unterdurchschnittlich zeigen sich
Innovations- und Verbesserungspotenziale dieser Branche bei regelmäßigen Personalentwicklungsgesprächen. Sie sind zwar nach Angaben der Wissenschaftler in BW mit 82 Prozent durchaus weiter verbreitet als in NRW, wo 70 Prozent darauf zählen, doch nur jeweils ein Fünftel bis ein Drittel aller Betriebe beider Länder nutzt solche Organisationskonzepte innerbetrieblich bereits in hohem Maße. "Verschenken die Unternehmen hier gegebenenfalls Verbesserungspotenziale?", gibt das ISI zu bedenken.

Die Untersuchung basiert auf Daten von 284 Unternehmen aus beiden Bundesländern. Hierunter befanden sich 125 Automobilzulieferer und 159 Maschinenbauer.
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Autor(en): Caterina Schröder
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