28.01.2009

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Weltpremiere des F1 R29 - Reglement erfordert komplett neues Auto

Im portugiesischen Portimão präsentierte Renault mit dem R29 seine Antwort auf die umfassenden Neuerungen in der Formel 1. Angesichts der radikalen Regeländerungen für die Saison 2009 handelt es sich beim neuen Rennboliden um keine evolutionäre Weiterentwicklung des Vorjahresmodells, sondern um ein komplett neues Auto. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt das Kinetische Energierückgewinnungs-System KERS, mit dem sich Bremsenergie speichern und wieder für den Antrieb nutzen lässt. Die in Zusammenarbeit mit Magneti Marelli entwickelte Lösung besteht aus einer Motor-Generator-Einheit an der Frontseite des V8-Aggregats, Lithium-Ionen-Batterien unterhalb des Kraftstofftanks und dem KERS-Steuergerät. Das Reglement begrenzt für 2009 die Obergrenze des zusätzlich abrufbaren Schubs auf 60 kW, die pro Runde per Knopfdruck für die maximale Dauer von knapp sieben Sekunden abgerufen werden dürfen.

Das zusätzliche Gewicht der KERS-Komponenten führte zu Leichtbaulösungen wie der Getriebeglocke in einem Verbundwerkstoff aus Kohlefaser und Titan sowie Radträgern aus MMC-Aluminium (Metal-Matrix Composite) mit gezielt eingebrachter Verstärkungskomponente. Somit wiegt der 4.800 Millimeter lange Rennwagen inklusive Fahrer, Kamera und Ballast 605 Kilogramm.

Das äußere Erscheinungsbild des R 29 ist von den neuen restriktiven Aerodynamik-Regeln geprägt, die das Überholen erleichtern sollen. Zu den besonders markanten Merkmalen des Renault Boliden zählt der neue Frontflügel, der deutlich tiefer positioniert ist und sich praktisch über die gesamte Fahrzeugbreite erstreckt. Mit Ausnahme des Mittelstücks lässt sich der Flügel während der Fahrt vom Cockpit aus verstellen.

Die zahlreichen Zusatzflügel, Winglets und Kamine, welche die F1-Boliden der vergangenen Jahre kennzeichneten, fielen dem Regelwerk zum Opfer. Entsprechend aufgeräumt präsentiert sich der R29. Prägende Merkmale sind die nach hinten flach abfallenden Seitenkästen sowie die vom Vorgängerfahrzeug R28 inspirierte, weit ins Heck verlängerte Motorabdeckung mit der charakteristischen "Haifischflosse". Ein weiteres Detail ist der schmale und hoch positionierte Heckflügel, der von einer Vertikalstrebe gehalten wird.

Komplett neu präsentiert sich auch die Vorderradaufhängung. Die schräg geführten Querlenker sowie das höhere Monocoque sollen dazu beitragen, das Potenzial der neuen, vom Reglement geforderten profillosen Slickreifen optimal auszunutzen sowie die aerodynamische Effizienz des Fahrzeugs auszunutzen.

Angesichts der zahlreichen Neuerungen in der Saison 2009 spricht der ING Renault F1-Chefingenieur Pat Symonds von der "größten Herausforderung, der sich das Renault in der Formel 1 seit langem stellen muss." Vor allem das KERS-System bedeute absolutes Neuland: "Niemand in der Formel 1 hat zuvor mit Leistungselektronik und Hochspannungssystemen gearbeitet. Unsere Erfahrungen mit Elektromotoren beschränken sich bislang auf Benzinpumpen und andere kleine Anbauteile", ergänzt Symonds. Der Technische Direktor des ING Renault F1-Teams, Bob Bell, nennt KERS "eines der kompliziertesten und schwierigsten Projekte", das Renault in der Formel 1 je in Angriff genommen habe.

Auch das völlig neue Aerodynamikkonzept bedeutet für die Equipe eine große Herausforderung: "Die Teams müssen wieder ganz neu lernen, wo die heiklen Bereiche liegen, wo sich Vorteile erzielen lassen, wie sie das Reglement optimal ausnutzen können und wo das Regelwerk ihrem Innovationsdrang unmissverständlich entgegensteht", erklärt Symonds.

Evolution statt Revolution dagegen beim Motor: Hier stand neben der Integration des KERS-Systems vor allem eine längere Haltbarkeit im Blickpunkt der Entwickler. Hintergrund: Das FIA-Regelwerk (Fédération Internationale de l'Automobile) für die Saison 2009 schreibt vor, dass sich die Lebensdauer der F1-Triebwerke von zwei auf drei Grand-Prix-Wochenenden verlängert. Zudem dürfen künftig über die ganze Saison für Qualifikationen und Rennen pro Fahrer nur noch acht Aggregate eingesetzt werden. Das Drehzahllimit der 2,4-Liter-V8-Motoren sinkt von 19.000 auf 18.000 1/min.

Mit dem zweifachen Weltmeister Fernando Alonso und Nelson Piquet ist 2009 für das ING Renault F1-Team die Fahrerkombination des Vorjahres am Start. Als dritter Fahrer unterstützt Romain Grosjean aus Frankreich das ING Renault F1-Team.
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Autor(en): Caterina Schröder
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