24.03.2009

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Bosch warnt vor Überkapazitäten bei Traktionsbatterien

Dr. Bernd Bohr, in der Bosch-Geschäftsführung für die Kraftfahrzeugtechnik verantwortlich, mahnt die deutsche Automobilindustrie, sich bei der Entwicklung von Traktionsbatterien für Elektro- und Hybridfahrzeuge auf wenige Zulieferer zu konzentrieren. "Die Entwicklungskosten sind enorm, die Stückzahlen reichen auch Ende des nächsten Jahrzehntes nicht zur Refinanzierung aller Projekte", sagte Bohr bei der Eröffnung des 9. Internationalen Stuttgarter Symposiums.

Bosch setze langfristig auf den elektrischen Antrieb, rechne jedoch selbst 2020 nur mit einem niedrigen einstelligen Prozentanteil an den 100 Millionen Fahrzeugen, die pro Jahr produziert werden sollen. Diese Zurückhaltung teilte auch der zweite Plenarredner: Michael Dick, Entwicklungschef von Audi, hat zwar ein Projekthaus für Elektrotraktion gegründet und arbeitet an einem Konzeptfahrzeug. Größeres Gewicht für aktuelle Entwicklungsprojekte habe jedoch ein modularer Effizienzbaukasten. Dieser ermöglicht, über den Einsatz einzelner Techniken für jedes Modell zu entscheiden, abhängig von der Bereitschaft der Kunden, die Mehrkosten zu tragen.

Bohr sieht in Japan eine starke lenkende Hand und in China eine zentrale Steuerung, dem die deutsche Automobilindustrie ein konzentriertes Vorgehen entgegen setzen sollte. "Wir sollten noch einmal überdenken, ob die zu beobachtende Zersplitterung in viele Allianzen Sinn macht." Er verweist darauf, dass eine Hochrechnung der Kapazitäten selbst bei einem optimistischen Szenario und starker Förderung des Elektrofahrzeuges im Jahr 2020 mehr 100 Prozent Überkapazität in der Fertigung bestehen werden. Es böte sich an, auf ein klassisches Zuliefermodell zu setzen.

Dr. Manfred Dietrich, Ministerialdirigent im BMBF, nahm den Ball auf und spielte ihn zurück: "Wir wurden und werden bei den Allianzen nicht gefragt, können hier also auch keine ordnende Hand wahrnehmen." Er hält es allerdings für sinnvoll, dass die auseinanderstrebende deutsche Automobilindustrie ihre Kräfte wieder bündelt.

Den hohen Finanzbedarf begründet Bohr mit der notwenigen Weiterentwicklung. Bei Energiedichte und Kosten sei jeweils eine Verbesserung um den Faktor drei notwenig, um Kundenakzeptanz zu erreichen. Heute betragen die Kosten für eine Lithium-Ionen-Batterie noch 500 Euro je Kilowattstunde. "Wenn Sie die Entwicklungskosten auf zwei Hersteller umlegen, von denen einer 100 und der andere 500 Tausend Einheiten im Jahr fertigt, dann hat der kleinere allein dadurch einen Skalennachteil von 450 Euro je Batterie."

Wie viele andere in der Branche sieht Bohr das Hybridfahrzeug als Übergangstechnologie und Lernfeld. Eine Hybridisierung von Dieselfahrzeugen sei jedoch zu hinterfragen. Ausgehend von einem aktuellen Standardbenzinmotor koste er 3650 Euro mehr und erbrächte eine Verbrauchseinsparung von rund 50 Prozent. Die Verbrauchshalbierung sei auch mit einer extremen Downsizing-Strategie erreichbar, verursache dann aber nur 1800 Euro Zusatzkosten. Trotzdem: Das erste Hybridfahrzeug, bei dem Bosch die Batterietechnik liefert, wird Ende des Jahres in Serie gehen.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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