Fünfzylinder - besser als Sechs oder Acht?
Verbrennungsmotoren mit fünf Zylindern stehen in puncto Laufkultur und Gleichförmigkeit zwischen Vier- und Sechszylindern. Vorteile verbuchen sie hinsichtlich ihrer Abmessungen, und sie können selbst da noch quer eingebaut werden, wo Reihensechszylinder schon zu lang sind. Neuen Vorschub könnte der Motor mit der ungeraden Zylinderzahl bekommen, wenn das Downsizing in Zukunft auch konsequent in der Oberklasse umgesetzt wird: Sein Geräuschverhalten und seine potenzielle Leistungsdichte könnten den immer noch eher exotischen Antrieb zur vernünftigen Alternative zum Sechs- und Achtzylindermotor machen.
Eines kann man dem Fünfzylindermotor gewiss nicht vorwerfen: Einen charakterlosen Klang. Ob als freundlich grummelnder Limousinenantrieb oder als hochgezüchteter Sportwagenmotor, egal, ob er den Kraftstoff nach dem Diesel- oder Ottoprinzip verbrennt, stets kann man ihn aus der Masse der Motoren heraushören, wobei das Stakkato seiner Gaswechsel entfernt an einen V8-Motor erinnert.
Nach Mercedes im seligen 240 D 3.0 machte vor allem Audi den Fünfzylinder populär: anfangs als Verlegenheitslösung in Ermangelung eines konzerneigenen Sechszylinders, später dann dank vieler Rallye-Erfolge. Doch mit Aufkommen der Sechszylindermotoren bei den Ingolstädtern verlor sich die Spur des Fünfzylinders; niemand wäre auf den Gedanken gekommen, eine (Audi-)Komfortklasse mit einem Fünfzylinder adäquat motorisiert zu sehen. Sechs oder besser acht Zylinder waren die Eintrittskarte ins automobile Oberhaus, Zwölfzylindermotoren blieben bis zum fast schon inflationären Auftreten deutscher Produkte die Solitäre der Motorenbaukunst.
Das war einmal: Während technisch so gut wie nie etwas für den Zwölfzylinder sprach, schickt sich jetzt der Sechszylindermotor an, den Achtzylinder vollständig zu verdrängen. Dies ist angesichts Geräusch, Leitungsentfaltung und Massenausgleich mit keinerlei Nachteilen verbunden, wie BMW beim 740d zeigt, mit dem der Hersteller auch gleichzeitig den V8-Diesel zu Grabe getragen hat.
Der nächste konsequente Schritt wäre ein weiterer Verzicht, und es kursieren schon Überlegungen, ob künftig nicht auch in der Luxusklasse vier Zylinder für standesgemäßen Vortrieb sorgen könnten.
Stefan Pischinger, Professor an der RWTH Aachen liefert stichhaltige Gründe, dass dies nicht realistisch ist. Zum einen produziert das Schwingungsverhalten eines Vierzylinders niederfrequente Brummfrequenzen, die - noch - inakzeptabel in der Oberklasse sind und gleichzeitig für einen langweiligen Klang sorgen. Zum anderen sind die derzeitigen Leistungsansprüche nicht mit einem Vierzylinder darstellbar.
Der Fünfzylindermotor hingegen ist dem Vierzylinder schwingungstechnisch überlegen, hat akustischen Reiz und das Potenzial, auch hohe Leistungsansprüche zu erfüllen. Dazu hat er noch einen theoretischen Verbrauchsvorteil im Vergleich zum Sechszylinder.
Das sieht auch Audi so, und bietet nach fast 20 Jahren wieder einen Fünfzylindermotor an, der im Sportcoupé TT spezifisch Erstaunliches leistet. Weitere Anwendungen dürften folgen.