11.05.2009

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Wiener Motorensymposium: Der Elektroantrieb wird wettbewerbsfähig

In einem kontrovers diskutierten Vortrag zur Eröffnung des 30. Wiener Motorensymposiums prognostizierte Dr. Karl-Thomas Neumann, Vorstandsvorsitzender des Zulieferers Continental, dass der Elektroantrieb schon 2020 wettbewerbsfähig sein könnte. Die Kosten für Lithium-Ionen-Batterien von heute mehr als 1.000 Euro je Kilowattstunde könnten innerhalb einer Dekade um zwei Drittel sinken. Einen wesentlichen Anteil (nämlich die Hälfte der Gesamtreduktion) hält Neumann durch eine Automatisierung der Batterieproduktion mit hohen Stückzahlen für erreichbar. Damit sowie durch weitere Fortschritte beispielsweise bei der teueren Leistungselektronik könnte der komplette Antrieb für ein kompaktes Fahrzeug für rund 6.000 Euro produziert werden - nach Angaben von Neumann vergleichbar mit einem Euro-VI-Motor einschließlich Getriebe und kompletter Abgasnachbehandlung.

Auch sonst was das Wiener Motorensymposium von Hybridisierung und Elektrifizierung geprägt. So stellten Mercedes und BMW erstmals ihre Adaptionen des gemeinsam entwickelten "Two-mode"-Hybridsystems vor, bei dem zwei auch zur Übersetzung genutzte Elektromotoren direkt im Getriebe verbaut sind. Einen Blick in eine ferne Zukunft wagte AVL-Geschäftsführer Dr. Robert Fischer mit einem kompakten Range-Extender-Modul, bei dem eine permanent magneterregte Synchronmaschine und ein Wankelmotor auf der Antriebswelle in einem Gehäuse sitzen. Der Rotor der E-Maschine dient gleichzeitig als Ausgleichsgewicht für den Wankelmotor. Der in Wien auch ausgestellte Funktionsprototyp hat bei einer Nennleistung von 14 Kilowatt ein Gewicht von nur 29 Kilogramm. Wettbewerber FEV zeigte eine ähnliche Lösung, bei der jedoch die Motoren nicht in ein Gehäuse integriert sind und daher mehr Bauraum benötigen.

Wie sich die vom Pkw-Verkehr in Deutschland verursachte CO2-Emission entwickeln könnte, zeigte Dr. Wolfgang Warnecke, der einige Ergebnisse einer Shell-Prognose 2030 vortrug. Die Prognose arbeitet mit zwei Szenarien. Dem ersten, eher konservativen Szenario zufolge sinkt die gesamte CO2-Emission um 23 Prozent, wenn das Heil vorrangig in einer allmählichen Optimierung des Verbrennungsmotors gesucht wird. Diese Verbesserung wäre vermutlich angesichts des Zuwachses beim Güterverkehrs und dem steigenden Verkehr in den Schwellenländern bedeutungslos. In einem Alternativszenario, bei dem die Verbrennungsmotoren neu zugelassener Fahrzeuge jedes Jahr um mindestens 1,2 Prozent effektiver werden und der Anteil von Biokraftstoffen auf 15 Prozent ansteigt, wäre eine CO2-Reduktion um 38 Prozent möglich. In diesem Szenario erreichen Elektroautos einen Marktanteil von 10 und Hybridfahrzeuge von 50 Prozent.

Die deutschen Autofahrer erwarten noch höhere Marktanteile für das Elektroauto. Nach einer parallel zum Motorensymposiums veröffentlichten Studie, die das Unternehmen bei TNS Infratest in Auftrag gegeben hatte, wird erwartet, dass bis 2025 jedes vierte neu zugelassene Auto elektrisch fährt. Meinung und verhalten fallen allerdings auch in dieser Studie auseinander: Zwar halten 48 Prozent der Befragten den Elektroantrieb für zukunftsfähig, nur 21 Prozent würden aber beim nächsten Autokauf ein Fahrzeug mit Elektroantrieb in Erwägung ziehen - während 51 Prozent dies derzeit ablehnen.
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Autor(en): Johannes Winterhagen
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